KI im Marketing

"Beeindruckend – und irgendwie gruselig"

Künstliche Intelligenz: Segen oder Fluch?
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Künstliche Intelligenz: Segen oder Fluch?
Intelligente Software soll Online-Marketern dabei helfen, die immer komplexer werdenden Anforderungen an ihre Aufgaben zu bewältigen. Programme wie Adobes KI-Assistent Sensei können inzwischen erstaunlich viel. Aber nehmen sie dem Menschen am Computer womöglich sogar so viel Arbeit ab, dass gesundes Bauchgefühl immer weniger zählt? Und inwieweit ist es überhaupt wünschenswert, dass Künstliche Intelligenzen immer schlauer werden?

Rob Brydon ist ein urkomischer Mann. Der walisische Schauspieler ist dem britischen TV-Publikum aus zahlreichen Filmen und Serien bekannt. Beim Adobe Summit in London gab Brydon den Sidekick für die Moderatoren der so genannten Sneaks. Dabei stellen Entwickler Projekte vor, an denen sie zuletzt gearbeitet haben und die in konkrete Anwendungen überführt werden sollen.



Brydon hatte dabei immer einen Witz auf den Lippen, imitierte Michael Caine und posierte mit einem Sturzhelm für ein Foto. Zwischendrin wurde der Comedian aber immer wieder erstaunlich ernst. Nämlich dann, wenn es um das Thema Künstliche Intelligenz ging. Und es ging oft um dieses Thema: Adobe Sensei kann Online-Marketer etwa dabei unterstützen, Kampagnen-Motive zu verbessern, indem das Programm zum Beispiel erkennt, ob es für einen Gegenstand auf einem Motiv nicht eine viel passendere Abbildung gibt.

Viele Vorschläge gibt Sensei auf Knopfdruck ab. Einfach und schnell. Die Technologie kann somit Zeit und damit letztendlich Geld sparen, weil Ressourcen effektiver eingesetzt werden können. Zudem heben die Adobe-Verantwortlichen gerne hervor, dass menschliche Kreativität durch KI erweitert und angefeuert werde.


So die Idealvorstellung. Was aber, wenn der Mensch sich zu sehr auf das Programm verlässt und sein Bauchgefühl vernachlässigt? 

Brydon brachte gut eine Befürchtung auf den Punkt, die im Zusammenhang mit KI gerne geäußert wird: "Das alles ist sehr beeindruckend", sagte der Schauspieler nach der Präsentation eines Analytics-Tools, das auf Sensei basiert. "Aber irgendwie ist es auch gruselig. Die KI wird so intelligent, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen kann."
Adobe-Managerin Tatiana Mejia
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Adobe-Managerin Tatiana Mejia
"Künstliche Intelligenz kann Entscheidungen treffen, wenn du sie lässt", sagt Tatiana Mejia, Group Product Marketing Manager für Adobe Sensei. "Die Entscheidung liegt letztendlich immer beim Nutzer", so die Managerin gegenüber HORIZONT Online. "Die Menschen, die unsere Technologie nutzen, müssen immer noch viele Aufgaben übernehmen."

Bei der Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz höre man zudem sehr genau auf die Kunden: "Unser Motto ist: Diene dem Creator, respektiere den Kunden", erklärt Mejia. Dabei habe man sich bei Adobe drei Prinzipien auf die Fahnen geschrieben: Technologien wie KI zu nutzen und weiterzuentwickeln, dadurch Werte für die Kunden zu schaffen, "während wir den eigenen Unternehmenswerten treu bleiben", sagt Mejia.

Gerade Letzteres zeigt: Die Frage, inwieweit Algorithmen und intelligente Programme menschliche Fähigkeiten nachahmen und den Menschen dadurch ein Stück weit ersetzbar machen sollten, ist auch eine philosophische. Neben einer ausgefuchsten IT braucht es in Unternehmen Werte. Sowohl bei Entwicklern als auch auf der Seite der Endanwender. ire

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