Lilium

Dieses Münchner Start-up will das Uber der Lüfte werden

Landeflächen auf Hausdächern: So stellt sich Lilium die Zukunft vor.
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Landeflächen auf Hausdächern: So stellt sich Lilium die Zukunft vor.
Eines der weltweit interessantesten und aussichtsreichsten Technologie-Start-ups dieser Zeit kommt aus München. Lilium hat sich auf die Fahne geschrieben, den Traum eines jeden Menschen vom Fliegen wahr werden zu lassen und moderne Städte bei der Lösung ihrer zunehmenden Mobilitätsprobleme zu unterstützen. Gründer Daniel Wiegand zeigte auf der DLD-Konferenz am Sonntag, wie er sich die Mobilität der Zukunft ausmalt.
In vielen Teilen der Welt und vor allem in den USA haben sich einige Menschen bereits an eine bestimmte Art von Mobilität gewöhnt: Das Smartphone aus der Tasche holen, einen Uber-Fahrer herbeibestellen und mit einem Klick beim Aussteigen bezahlen. Wenn es nach Daniel Wiegand geht, soll dieses Prinzip in wenigen Jahren auch in der dritten Dimension vonstatten gehen: in der Luft.


Der Lilium-Chef träumt von einer neuen Ära der Luftfahrt auf Abruf. Von einem Uber für die Luft - nur schneller. Das 2015 in München gegründete Unternehmen hat ein vollelektrisches Fluggerät mit zwei Sitzen konstruiert, das per App gerufen wird, senkrecht startet wie ein Helikopter, anschließend ab einer gewissen Höhe in den Vorwärtsflug wechselt und dann per Flügelantrieb mit bis zu 300 Sachen durch die Lüfte heizt. Vorerst mit Pilot, der Jet soll langfristig aber autonom umherdüsen.

Auf der Digitalkonferenz DLD stößt Wiegand mit seiner Mission von einem Flugzeug für alle auf großes Interesse im Publikum. Hunderte lauschen gebannt seiner Vision von einem Mobilitätsdienst, mit dem sich beispielsweise der lästige Berufsverkehr umgehen lässt - schöne Aussicht inklusive. Der Gründer rechnet vor: "In einer Stadt wie San Francisco braucht man mit dem Auto 15 Minuten für 12 Kilometer. Mit dem Lilium-Jet schafft man in der selben Zeit 70 Kilometer."
Daniel Wiegand, CEO von Lilium, auf der DLD-Konferenz in München.
© Andreas Gebert
Daniel Wiegand, CEO von Lilium, auf der DLD-Konferenz in München.
Der Lilium-Chef prophezeit gar: "Diese neue Form der Mobilität wird unser komplettes Leben verändern." Was er meint: Wenn Menschen so schnell und bequem von A nach B kommen, können sie etwa auf dem Land wohnen und trotzdem in einer Mega-Metropole arbeiten. Mietpreise könnten sich daraufhin wieder normalisieren. Weniger Autos auf den Straßen bedeutet außerdem mehr Grünflächen und Fußgängerzonen in der Innenstadt. Die Infrastruktur von Städten werde sich radikal verändern.


Mit dieser Vision haben die Münchner bereits einige Risikokapitalgeber überzeugen können - etwa das chinesische Internetunternehmen Tencent, das hinter dem Messenger WeChat steht und auch in Tesla investierte. Zudem sind die Bank von Liechtenstein und der Technologiefonds Atomico, einer der größten Venture-Capital-Fonds in Europa, beteilgt. Tech-Investor und "Höhle der Löwen"-Juror Frank Thelen hatte sich 2016 ebenfalls mit 15 Prozent an Lilium eingekauft. Insgesamt hat das Start-up mehr als 100 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Neben Start-ups arbeiten auch der Flugzeugbauer Airbus und Fahrdienstvermittler Uber an einem Flugtaxi. Erst im Sommer investierte Daimler in den ebenfalls deutschen Fluggeräte-Entwickler Volocopter aus Bruchsal, der seine drohnenähnlichen Maschinen 2017 spektakulär in Dubai getestet hatte. 
Der zweisitzige Mini-Hubschrauber mit 18 Rotoren schwebte unfallfrei zwischen den Hochhäusern von Dubai und flog somit erstmals im urbanen Raum. Das Emirat will das Flugtaxi langfristig als Teil des öffentlichen Nahverkehrs etablieren.
Nach welchem Konzept diese neue Art der Mobilität reguliert wird, steht indes auf einer ganz anderen Karte. Im Heimatmarkt Deutschland, wo es digitale Fahrdienstvermittler wie Uber bekannterweise sehr schwer haben, dürfte das Thema Regulierung wohl die größte Hürde für Lilium und Volocopter darstellen - wohl noch größer als die technische Umsetzung. ron
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