Konkurrenz für Facebook und Google

Amazon rüstet Cloud offenbar mit eigener Header-Bidding-Lösung auf

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Amazon-Chef Jeff Bezos plant Offensive gegen Facebook und Google
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Amazon-Chef Jeff Bezos plant Offensive gegen Facebook und Google
Amazon will den Programmatic-Schwergewichten Facebook und Google das Wasser abgraben. Medienberichten zufolge plant der E-Commerce-Riese eine eigene Lösung für das Header-Bidding-Verfahren, das in die firmeneigene Cloud integriert wird. Das würde in die Strategie von Konzernchef Jeff Bezos passen, das Geschäft mit der Datenwolke weiter voranzutreiben.
In der nächsten Woche will Amazon seine Header-Bidding-Lösung freischalten, berichtet heute "Adage" und beruft sich auf Insider, die mit der Thematik vertraut sind. Mit dem Tool will das Unternehmen den programmatischen Werbeeinkauf für Publisher erleichtern. Dem Bericht zufolge wird der komplette Auktionsprozess dann in der Amazon-eigenen Cloud stattfinden, was unter anderem die Ladezeiten für Websites beschleunigt. Amazon selbst wollte sich zu den Plänen bislang noch nicht äußern.

Sollte Amazon diese Pläne tatsächlich in die Tat umsetzen, wäre dies als Offensive gegen Facebook und Google zu verstehen. Die beiden Tech-Konzerne beherrschen derzeit den Markt für programmatischen Werbeeinkauf mit ihren jeweils eigenen Networks - und sorgen dafür, dass Programmatic Advertising immer mehr den traditionellen Ein- und Verkauf von Werbeflächen ablöst. Prognosen zufolge werden in diesem Jahr bereits 51 Prozent der digitalen Werbeflächen weltweit programmatisch verkauft. Im kommenden Jahr soll der Anteil auf 58 Prozent steigen.

Deutschland spielt zwar - gemessen an der USA - in einer anderen Liga, die Entwicklung geht aber rasant voran. Hierzulande ist der programmatische Werbemarkt dieses Jahr um 48 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 484 Millionen Euro angewachsen. Der Löwenanteil entfalle dabei auf Bannerwerbung, dieser soll jedoch in den kommenden zwei Jahren zugunsten von Mobile, Social und Online Video schrumpfen, so die Prognosen. Bereits 2018 werden den Hochrechnungen zufolge im Bereich Display-Werbung Kampagnen im Wert von 826 Millionen Euro programmatisch gehandelt. Damit würde Programmatic Advertising in zwei Jahren mit dem traditionellen Ein- und Verkauf von Display-Werbeflächen gleichziehen. Das sogenannte Header-Bidding als Disziplin von Programmatic ist bei den großen Playern stark in Mode gekommen. Im Interview mit HORIZONT Online zeigte sich jüngst Yoav Arnstein, Head of Publisher Ad Tech EMEA bei Facebook, von dieser Technologie angetan: "Es demokratisiert den Mediaeinkauf." Genau genommen handelt es sich bei Header Bidding um ein technisches Verfahren innerhalb des automatisierten Mediahandels, das auch Pre-Bidding, Pre-Calling oder Advance Bidding genannt wird. Durch diese Technologie können Publisher, die über elektronische Marktplätze (Ad Exchange) Anzeigenflächen verkaufen, Gebote mehrerer Bieter gegeneinander laufen lassen. Die Anfrage und Auslieferung des Werbemittels durch den Adserver erfolgt dann erst, nachdem der Bieter mit dem höchsten Preis ermittelt wurde.

Ein eigenes Header-Bidding-Tool, geparkt in der Amazon-eigenen Cloud, würde in die Strategie des Konzernchefs Jeff Bezos passen, der darauf aus ist, das Geschäft mit der Datenwolke zu verstärken. Nicht ohne Grund: Für den E-Commerce-Riesen avanciert das Cloud-Geschäft mehr und mehr zu einem der relevantesten Umsatzbringer. Die unter dem Kürzel AWS geführte Cloud-Sparte verbuchte im vergangenen Quartal ein Plus von 55 Prozent und kletterte auf 3,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Bezos peilt mit AWS einen Jahresumsatz von zehn Milliarden Dollar an. Damit ist Amazon im Cloud-Bereich eindeutig Marktführer.

Auf der firmeneigenen Entwicklerkonferenz "re:invent" vorgestern in Las Vegas zeigte Amazon mit zahlreichen neuen Tools und Services, wie wichtig dem Konzern das Cloud-Geschäft ist. AWS-Chef Andy Jassy verkündete unter anderem, dass nun auch externe Entwickler Zugang haben sollen zu modernen Technologien wie künstliche Intelligenz, indem Amazon die Infrastruktur seiner Cloud mitsamt der Deep-Learning-Technologie und einigen Algorithmen öffnet. ron
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