Sharing-Economy

Airbnb schreibt offenbar zum ersten Mal schwarze Zahlen

Brian Chesky, CEO von Airbnb
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Brian Chesky, CEO von Airbnb
Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte arbeitet Airbnb offenbar profitabel. Und das, obwohl das Unternehmen in den vergangenen Monaten von einigen Stadtverwaltungen weltweit starken Gegenwind erhalten hatte.
Airbnb hat Medienberichten zufolge in der zweiten Hälfe des vergangenen Jahres erstmals mehr Einnahmen als Ausgaben generiert. Das berichtet aktuell das Portal "Cnet", das sich dabei auf Brancheninsider beruft, aber keine genauen Zahlen nennt. Demnach sollen die Gewinne im vergangenen Jahr um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen sein. Das Unternehmen rechne damit, auch das Jahr 2017 mit einem Plus abschließen zu können.
Das Geschäftsmodell von Airbnb
Über Airbnb können Nutzer ihre privaten Zimmer, Wohnungen oder Häuser an Reisende vermieten. Das Unternehmen verlangt dafür eine Provision von 6 bis 12 Prozent von den Gästen, sowie eine etwas kleinere von den Gastgebern. Airbnb versteht sich lediglich als Vermittler beider Parteien, kümmert sich also nicht um die Instandhaltung der Mietsachen.
Wenn die Zahlen stimmen, hätte Airbnb zum ersten Mal den Beweis erbracht, dass das Geschäftsmodell tatsächlich Gewinne abwerfen kann. Und das, obwohl das Unternehmen in den vergangenen Monaten von einigen Stadtverwaltungen weltweit starken Gegenwind erhalten hatte. Weil kommerzielle Anbieter auf Airbnb immer häufiger ihr Unwesen treiben würden, entschieden sich New York und San Francisco jüngst dazu, die Zahl der Wohnungsvermittlungen über Airbnb zu limitieren. Auch Deutschland ist kein einfacher Markt: Seit dem 1. Mai 2016 ist es in Berlin beispielsweise nicht mehr erlaubt, über die Plattform ein privates Appartement ohne Spezialerlaubnis der Behörden zu vermieten. Ansonsten drohen Bußgelder.



Nicht ohne Grund geht Airbnb deshalb seit einiger Zeit auf Schmusekurs mit der Politik. "Wir suchen den konstruktiven Dialog mit der Stadt Berlin, um über konkrete Modelle zu sprechen, die Home Sharer von in Berlin unerwünschten kommerziellen Anbietern abgrenzen", sagt Lulu Skinner gegenüber HORIZONT Online, die bei Airbnb für das Marketing in der EMEA-Region zuständig ist. Bereits 2015 heuerte Airbnb Chris Lehane, den ehemaligen Pressechef für den späteren US-Vizepräsidenten Al Gore, für die Lobbyarbeit in den USA an.

Die nun vermeldete Profitabilität lässt das Unternehmen zudem in einem ganz anderen Licht erscheinen als einen anderen Giganten der Sharing-Economy: Uber. Der (ebenso umstrittene) Fahrdienstvermittler sowie Airbnb werden zu den wertvollsten Tech-Konzernen gezählt - und werden mit bis zu 68 bzw. 30 Milliarden Dollar bewertet. Nur: Anders als Airbnb fährt Uber trotz steigender Umsätze offenbar weiterhin schlechte Ergebnisse ein. Im dritten Quartal hat sich das Minus auf mehr als 800 Millionen Dollar summiert. Insgesamt sollen im laufenden Jahr Verluste von rund zwei Milliarden Dollar angefallen sein. Uber kämpf in der USA vor allem gegen den starken Konkurrenten Lyft an und musste Mitte 2016 seinen China-Ableger an den Erzrivalen Didi Chuxing verkaufen. Das US-Unternehmen und der chinesische Fahrtenanbieter hatten sich in Fernost einen harten Schlagabtausch mit Rabatt-Aktionen geliefert, der für beide Unternehmen auf Dauer zum Verlustgeschäft wurde.


Vor diesem Hintergrund wirkt die Profitabilität von Airbnb wie eine große Erfolgsgeschichte. Der Wohnungsvermittler wird mit seinen schwarzen Zahlen vor allem die Investoren erfreuen und strebt nun - Branchengerüchten zufolge - recht bald einen Börsengang an. In der Regel verneint CEO Brian Chesky etwaige Pläne, im Interview mit der "Wired" im Dezember bestätigte der Firmenboss aber die Spekulationen ungewöhnlich deutlich. Darin sagt er, er wolle "so schnell wie möglich" den Gang aufs Parkett anstreben.

Nicht verwundelrich also, dass Airbnb nun versucht, sich für weitere potenzielle Investoren aufzuhübschen. Mit einer neuen Funktion namens "Trips" will die Firma zusätzlich Sightseeing-Touren und Flugreisen vermitteln und dadurch zum vollwertigen Reiseveranstalter avancieren. Die Message an die Investoren: Unser Geschäftsmodell besteht aus mehr als nur Wohnungsvermittlungen. Ob die Gunst der Geldgeber dadurch gewonnen werden kann, wird sich zeigen. Im September sicherte sich Airbnb zumindest schon einmal 555 Millionen US-Dollar. Die Riege der Investoren wird angeführt von namhaften Firmen wie Google Ventures, einer Sparte des Mutterkonzerns Alphabet, und Technology Crossover Ventures. ron
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