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Das Start-up mit dem Crowdfunding-Rekord ist insolvent

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Die orangefarbenen Serverboxen waren das Markenzeichen von Protonet – nun ist das Startup pleite.
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Die orangefarbenen Serverboxen waren das Markenzeichen von Protonet – nun ist das Startup pleite.
Das mit Millionen von der Crowd finanzierte Server-Start-up Protonet muss Insolvenz anmelden. Die Domains werden abgestellt.
In einem Schreiben, das t3n.de vorab vorliegt, teilt das Hamburger Server-Start-up Protonet mit, dass es beim Amtsgericht Hamburg einen Insolvenzantrag für die Protonet-Betriebs-GmbH gestellt hat. Es sei nicht gelungen, weitere Investoren zu gewinnen. Auch die Mitteilung an Kunden und Investoren liegt t3n.de vor. "Ich habe am Dienstag den Insolvenzantrag gestellt", sagte Protonet-Chef Ali Jelveh t3n.de.

"Einen der Lead-Investoren konnten wir leider nicht überzeugen und somit die für uns essenzielle und notwendige nächste Finanzierungsrunde nicht erfolgreich abschließen", heißt es in der Mitteilung an Investoren. "Weil die Betriebs GmbH aber bereits seit Anfang 2016 nicht erfolgreich wirtschaftet, ist es uns ab sofort leider nicht mehr möglich, unseren Betrieb weiter zu tragen."

Zuletzt hatte sich das Unternehmen restrukturiert, sein Heil in einer Expansion in die USA gesucht und gleichzeitig das Team in Deutschland verkleinert. Dazu wurde in den USA eine Protonet-Muttergesellschaft in der Rechtsform einer Inc. gegründet. Was mit dieser Firma passiert, ist aktuell noch unklar, sagte Jelveh. Es sei möglich, dass ein Käufer die Software kauft und fortführt. Die amerikanische Mutter habe weniger Altlasten als die deutsche Protonet-Betriebs-GmbH.

In der Mitteilung an Kunden heißt es, die Daten seien "selbstverständlich nicht betroffen, da alle Protonet-Boxen autark funktionieren und die volle Kontrolle darüber bei euch liegt." Der Zugriff über die name.protonet.info-Adresse und der Versand von E-Mail- und Push- Benachrichtigungen werde in den kommenden Wochen "sehr wahrscheinlich eingestellt". Protonet empfiehlt den Kunden, auf eine eigene Domain umzuziehen. Allerdings nutzte das Start-up eine eigene Software, die jetzt vermutlich auch nicht mehr weiter gepflegt werden wird. "Wir schieben jetzt parallel noch ein Update raus, haben ein Security-Audit gemacht, die Punkte eingebaut und machen es einfacher, die Boxen unabhängig von uns zu managen", sagte Jelveh.

Im April 2016 hatte es Wirbel um den Einstieg des bekannten Start-up-Accelerators Y Combinator bei Protonet gegeben. Nach dem Standard-Vertragswerk beteiligt sich der Silicon-Valley-Investor mit sieben Prozent an dem Unternehmen und zahlt dafür 120.000 US-Dollar – eine Bewertung weit unterhalb derer, zu denen die Crowdinvestoren Anteile gekauft hatten.

Laut Jelveh beteiligten sich aber gleichzeitig auch andere Top-Investoren zu einer zweistelligen Millionenbewertung. Die Crowdfunding-Plattform Seedmatch war der Auffassung, dass es sich um ein Exit-Ereignis handle und die Crowdinvestoren ein Anrecht darauf hätten, ihr investiertes Darlehen ausgezahlt zu bekommen. Protonet war anderer Meinung.

Protonet war 2012 mit großen Ambitionen an den Start gegangen: Möglichst sichere Server mit Hard- und Software "Made in Germany". Daten wurden verschlüsselt übertragen und gespeichert. Den Anschub gab eine Finanzierung von 318.000 Dollar auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo.

Kurz nach den Enthüllungen von Edward Snowden, der eine umfassende Überwachung des Internets durch US-amerikanische und britische Geheimdienste aufdeckte, traf Protonet den Nerv der Zeit und stellte 2014 einen deutschen Crowdfunding-Rekord von 3,2 Millionen Euro auf.

"Trotz der vielen Erfolge und einer prominenten Präsenz in der Öffentlichkeit ist es dem IT- Unternehmen bis zum Schluss nicht möglich gewesen, schwarze Zahlen zu schreiben", heißt es in der Pressemitteilung.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n.de
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