Rocket Internet

Die strukturellen Probleme der Start-up-Schmiede

Oliver Samwer, der Geschäftsführer von Rocket Internet, hat sich gegenüber Bloomberg zur Strategie des Unternehmens geäußert.
© Matthias Richter
Oliver Samwer, der Geschäftsführer von Rocket Internet, hat sich gegenüber Bloomberg zur Strategie des Unternehmens geäußert.
Die Zeiten von Rocket Internet waren schon einmal besser. Ein Medienbericht enthüllt nun grundsätzliche Probleme der Start-up-Schmiede. Das Unternehmen sei sehr viel besser darin, neue Firmen aufzubauen, als sie zu führen.
Positive Nachrichten von Rocket Internet liegen schon einige Zeit zurück: 2014 zum Beispiel, als das Unternehmen mit einer Bewertung von 6,7 Milliarden Euro an die Börse ging. Oder 2015, als die Firmenschmiede Start-ups wie Hellofresh und Home24 mit dreistelligen Millionenbeträgen ausstattete.


2016 hingegen bleibt für den Samwerschen Inkubator ein schwieriges Jahr: Verluste für Rocket, geringere Investmentsummen für die Start-ups, drastische Wertverluste bei Portfolio-Firmen wie Home24 und der Global Fashion Group.

Der Nachrichtendienst Bloomberg hat sich den Problemen des Inkubators nun in einer ausführlichen Analyse gewidmet. Darin schreiben die Autoren, dass die Start-up-Fabrik sehr viel besser darin sei, neue Firmen aufzubauen, als sie zu führen. Der Artikel beschäftigt sich intensiv mit den Problemen in einzelnen Start-ups – und nennt gleich mehrere Beispiele:


  • Home24 soll Probleme mit der Logistik gehabt haben. Damit hänge möglicherweise auch die halbierte Bewertung der Möbelplattform zusammen, schreibt Bloomberg. So seien die Retouren zu einem Zeitpunkt wegen fehlerhafter Programmierung in die Höhe gegangen. Die Website gab falsche Aufträge an den Versand weiter. Es habe Wochen gedauert, um das Problem zu entdecken, zitiert Bloomberg einen Insider. Home24 hat das Problem nach Aussage des Nachrichtendienstes wieder behoben.

  • Hellofresh soll nach der IPO-Absage im vergangenen Jahr seine Ausgaben für den Kundenservice gekürzt sowie an Mitarbeitern im Lager gespart haben. Damit wolle der Berliner Kochbox-Dienst näher an die Gewinnzone rücken, schreibt Bloomberg.

  • Auch die mangelnde Expertise von Mitgründern und Mitarbeitern ist offenbar ein Problem. Bei Hellofresh sollen Mitarbeiter, die noch keine Erfahrungen in der Lebensmittel- und Logistikindustrie vorweisen konnten, beispielsweise dazu aufgefordert worden sein, mit Großhändlern zu verhandeln, Lagerräume zu mieten und Lieferungen zu organisieren.

  • Bei Bonativo, einem kürzlich eingestellten Wochenmarkt-Portal, sollen die Manager hingegen Checkout-Prozesse und Vetriebswege nicht verstanden haben – trotz des Vorbilds von Zalando. Rocket schreibt das übrigens auch selbst in ein Börsenprospekt: Die Geschäftsführer der Portfoliofirmen hätten oft wenig Managementerfahrung in ihrer Branche.

Auch wenn viele dieser Details Rocket-Kenner wenig überraschen dürften: Die Beispiele deuten an, dass die Probleme der Start-up-Schmiede möglicherweise nicht punktuell, sondern strukturell bedingt sind.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n.de.

stats