Mobile World Congress

Mit diesen fünf Trümpfen soll das neue Samsung Galaxy S9 stechen

Das Samsung Galaxy S9 wurde gestern in Barcelona auf dem Mobile World Congress vorgestellt.
© Samsung
Das Samsung Galaxy S9 wurde gestern in Barcelona auf dem Mobile World Congress vorgestellt.
Für Samsung war es die Stunde der Wahrheit: Die Präsentation des neuen Flaggschiffmodells Galaxy S9 musste beweisen, dass der koreanische Konzern auch nach dem iPhone X auf Augenhöhe mit dem Erzrivalen Apple agieren und die erstarkende Konkurrenz aus China auf Distanz halten kann. Die Premiere auf dem Mobile World Congress gibt zumindest Anlass für vorsichtigen Optimismus. HORIZONT Online war vor Ort und stellt fünf starke Argumente vor, mit denen Samsung auch in Zukunft seine Spitzenposition in der Königsklasse der Hersteller verteidigen will.
Bemerkenswert war auf dem Unpacked-Event: Stärker als jemals zuvor holt sich Samsung Contentpartner ins Boot, um seine Angebote vom Start weg mit Leben zu füllen. Sei es Disney bei den AR-Emojis oder Buzzfeed und The Dodo bei der Produktion von Slowmotion Videos oder Sephora bei der Entwicklung einer Schmink-App. Die Zeiten, in denen Hardware allein für den Glamour eines Smartphones gesorgt haben, sind damit wohl endgültig Geschichte.
 

1.

1. Schein und Design

Das vielleicht oberflächlichste Argument ist doch für sehr viele Käufer ein entscheidendes: Wie sieht das Gerät aus und wie liegt es in der Hand? Das Galaxy S9 behält hier alles, was schon das S8 richtig gemacht hat und vermeidet ein Designfeature, mit dem sich Apple bei seinem iPhone X keine Freunde gemacht hat. Der verhasste Notch – also die kleine Bildschirmaussparung am oberen Rand, in der Apple wichtige Sensoren untergebracht hat, ist bei Samsungs Flaggschiffmodell nicht zu finden.


Ob sich der Hersteller in der Umsetzung seiner AR-Funktionalitäten unnötig selbst beschnitten hat, wird die Zukunft zeigen. Aber aktuell bietet Samsung in der kleinen Auswahl der Vollbildschirm-Smartphones zweifellos das puristischere Design als der traditionelle Design-Klassenbeste Apple. Das allein wird Samsung vermutlich keine neuen Käufer zuspielen, aber es nimmt Apple ein wichtiges Argument, das eigentlich zum Kern der Marke aus Cupertino gehört: Nämlich dass Apple einfach die schöneren Produkte liefert.
 

2.

Bixby Reloaded

Der digitale Assistent Bixby sollte ja eigentlich schon beim S8 seine große Stunde erleben. Aber im Debattenduell mit den besonders klugschwätzenden Google Assistant und Alexa wurde der ambitionierte Koreaner klar auf seine Plätze verwiesen. Samsung hat seine Lehren daraus gezogen und macht den Assistent nun zur KI, die aus den AR-Features des Galaxy S9 eine intelligente visuelle Suchmaschine ersetzen kann. Erfasst die Kamera beispielsweise ein Straßenschild in einer Fremdsprache, aktiviert Bixby die Google Übersetzungshilfe und blendet die korrekte Übersetzung einfach in das Bild ein.

Samsung ist sogar überzeugt, aus der AR-basierten Bilderkennung ein Geschäftsmodell machen zu können und hat zusammen mit Sephora und Covergirl eine App entwickelt, die Kosmetikberatung über die Selfie-Kamera ermöglicht – mit integrierter Kauffunktion. Besteht die App den Praxistest mit den Konsumenten, hätte Samsung hier tatsächlich ein disruptives Vermarktungsmodell mit weitreichenden Anwendungsmöglichkeiten im Portfolio.


Das wäre nicht ohne Charme. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass Apple-CEO Tim Cook AR für das nächste große Smartphone-Thema hält. Zusammen mit Ikea hat Apple schon demonstriert, wo die Reise hingehen könnte. Gelingt es Samsung nun tatsächlich, mit dem Galaxy S9 das Thema visuelle Suchmaschine auf ein neues Level zu heben, hätte der Hersteller seinen US-Konkurrenten bei einem Thema in die Defensive gebracht, das Apple eigentlich zu einer eigenen Kernkompetenz entwickeln wollte.

3.

Alles, was die neue Kamera hergibt: AR-Emojis und Super-Slo-Mo

"Die Art und Weise, wie wir unsere Smartphones nutzen, hat sich parallel zur Weiterentwicklung der Kommunikation stark verändert", sagt DJ Koh, President und Head of IT & Mobile Communications Division bei Samsung beim Mobile World Congress in Barcelona. Was er meint: Die Menschen halten ihr Smartphone längst nicht mehr am Ohr, sondern viel häufiger vor ihrem Gesicht, um lustige Selfies zu schießen. Aus diesem Grund hat sich Samsung für das Galaxy S9 die AR-Emojis ausgedacht.

Sie sind quasi das Konkurrenzprodukt zu Apples Animojis, die im Herbst vergangenen Jahres zusammen mit dem iPhoneX vorgestellt wurden. Genau wie bei den Animojis lassen sich bei den AR-Emojis von Samsung mithilfe einer Gesichtserkennung Emojis erstellen. Mit dem Unterschied, dass sie bei den Südkoreanern personalisiert sind (siehe Video). Eine Deep-Learning-Technologie scannt ein 2D-Bild des Nutzers, kann dabei über 100 individuelle Gesichtszüge erkennen und wandelt diese in ein 3D-Modell um. Das AR-Emoji lässt sich dann etwa als GIF auf allen Plattformen teilen. Eine ähnliche Technologie hat Snapchat mit den sogenannten Bitmojis im Einsatz.
Eine andere neue Kamerafunktion wird vor allem professionelle Filmemacher verzücken. Mit der sogenannten Super-Slow-Motion-Videofunktion lassen sich nämlich alltägliche Momente in packenden Zeitlupenvideos mit 960 Bildern pro Sekunde festhalten. Eine automatische Bewegungserkennung sorgt dafür, dass die Aufzeichnung beginnt, sobald der Sensor eine Bewegung im vordefinierten Bereich der Vorschau erfasst. Nach der Aufnahme können Nutzer eine Hintergrundmusik aus 35 Optionen auswählen oder eine Melodie aus ihrer Lieblings-Playlist hinzufügen.

4.

Klang von allen Seiten: Das erste Smartphone mit Stereo-Sound

Das Smartphone wird heute mehr denn je zum Streamen von Filmen und Serien verwendet - Netflix und Amazon Prime Video lassen grüßen. Damit das Gesehene aber auch akustisch überzeugen kann, hat das Samsung Galaxy S9 als erstes Smartphone überhaupt Stereo-Lautsprecher integriert. Heißt: Zwei Lautsprecher, einer am unteren und einer am oberen Gehäuserand, sorgen für den optimalen Sound.

Ganz gleich, ob Nutzer sich einen Film ansehen oder den neuesten Hit ihres Lieblingskünstlers über ihre Kopfhörer streamen – der Klang ist knackig und klar.  Durch eine Markenpartnerschaft mit Dolby Atmos kann das neue Samsung-Flaggschiff zudem mit einem räumlichen Surround Sound auftrumpfen.

5.

Smartthings

DJ Koh, Samsungs Head of Mobile & IT Division, brachte es schon in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: "Das Thema Internet of Things wird immer wichtiger, aber mit den zunehmend in der Hardware integrierten KI-Kapazitäten ist es eigentlich Zeit, von der Intelligence of Things zu reden". Das vernetzte Smarthome ist für die Marke Samsung, die auch in Unterhaltungselektronik und weiße Ware über ein großes Sortiment verfügt, naturgemäß ein zentrales Zukunftsthema. Mit der noch besseren Integration der Smarthings-Plattform auf dem Galaxy S9 legt Samsung nun den Grundstein dafür, den Kunden einen intuitiven Einstieg in den Aufbau des Smarthomes anzbieten.

Kurzfristig wird der Konzern damit wohl kaum potenzielle Smartphone-Käufer faszinieren. Aber Samsung investiert hier in die Zukunft. Jeder Kunde, der seinen Kühlschrank oder seinen Fernseher mit dem Galaxy S9 integriert, ist ein Konsument, der nicht in die Ökosysteme von Amazons Alexa und Googles Home abwandert und deutlich besser gegen einen Wechsel zu Apple gefeit ist. Mit dem Wachstum der Samsung-IoT-Welt wächst übrigens auch die Chance, Bixby doch noch zu einem ernsthaften Konkurrenten für Agent, Alexa und Cortana zu machen. Denn auf seinem Smartphone muss Samsung den Digitalassistenten von Google vielleicht dulden, aber auf seinem Kühlschrank hat ausschließlich Bixby das Wort.

Zusammengestellt von: Giuseppe Rondinella und Santiago Campillo-Lundbeck

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