Ford-Kooperation

Wie sich der Smartphone-Pionier Blackberry im Software-Markt etablieren will

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Die Blackberry-Software QNX steckt bereits in Fords Infotainment-System Sync 3.
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Die Blackberry-Software QNX steckt bereits in Fords Infotainment-System Sync 3.
Blackberry hat mit dem US-Automobilunternehmen Ford einen Vertrag für die Zukunft geschlossen: Der einstige Smartphone-Riese soll die Software für die erste Generation massentauglicher autonomer Fahrzeuge liefern. Für Blackberry ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg vom Hardware- zum Software-Konzern.
Dass Blackberry und Ford im Automobilbereich zusammenarbeiten, ist nicht grundsätzlich neu: Schon heute fahren auf den Straßen Ford-Autos, deren Infotainment-System "Sync 3" auf dem Betriebssystem von Blackberry basiert. Die Partnerschaft der beiden Unternehmen wird nun aber weiter intensiviert. Der kanadische Hersteller hat sich vorgenommen, im Markt für vernetzte Fahrzeuge neben Google, Tesla und Co eine zentrale Rolle spielen zu wollen und alle autonomen Fahrzeuge von Ford mit der nötigen Software auszustatten.


Dafür hat Blackberry konkret ein Team aus Software-Spezialisten zusammengetrommelt, das ab sofort mit Ford unter anderem am sogenannten QNX-Neutrino-Betriebssystem und der Certicom-Sicherheitstechnologie arbeiten soll, um die Sicherheit vernetzter Fahrzeuge zu gewährleisten. Weitere Informationen über die Zusammenarbeit mit Ford will Blackberry bislang nicht kommunizieren. Das offizielle Statement von CEO John Chen zeigt jedoch, wohin die Reise für den Konzern hingehen soll: "Ich glaube, dass wir mit unserer Expertise im Bereich Sicherheitssoftware der bevorzugte Technologie-Anbieter für intelligente Fahrzeuge sein werden." Von den Ford-Wagen abgesehen, fahren derzeit 60 Millionen Autos mit Blackberry-Technologie auf den Straßen.


Mit Ford an der Seite könnte die Marktpenetration von Blackberry auf den Straßen deutlich anwachsen. Der Autohersteller will nämlich bis 2021 rund 100.000 Autos ohne Lenkrad und Pedale ausliefern und hat es dabei vor allem auf autonom fahrende Taxis abgesehen. Vier Jahre später will das US-Unternehmen den Verbrauchermarkt ins Visier nehmen.


Für Blackberry ist die engere Verzahnung mit Ford ein weiterer Schritt auf dem Weg vom Hardware- zum Software-Hersteller. Erst vor wenigen Wochen kapitulierte das angeschlagene Branchen-Urgstein vor Apple, Samsung und Co und zog einen Schlussstrich unter seine verlustreiche Smartphone-Entwicklung. Der Marktanteil war zuletzt an die Marke von 0,1 Prozent geschrumpft. Das iPhone, von Blackberry vor zehn Jahren nur müde belächelt, hat den Konzern im Business-Bereich schon länger verdrängt. Während die Wettbewerber mit Touchscreen, riesigen Displays und Apps den Markt revolutionierten, setzte man im kanadischen Waterloo weiterhin auf Altbewährtes: Lange Akkulaufzeiten, vollständige Tastatur und ein sicheres E-Mail- und Messaging-System. Die Zeiten, in denen jeder Manager ein Blackberry in seiner Hosentasche stecken hatte, sind endgültig vorbei. Im vergangenen Geschäftsquartal wurde Blackberry nur noch 400.000 Telefone los. Die Neuausrichtung auf Software soll nun das Überleben sichern. "Wir erreichen mit unserer Strategie einen Wendepunkt", verkündete Chen. Im zweiten Quartal sei der Software-Umsatz im Jahresvergleich verdoppelt worden. "Unsere finanzielle Basis ist stark und unsere Neuausrichtung auf Software greift."

Der Fokus auf Software bedeutet aber auch, dass die Marke Blackberry in den Hintergrund gerät. Immerhin ist Branding bei einem "unsichtbaren" Daten-Produkt schwieriger als bei einem Smartphone. Das ist dem Konzern durchaus bewusst. Das Logo des Unternehmens taucht beispielsweise im Infotainment-System der Ford-Fahrzeuge nicht auf. Das erklärte Unternehmens-Manager Kaivan Karimi kürzlich in einem Blogbeitrag: "Wir arbeiten jetzt hinter den Kulissen." ron
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