Krawatte & Hoodie

Warum sich deutsche Unternehmen mit Start-ups immer noch schwer tun

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Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Start-ups
© NKF Summit
Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Start-ups
Zu wenig Übernahmen, zu geringe Investitionen und oftmals nicht einmal ein Kontakt: Deutsche Unternehmen und Start-ups wollen anscheinend nicht so recht zusammenfinden. Doch woran liegt das? Und wie kann man das ändern? Auf dem NKF Summit in Düsseldorf suchten Vertreter beider Seiten nach Antworten und Lösungen.

Start-ups, das sind in der Regel innovative, freche, agile und vor allem disruptierende Unternehmen - über alle Bereiche hinweg, etwa Automobilindustrie, Gesundheit und Marketing. Oder wie es Jan Thomas ausdrückt: "Start-ups sind die nächsten Rockstars. Sie stehen morgens auf und wollen die Welt verändern." Mit diesen Worten begrüßte der Gründer des Verlags NKF Media am Freitag Vertreter deutscher Start-ups und Großkonzerne auf dem NKF Summit in Düsseldorf. Die Mission: Krawatten- und Hoodieträger näher zusammenbringen.

Denn die traurige Wahrheit ist: Etablierte Unternehmen lassen die jungen Wilden nach wie vor oftmals links liegen. Wenige Übernahmen, geringe Investitionen, oftmals nicht einmal Kontakt. Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom hatte zu Beginn des Jahres ergeben, dass rund zwei Drittel der Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern noch nie mit Start-ups zusammen gearbeitet haben. "Das muss sich dringend ändern", fordert Thomas.

Mahnende Worte kommen auf dem Podium des NKF Summits auch von Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverband Deutsche Start-ups. Deutsche Start-ups stünden bei deutschen Unternehmen schlichtweg nicht auf dem Einkaufszettel, sehr wohl aber bei amerikanischen. "Es kann nicht sein, dass Google, Facebook und Co besser Bescheid wissen, was in der deutschen Start-up-Welt abgeht als beispielsweise ein Daimler oder Siemens", so Nöll.

„Es kann nicht sein, dass Google, Facebook und Co besser Bescheid wissen, was in der deutschen Start-up-Welt abgeht als beispielsweise ein Daimler oder Siemens.“
Florian Nöll
Tatsächlich hatten die großen Tech-Konzerne aus den USA in den vergangenen Monaten mit Übernahmen deutscher Start-ups auf sich aufmerksam gemacht. Apple übernahm etwa das Virtual-Reality-Start-up SensoMotoric aus der Nähe von Berlin sowie das Münchner Software-Start-up Metaio. Facebook öffnete im August 2017 sein Portemonnaie für das auf Videobearbeitung spezialisierte Start-up Fayteq aus Erfurt.

Die Fehler entstünden bereits früh, behauptet Nöll. Corporates und Start-ups wüssten schlicht nichts voneinander, hätten oftmals keinen Kontakt. Laut Bitkom gilt das angeblich für 77 Prozent aller deutschen Unternehmen. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand - für beide Parteien: Unternehmen holen sich digitale Innovationen ins Haus und Start-ups wird der Markteintritt und Kundenzugang erleichtert.

Der Verbandsvorsitzende Nöll fordert deshalb eine größere personelle Verzahnung zwischen etablierten Unternehmen, Geldgebern und den Gründern. Manager aus der klassischen Wirtschaft sollten beispielsweise häufiger in Vorständen von Start-ups sitzen. Nöll: "Nur dann ist man nah genug dran."

Einer, der wissen muss, wie es geht, ist Trivago-Gründer und -Geschäftsführer Rolf Schrömgens. Das Hotelvergleichsportal aus Düsseldorf ist so etwas wie ein Vorzeige-Start-up aus Deutschland und hat sich in wenigen Jahren vom Drei-Mann-Unternehmen zu einem globalen Player entwickelt, der sogar den Sprung an die US-Technologiebörse Nasdaq geschafft hat. Schrömgens sieht die deutsche Start-up-Szene auf einem guten Weg, sagt er auf dem NKF Summit: "Die Vernetzung nimmt immer weiter zu. Veranstaltungen wie diese gab es beispielsweise früher nicht." ron

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