Kamerabrille

Snap bleibt auf Hunderttausenden Spectacles sitzen

Das Design der Kamerabrille soll mit seinen bunten Farben lifestyleaffine Nutzer ansprechen
© HORIZONT
Das Design der Kamerabrille soll mit seinen bunten Farben lifestyleaffine Nutzer ansprechen
Im vergangenen Jahr war der Hype um Snaps Kamerabrille Spectacles auf seinem Höhepunkt - die 130 US-Dollar teuren Geräte wurden auf Ebay für mehr als 1000 Dollar angeboten. Nur wenige Branchenbeobachter, und am wenigsten natürlich Snap selbst, hätten damals gedacht, dass die Nachfrage so schnell abnehmen würde. Einem aktuellen Medienbericht zufolge soll Snap nämlich viel zu viele Exemplare produziert haben, Hunderttausende Geräte verstauben nun in den Lagern.
Die starke Nachfrage hatte sich vor etwa einem Jahr durch die künstliche Verknappung ergeben: Snap hatte die Spectacles in den ersten Monaten ausschließlich über die sogenannten Snapbots verkauft - quietschgelbe Verkaufsautomaten, die in den Metropolen der USA, später dann auch in Europa zu finden waren. Als die Kamerabrille schließlich bei Amazon und auf einer eigenen Website einer größeren Kundschaft verfügbar gemacht wurde, hatte das Unternehmen offenbar mit einer anhaltend starken Nachfrage gerechnet.


Die blieb nun offenbar aus, wie "The Information" berichtet. Hunderttausende Brillen sollen von Snap bestellt worden sein, die sich aufgrund fehlender Nachfrage teils noch nicht zusammengebaut in chinesischen Lagern befinden sollen. Ganz verloren wären die Einzelteile nicht, da man diese noch für eine zweite, mit Augmented-Reality-Funktionen ausgestattete, Spectacles-Version gebrauchen könnte. Medienberichten zufolge soll Snap an einem solchen Update tüfteln.

Wie viele Spectacles über die Ladentheke gingen, darüber ist bislang nicht viel bekannt. Zuletzt hatte Snap-CEO Evan Spiegel vollmundig erzählt, man habe mit "mehr als 150.000 Exemplaren" mehr verkauft als Apple von der ersten Generation des iPod (100.000 Stück). Ein eindeutiges Zeichen dafür, welche Messlatte sich der junge Unternehmenschef mit seinen Hardware-Plänen gesetzt hatte.


Stimmen, die das schlechte Geschäft mit den Spectacles betonen, wurden schon in den vergangenen Monaten laut. In seinem zweiten Quartalsbericht wies Snap im August Einnahmen in Höhe von 5,4 Millionen US-Dollar in der Kategorie "Other" aus, die nahezu ausschließlich mit der Kamera-Sonnenbrille erzielt wurden. Bei einem Verkaufspreis von 130 US-Dollar macht das insgesamt etwas mehr als 41.500 Geräte. Im ersten Quartal wies Snap in dieser Sparte noch Einnahmen von 8,3 Millionen US-Dollar aus, was knapp 64.000 verkauften Geräten entspricht. Heißt: Die Einnahmen gingen im zweiten Quartal um etwa 35 Prozent nach unten. ron
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