Geeny

Wie Telefónica das Internet der Dinge massentauglich machen will

Mit dem ersten auf Geeny vermarkteten Produkt soll die Betreuung von Senioren verbessert werden
© Telefonica Deutschland
Mit dem ersten auf Geeny vermarkteten Produkt soll die Betreuung von Senioren verbessert werden
Offiziell ist es nur ein Projekt von Telefónicas Start-up-Abteilung Next. Doch inoffiziell geht mit Geeny eine Plattform an den Start, die den Markt für vernetzte Produkte massentauglich machen könnte. Dazu soll Geeny als eigenständiges Unternehmen unabhängig von der Netzmarke O2 auf Kundenfang gehen.

Ein Hemd, das gleichzeitig ein Interface zur Kommunikation und zum Messen von Gesundheitsfunktionen ist? Warum nicht. Ein Hundehalsband, das gleichzeitig die Gesundheit des Haustieres überwacht? Auch das ist schon möglich. Im Internet der Dinge (IoT) sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt – auch was die Wachstumsvisionen der Telekommunikationsanbieter betrifft. Denn jedes vernetzte Gerät erhöht das Kommunikationsvolumen in den Netzen von Vodafone, O2, Telekom und Co.


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In der Praxis leidet dieser Markt allerdings immer noch unter der hohen Komplexität sowohl für die Produktentwickler als auch für die potenziellen Kunden. In diese Lücke will nun Telefónica Next mit seiner neuen Softwareplattform Geeny.io hineinstoßen.


Geeny positioniert sich als B-to-B-Partner gegenüber Unternehmen, die für ihre smarten Produkte eine Vernetzungsplattform suchen, und Entwicklern, die ihre schon entwickelten Algorithmen auch für andere Anwendungen zur Verfügung stellen wollen. Gleichzeitig ist Geeny aber auch eine Endkunden-Marke, die den Konsumenten die Vernetzung ihrer Geräte erlaubt und in dem noch neuen Markt mit dem Label „Enabled by Geeny“ Vertrauen schafft.

Nicolaus Gollwitzer, CEO Telefónica Next, sieht Geeny auch als Plattform, die IoT für Endkonsumentenprodukte massentauglich macht, indem sie Einstiegshürden beseitigt: „Wir erlauben es den Unternehmen, sich auf ihre Idee zu konzentrieren, ohne dass sie sich bei der Entwicklung smarter Produkte auch noch um Netzwerkfragen sorgen müssen. Gleichzeitig bieten wir den Privatkunden, eine Plattform, auf der sie möglichst viele Produkte ohne technische Barrieren untereinander vernetzen können.“

Die Hürden, die Geeny auf diesem Weg noch nehmen muss, sind durchaus beeindruckend. So will die neue Plattform sich als selbstständige Marke positionieren, um auch Kunden ohne O2-Vertrag erreichen zu können. Die entsprechende Kommunikationsarbeit soll spätestens im Mai beginnen. Gleichzeitig wird die neue Plattform aber auch beweisen müssen, dass es für die über sie vermarkteten höchst unterschiedlichen Produktideen eine effektive Präsentationsbühne sein kann.

So richtet sich beispielsweise die erste bereits feststehende Partnerschaft, ein Smart-Care-Sensorenset von Develco, an Kunden, die die Betreuung von allein lebenden Senioren verbessern wollen. Ein anderes Geeny-Projekt, das smarte Hundehalsband Dogsens, wendet sich allerdings an Tierliebhaber und wäre im normalen Handel nie in einer ähnlichen Produktkategorie wie die Develco-Sensoren zu finden. Damit ist schon jetzt absehbar, dass Geeny in seiner Vermarktungsstrategie zwar auf die PoS-Auftritte der Telefónica-Mobilfunkmarken zurückgreifen kann, aber darüber hinaus noch zusätzliche Vermarktungskanäle erschließen muss, um auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen einzugehen.

Die große Vielfalt der smarten Produkte bietet jedoch auch gleichzeitig eine neue Chance im Marketing. Geeny könnte Markenartiklern eine neue Option eröffnen, sich den Konsumenten zu präsentieren. Statt sie einfach mit Werbebotschaften zu bombardieren, hätten sie hier die Chance, über Nutzwert ihre Marke glänzen zu lassen, so Gollwitzer. Dabei werde Telefónica Next nicht auf den Zufall hoffen, sondern geeignete Marken auf Projekte aufmerksam machen: „Wir verstehen uns hier auch als Matchmaker zwischen Entwicklern und Marken. Denn Marken können dank ihrer Themenkompetenz spannende Services für das Internet der Dinge anbieten.“

So dient beispielsweise das smarte Hundehalsband Dogsens dazu, anhand der Bewegungsdaten eines Hundes dessen Gesundheitszustand zu bestimmen. Für einen Tierfutter-Hersteller wäre es basierend auf diesen Daten ein Leichtes, passende Ernährungsempfehlungen zu liefern und damit in eine direkte Interaktion mit der Zielgruppe zu treten. cam

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