Klage

Snap soll falsche Nutzungsdaten angegeben haben

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Evan Spiegel, CEO von Snap, gilt als der nächste Mark Zuckerberg.
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Evan Spiegel, CEO von Snap, gilt als der nächste Mark Zuckerberg.
Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Wenige Monate, bevor Snap, der Mutterkonzern hinter Snapchat, an die Börse gehen möchte, werden Vorwürfe gegen den Konzern laut. Ein ehemaliger Mitarbeiter wirft dem Unternehmen von CEO Evan Spiegel vor, falsche Nutzungszahlen präsentiert zu haben.
Konkret geht es um den Ex-Mitarbeiter Anthony Pompliano. Der junge Mann, der Medienberichten zufolge nur etwa drei Wochen für den Social-Media-Dienst gearbeitet hat, behauptet nun, sein Ex-Arbeitgeber habe bei wichtigen Performance-Daten geschummelt, um Investoren anzulocken. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die im Internet veröffentlicht wurden. Welche Zahlen Snap im Detail gefälscht haben soll, ist bislang aber unklar, da die einsehbaren Unterlagen zum größten Teil geschwärzt wurden.


Auch behauptet Pompliano, im September 2015 von CEO Spiegel entlassen worden zu sein, weil er sich geweigert habe, die falschen Zahlen weiterzugeben. Zudem soll Snap seither nicht die Wahrheit über den Grund seiner Entlassung gesagt haben, wodurch Pompliano, der zuvor bei Facebook beschäftigt war, Probleme bei der weiteren Jobsuche gehabt habe. Snap soll von Pampliano gefordert haben, interne Geheimnisse seines vorherigen Arbeitgebers und gleichzeitig größten Snapchat-Konkurrenten auszuplaudern.

Gegenüber "Techcrunch" kontert eine Snap-Sprecherin die Vorwürfe. "Wir haben uns die Anschuldigungen angeschaut. Sie sind von einem verärgerten Ex-Mitarbeiter erfunden worden", wird das Unternehmen zitiert. Da sich Snap recht selten zu aktuellen Themen der Berichterstattung äußert, lässt sich erahnen, dass die Anschuldigungen wahrscheinlich dennoch recht ernst genommen werden.


Ob die Vorwürfe nun wahr oder falsch sind: Snap ist nicht die erste soziale Plattform, die mit angeblich falschen Nutzungszahlen auf sich aufmerksam gemacht hat. Erzfeind Facebook soll in den vergangenen zwei Jahren seinen Werbekunden falsche Informationen über die Nutzungszeit der Videos übermittelt haben. Der Rechenfehler, der im Herbst 2016 ans Tageslicht kam, verärgert große Werbekunden. Der Konzern von CEO Mark Zuckerberg sah sich danach gezwungen, die Methodik zur Errechnung der geschätzten Reichweite von Werbekampagnen auf Facebook, Instagram und im Audience Network anzupassen.

Für Snap kommen die Vorwürfe dennoch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen hat den mit Spannung erwarteten Börsengang laut Medienberichten bereits im November auf den Weg gebracht und bei der US-Börsenaufsicht SEC vertraulich die nötigen Papiere für eine Erstnotiz eingereicht. Als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Aktienplatzierung gilt der März. Medienberichten zufolge liegt eine mögliche Börsenbewertung zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar. Das wären weniger als die 25 bis 35 Milliarden Dollar, von denen Ende Oktober noch die Rede war. Damals wurde der angepeilte Erlös des Börsengangs von eingeweihten Kreisen noch auf bis zu vier Milliarden Dollar beziffert. ron
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