Programmatic Advertising

Yoc launcht eigene SSP

Dirk Kraus, CEO von Yoc
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Dirk Kraus, CEO von Yoc
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Mit der neuen Supply Side Platform VIS.X will Yoc das gesamte Angebot programmatisch buchbar machen. Die Plattform startet am 18. Januar in Deutschland, Österreich und Großbritannien und soll im Februar/März auch in Spanien und Polen gelauncht werden. "Für uns ist das ein weiterer Schritt weg vom Vermarkter hin zum Technologieanbieter", sagt CEO Dirk Kraus.

Hintergrund für die Entwicklung der eigenen Supply Side Platform (SSP) war, dass die eigenentwickelten Produkte von YOC technisch nicht über die großen SSPs gebucht werden konnten. "Unser Problem war bislang, dass die großen SSPs sich auf Standardprodukte fokussieren", so Kraus. "Agenturen fanden unsere Formate sinnvoll, aber weil sie sie programmatisch nicht einkaufen konnten, kauften sie sie gar nicht“, beschreibt Kraus die Situation. „Das hat unser Wachstum behindert."



Zumal sich seit 2016 Yocs Umsatz massiv in Richtung der eigenen Formate verschiebt. Mittlerweile kommt mehr als die Hälfte des Umsatzes über Understitial Ads oder Inline Video Ads. Die Folge: Yoc entschied sich, eine eigene SSP zu bauen. "Über VIS.X können wir jetzt alle Formate und Features ausliefern. Uns ist es nun egal, ob die Kunden via IO oder programmatisch einkaufen."

Die Werbungtreibenden müssen ihre Werbemittel auch nicht extra anpassen. Die Aufbereitung in das entsprechende Format übernimmt Yoc. "Damit, dass wir alle Formate anbieten können, lösen wir ein Marktproblem", glaubt Kraus und rechnet damit, das der Umsatzanteil der eigenen Formate sich 2018 dank VIS.X in Richtung zwei Drittel erhöhen wird.


Kreative Werbeformate sind einer der zentralen Punkte von Yocs Turnaround-Geschichte. Das bereits 2001 gegründete Unternehmen hat Berg- und Talfahrten erlebt und wäre 2012/13 beinahe insolvent gegangen. Mitten in der Krise kam Gründer Kraus wieder an Bord und arbeitet seither daran, das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zurück zu bringen. "Für uns war es wichtig, Formate zu entwickeln, die nicht nerven, funktionieren und eine gute Werbewirkung erzielen", sagt Kraus. Neue Werbeformen bei Yoc müssen diesen Anspruch auch erfüllen, weil Werbungtreibende bereit sind, dafür mehr zu zahlen als für das Inventar von der Stange.

Die Strategie ist bislang aufgegangen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 10 Millionen Euro – rund 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im 3. Quartal 2017 ist Yoc das achte Quartal in Folge gewachsen. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (Ebidta) lag bei minus 0,1 Millionen Euro. Der operative Verlust konnte damit deutlich gesenkt werden. In den ersten neun Monaten 2016 lag er noch bei 1,25 Millionen Euro. 2017 wollte Kraus operativ den Break-Even erreichen und prognostizierte ein Umsatzplus von 20 bis 25 Prozent, die Zahlen fürs Gesamtjahr der AG liegen jedoch noch nicht vor. 2018 will Kraus noch eine Schippe drauf legen. "In den nächsten Jahren beginnen wir, spürbare Gewinne zu erwirtschaften."

Dabei spielt der Wandel vom Vermarkter zum Adtech-Unternehmen eine zentrale Rolle. Kraus glaubt, dass sich Publisher zunehmend darauf einstellen, nicht mehr nur mit einem Vermarktungspartner zu kooperieren, sondern für jeden Bereich einen Spezialisten zu haben, zum Beispiel für Mobile, Video und Content Marketing. In Großbritannien haben die großen Publisher bereits fünf bis sechs Dienstleister. Kraus glaubt, dass diese Entwicklung auch nach Deutschland schwappt. Der Grund dafür: Die Technik wird immer komplexer und ein Vermarkter allein tut sich schwer damit gleichermaßen beste Werbeformate, beste Demand Side Platforms und die beste Header Bidding Lösung anzubieten. Wer nicht selbst im Bereich Adtech zukauft, wie zum Beispiel die großen TV-Konzerne Pro Sieben Sat 1 und die RTL Group, ist auf Spezialisten angewiesen. Und davon will Yoc profitieren. pap

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