HTC-Chef Eric Matthes im Interview

"Wir wollen wieder Innovations- und Designführer werden"

Eric Matthes, Country Manager DACH bei HTC
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Eric Matthes, Country Manager DACH bei HTC
Die Marktanteile sind weg und das Image angekratzt. Jetzt will der taiwanesische Smartphone-Hersteller HTC wieder zurück in die Erfolgsspur - dabei helfen sollen die neuen U-Modelle. Im Exklusivinterview mit HORIZONT Online erklärt DACH-Chef Eric Matthes die Neupositionierung der Marke und warum man den direkten Wettbewerb mit den Giganten Apple und Samsung anstrebt. "Wer nicht kämpft, hat schon verloren", so Matthes angriffslustig.

Herr Matthes, Ihre beiden neuen Hoffnungsträger, die Smartphones U Play und U Ultra, sind seit wenigen Wochen in Deutschland erhältlich. Wie läuft’s? Ich kann nach wenigen Wochen noch keine konkrete Einschätzung geben, aber wir sind mit den bisherigen Verkäufen recht zufrieden. Wir beobachten, dass die Nachfrage vorhanden ist. Gutes Feedback hatten wir übrigens schon vor dem Verkaufsstart bekommen, weil wir endlich mit unserem alten Design Schluss gemacht und uns vom Metall-Look verabschiedet haben. Wir setzen jetzt auf Glas. Ich denke, dass die Konsumenten den Metall-Look satt haben.



Warum? Schauen Sie sich mal in einem Media-Markt um. Da sieht ein Smartphone aus wie das andere - zumindest, wenn man sie von vorne betrachtet. Vor vier Jahren hatten wir mit dem HTC One die ersten Metall-Telefone gebaut und die Messlatte mit diesem Modell im Markt recht hoch gelegt. Mittlerweile verwenden dieses Design zahlreiche weitere Hersteller.

Wenn man sich die Marktanteile anschaut, hatte HTC seine Glanzzeiten vor etwa vier Jahren - mit etwa 10 bis 12 Prozent. Heute spielt HTC im Smartphone-Markt fast keine Rolle mehr. Wie wollen Sie wieder in die Erfolgsspur zurück? Zuerst einmal muss man festhalten, dass der Smartphone-Markt gesättigt ist und im vergangenen Jahr hierzulande laut GfK sogar drei bis vier Prozent rückläufig war. Ich glaube nicht, dass sich daran in diesem Jahr etwas ändern wird. Das heißt: Die Größe des Kuchens bleibt ungefähr gleich, da kommt nicht wesentlich mehr hinzu. Man kann natürlich versuchen, sein Stückchen vom Kuchen zu vergrößern, dann muss man sich aber von jemand anderem etwas abschneiden.
Die Marktanteile der Smartphone-Hersteller in der Übersicht.
© Statista
Die Marktanteile der Smartphone-Hersteller in der Übersicht.
Und wie soll das gelingen? Indem wir unsere Marke neu positionieren. Das ist ja genau das, was wir mit den neuen U-Modellen derzeit machen. Wir wollen wieder Innovations- und Designführer im Markt werden - wie vor drei bis vier Jahren. Deshalb setzen wir beispielsweise auf ausgeklügelte Technologien wie einen Sprachassistenten und eine ansprechende Optik aus Glas. Wir glauben, dass sich eine Marke wie HTC im Prinzip alle fünf Jahre neu erfinden muss. Das gilt eigentlich für jede Smartphone-Brand im Markt. Und genau das haben wir jetzt vor. Für uns steht dabei vor allem im Vordergrund, verlorenes Vertrauen bei den Kunden durch hohe Qualität zurückzugewinnen. Unsere alten Fans, die beispielsweise von einem One auf ein Samsung Galaxy S7 abgewandert sind, die müssen wir wieder einfangen.


Warum sind diese Kunden überhaupt abgewandert? Weil wir in den vergangenen Jahren nicht alles richtig gemacht haben. Das muss man ganz ehrlich so sagen.
Wer ist Eric Matthes?
Seit fast 11 Jahren arbeitet Eric Matthes bei HTC, seit 2015 als Country Manager DACH. In dieser Funktion kümmert er sich um Marketing, Sales und Service. Matthes kommt aus der klassischen IT-Welt, hat seine Karriere als Sales Manager bei IBM begonnen und ist dann zu O2 gewechselt.
Können Sie ein Beispiel nennen? Wir hatten 2015 das M9 auf den Markt gebracht. Das Problem: Es hatte keinen Fingerabdrucksensor, mit dem das Smartphone ganz bequem entsperrt werden kann. In einer ersten Demo hatte das Modell zwar noch einen solchen Sensor, letztlich entschieden wir uns aber doch dagegen und bauten stattdessen unten an die Vorderseite einen Lautsprecher ein. Kurze Zeit später kamen dann das neue iPhone und das Galaxy S6 mit eben genau so einem Fingerabdrucksensor auf den Markt. Und es stellte sich heraus, dass diese Technik bei den Kunden sehr populär ist. Heißt: Manchmal kann einem ein so ein kleines aber bedeutendes Feature - ich sage es mal flappsig - das Genick brechen. Hinzu kommt, dass wir im Marketing versäumt haben, dem Kunden zu erklären, warum wir uns gegen diesen Sensor entschieden haben. Denn es gab ja einen Grund für die Lautsprecher: Sound sollte unser USP sein.

Die neuen HTC-Modelle lassen sich nun sogar mit der Stimme entsperren. Das stimmt. Wir konzentrieren uns derzeit sehr stark auf das Thema Sprache, weil wir in diesem Bereich viel Potenzial sehen. Deshalb haben wir in das U Play und das U Ultra einen Sprachassistenten integriert. Beobachten Sie mal, wie Jugendliche heutzutage beispielsweise Whatsapp nutzen: Die schicken sich immer häufiger Sprach- statt Textnachrichten zu. Ich sehe immer mehr junge Menschen auf den Straßen, die sich das Smartphone mit der Unterseite an den Mund halten. Die neue U-Serie ist zumindest technisch auf dem aktuellen Stand. Folgt jetzt auch eine Marketing-Offensive? Auf jeden Fall. Denn was bringt es uns, wenn keiner weiß, dass wir schöne Geräte auf den Markt gebracht haben? Wir werden uns in Deutschland vor allem auf Digital-Marketing und Social Media fokussieren. Außerdem platzieren wir unsere neuen Smartphones über unsere Partner wie O2, Vodafone, Media Markt und Expert in Print-Flyern und TV-Spots. Ein eigener HTC-Fernsehspot ist für uns nicht finanzierbar - zumindest nicht in dem benötigten Umfang. Denn wenn man - wie üblich in der Branche - alle paar Monate ein neues Produkt auf den Markt bringt, muss man im TV ständig auf hohem Niveau nachlegen. Ich glaube, dafür haben nur Apple, Samsung und Huawei die finanziellen Möglichkeiten.

Wird der eigene Sprachassistent eine große Rolle in der Kommunikation spielen? Wenn ein Kunde heutzutage ein 750 Euro teures Smartphone kauft, erwartet er bei jedem Hersteller eine gute Kamera, einen guten Screen und einen guten Akku. Also müssen die Hersteller in der Kommunikation andere USPs in den Vordergrund stellen, etwa den Sprachassistenten. Wir sind aber noch dabei, herauszufinden, wie genau das funktionieren soll. Wie erkläre ich beispielsweise die Vorteile eines Sprachassistenten in einem Media-Markt-Flyer? Was muss da stehen? „Intelligenter Sprachassistent“? „Biometrische Spracherkennung zur Entsperrung des Smartphones“? Bis der Kunde das liest, hat er bereits zwei mal umgeblättert.

HTC will sich mit seiner neuen Strategie nur noch auf Modelle im Oberklasse-Segment beziehungsweise in der gehobenen Mittelklasse konzentrieren. Ist der Druck im Niedrigpreissektor zu groß geworden? Ja, der Konkurrenzkampf im Niedrigpreissektor ist immens geworden. Es ist brutal, was da unten abgeht. Für uns lohnt es sich nicht mehr so sehr auf Masse zu setzen, deshalb haben wir unser Portfolio zusammengestrichen. Aber da sind wir nicht die einzigen: LG, Sony oder Samsung fahren diese Strategie ebenfalls. Unten finden sich dann Marken wie ZTE und Wiko.

Sie begeben sich mit dieser Strategie aber auch in ein gefährliches Feld mit den beiden Riesen Apple und Samsung. Kann man da nicht nur verlieren? Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Aber Sie haben Recht, einfach wird es sicherlich nicht. Es ist fast unmöglich, einen Apple-Jünger zu einem Wechsel zu HTC zu bewegen. Auch bei Samsung ist das nicht einfach, weil die Südkoreaner mittlerweile sehr viel in Kundenbindungsprogramme investieren. Nichtsdestotrotz: Jedes Jahr werden in Deutschland 20 Millionen Smartphones verkauft, von denen Apple und Samsung zusammen 60 bis 70 Prozent ausmachen. Bleiben also immer noch bis zu 40 Prozent übrig. Für uns ist also noch sehr viel Platz vorhanden.

Wie viele Marktanteile will HTC hierzulande gewinnen? Zuerst einmal hoffen wir darauf, dass der Kuchen in Deutschland nicht viel kleiner wird. Genaue Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen, aber wir wollen etwa da hin, wo wir bereits 2014 und 2015 waren. Damals hatten wir hierzulande einen Marktanteil von drei bis fünf Prozent.
Interview: Giuseppe Rondinella

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