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Warum immer mehr Marken auf Drohnen-Technik setzen

Die DJI-Drohne beim Dreh in Castelfalfi
© DJI
Die DJI-Drohne beim Dreh in Castelfalfi
Für eine Aufnahme aus der Luft einen Helikopter mieten? Das gibt es fast nur noch in Hollywood. Immer mehr Marken und Agenturen greifen bei der Werbefilmproduktion auf Drohnen zurück. Welche Bedeutung die Technologie mittlerweile hat, zeigt beispielsweise das von Peugeot initiierte "Drone Film Festival", mit dem der französische Autobauer dieses Thema gezielt besetzen möchte.

"Bisschen näher zur Straße. Geschwindigkeit ist gut. So bleiben." In kurzen, abgehackten Sätzen kommuniziert André Becker mit seinem Co-Piloten Ferdinand Wolf auf einer schmalen Schotterpiste mitten in der italienischen Toskana. Weit und breit keine Menschenseele, nur saftig-grüne Graslandschaften – und eine dreieinhalb Kilogramm schwere Kameradrohne in der Luft. Wolf steuert das Fluggerät, Becker die daran befestigte und bewegliche Kamera-Aufhängung.



Wenige Sekunden später haben die beiden Drohnen-Profis ihr Ziel im Blickfeld: Ein silberner Peugeot 5008 schlängelt sich eine Serpentine entlang und wird jetzt aus der Vogelperspektive anvisiert. "Langsamer werden. Lass das Auto an uns vorbeifahren. Tiefer fliegen. Und jetzt vor ihm kreuzen." Während Wolf die in 5 Metern Höhe fliegende Drohne auf Sicht lenkt, starrt Becker auf einen Bildschirm, der an seiner Fernsteuerung angebracht ist und die Live-Bilder überträgt. Wie auf der Playstation steuert er die Kamera mit zwei Joysticks und sucht nach dem perfekten Shot. Der erste Versuch sitzt. "Alright, ist im Kasten", freut sich Becker. Die Aktion war zwar nur eine Vorführung – das Material wird nicht verwendet –, doch auf genau diese Art und Weise sind in der Vergangenheit bereits einige Aufnahmen für die TV-Spots von Peugeot entstanden. Der französische Autohersteller arbeitet dafür mit dem chinesischen Unternehmen DJI zusammen, einem der weltweit führenden Drohnen-Anbieter. Becker ist bei DJI als Produkt-Manager EMEA zuständig, Wolf als Kreativdirektor sowie Drohnen-Pilot und gilt weltweit als einer der besten seines Fachs. Überall auf der Welt lässt Wolf die kleinen Flieger abheben: über Vulkane, Bergspitzen oder Schluchten.

Hier in der toskanischen Provinz, im 18-Seelen-Dorf Castelfalfi, wollen DJI und Peugeot für die Einsatzmöglichkeiten der Drohnen werben. Gemeinsam haben sie 60 Kilometer südwestlich von Florenz das "Peugeot Drone Film Festival" aufgezogen, bei dem die besten Nachwuchskreativen aus aller Welt eingeflogen und ihre Drohnenfilme ausgezeichnet werden. Die Abgeschiedenheit, das beeindruckende Panorama und die gute Wetterlage sollen obendrein zum Testfliegen der DJI-Modelle einladen. Dieses Video hat übrigens gewonnen:
"Schnelle, innovative, sportliche Autos und schnelle, innovative, sportliche Drohnen – das passt bildlich extrem gut zusammen", begründet Lukas Dohle, Marketingchef bei Peugeot Deutschland, die Bemühungen des Konzerns in diesem noch relativ jungen Bereich. "Und Bilder haben eine enorme Strahlkraft", fügt er hinzu. Neben der klassischen Werbefilmproduktion, etwa im TV-Spot für den 308 GTi, setzt Peugeot Drohnen auch im Rahmen der Rallye Dakar und der Deutschen Rallye-Meisterschaft ein. "Wir sind davon überzeugt, dass Drohnen ein sehr kreatives neues Arbeitsinstrument sind, um ganz andere Sichtweisen zu ermöglichen", so Dohle.
„Wir sind davon überzeugt, dass Drohnen ein sehr kreatives neues Arbeitsinstrument sind, um ganz andere Sichtweisen zu ermöglichen“
Lukas Dohle, Marketingchef Peugeot Deutschland
Diese Meinung teilen immer mehr Werbungtreibende und Agenturen. "Drohnen werden heute viel häufiger in der Werbefilmproduktion eingesetzt als noch vor wenigen Jahren", beobachtet Oliver Hack, Managing Partner bei Markenfilm. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind technisch ausgereift, flexibel einsetzbar, vergleichsweise günstig und die Software sicher. Für eine Aufnahme aus der Luft einen Helikopter mieten? Das gibt es fast nur noch in Hollywood.


Hack schätzt vor allem die gestalterischen Freiräume, die nur Drohnen ermöglichen können: eine Person indoor aus der Luft verfolgen oder spontan über das Waldstück fliegen. "Davon hätte man früher nur geträumt", so der Kreative. Markenfilm, die bundesweit größte Werbefilmproduktion, setzte Drohnen bereits für Kunden wie Audi, Toyota, die Deutsche Bahn, Bosch und Henkel ein. Oftmals engagiert Hack für die aufwendigen Drohnen-Projekte spezialisierte Technologiefirmen – in Deutschland gehören Skynamic aus Mainz und Airv8 aus Rosenheim zu den bekanntesten. Aber nicht nur in der Werbefilmproduktion finden Drohnen immer häufiger Einsatz. DJI ließ seine Flieger beispielsweise bei den Dreharbeiten für die zweite Staffel der deutschen Amazon-Serie "You are Wanted" und der US-Fernsehserie "Into the Badlands" in die Luft steigen. Der Chip-Riese Intel nutzt die Flieger regelmäßig für fulminante und öffentlichkeitswirksame Licht-Shows, etwa beim Super Bowl und bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Pyeongchang. So soll für die Einsatzmöglichkeiten der Technologie getrommelt werden.

Was aber nicht heißt, dass Drohnen für Intel nur eine große Spielerei sind. "Drohnen sind für uns mehr als nur ein Spaßfaktor", sagt Matthias Beldzik, der 2016 im Rahmen der Akquisition des Drohnen-Dienstleisters Ascending Technologies zu Intel wechselte. Die Intel-Geräte werden heute vor allem an die Industrie verkauft, die Bilddaten aus den Aufnahmen analysieren, beispielsweise Schäden an Verkehrsbrücken. "Hier geht es nicht um schöne Fotografien aus der Luft, sondern um einen realen Mehrwert", so Beldzik.

Die spektakulären PR-Stunts der Intel-Drohnen sowie die verstärkten Aktivitäten anderer Unternehmen in diesem Bereich tragen offenbar Früchte – zumindest, was die Verkaufszahlen angeht. Diese steigen nämlich weltweit an. In Deutschland gingen 2017 rund 1,12 Millionen Geräte über die Ladentheke, für dieses Jahr wird mit einem Anstieg der Verkäufe auf 1,26 Millionen Geräte gerechnet. Den Großteil davon machen semiprofessionelle Drohnen mit einem Gewicht zwischen 250 Gramm und 2 Kilogramm aus, die in der Regel von Laien ohne sogenannten "Drohnenführerschein" gekauft werden. Prognosen zufolge sollen in diesem Jahr weltweit mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar mit Drohnen umgesetzt werden. 2015 waren es noch knapp 1,9 Milliarden US-Dollar.

Die zunehmende Popularität der Geräte sowohl bei Unternehmen als auch bei Otto Normalverbraucher kommt DJI und Peugeot sicherlich gelegen, planen die beiden Firmen doch im Sommer die dritte Auflage ihres Drone Film Festivals. Anders als in Castelfalfi soll die Veranstaltung in diesem Jahr aber weitaus größer aufgezogen werden, mit mehr Markenpartnerschaften und einer öffentlichkeitswirksameren Location. Auch deutsche Großstädte sind als Austragungsort im Gespräch. ron

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