Digitrust

SpotX und Co gründen Anti-Walled-Gardens-Bündnis

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Stefan Beckmann ist neuer Geschäftsführer DACH von SpotXchange
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Stefan Beckmann ist neuer Geschäftsführer DACH von SpotXchange
In der Adtech-Szene rumort es schon länger, doch jetzt formiert sich allmählich der Widerstand gegen die sogenannten Walled Gardens von Google, Facebook, Amazon und Co. Mehrere Plattformen, darunter SpotX, Pubmatic, Rubicon Project, Sizmek und Quantcast, haben sich zu dem nicht-kommerziellen Konsortium Digitrust zusammengeschlossen, das Publishern mehr Umsätze und den Internetriesen weniger Einfluss verschaffen soll.

Dafür nutzt Digitrust das, was die beteiligten Unternehmen am besten können: Technologie. Sie soll eine gemeinsame „Unified-User-ID“ erzeugen, die bestenfalls zum schnelleren Aufbau von Websites, besseren Nutzererfahrungen und letztlich zum Rückgang der Adblockerrate führt. Denn derzeit ist die Lage im Programmatic Advertising wie folgt: Sell-Side-Plattformen (SSPs) und Demand-Side-Plattformen (DSPs) führen ihre jeweiligen Cookies über Matching-Tabellen zu Master-IDs zusammen, um den passenden Nutzer für den Werbungtreibenden zu finden. Das heißt, in diesem Prozess arbeiten die Cookies des Vermarkters (in der SSP), die des Advertisers (in der DSP) und das synchronisierte Master-Cookie zusammen.


Gerade die Erstellung von Letzterem funktioniert in der Praxis nicht ohne Probleme: Bei der Cookie-Synchronisation gehen sowohl Daten als auch Reichweite verloren. „Wir verlieren bis zu 30 Prozent Reichweite allein durch die Komplexität des Prozesses“, sagt Stefan Beckmann, Managing Director DACH bei SpotX.

Digitrust soll dieses Problem lösen. Die angestrebte Unified-User-ID führt die Cookie-IDs von SSPs und DSPs von Anfang an zusammen und soll für alle Konsortiummitglieder über eine Cloud frei zugänglich sein. Die Erwartungen von Beckmann sind hoch: „Langfristig erwarten wir mehr Umsätze für Publisher, DSPs und SSPs, schnellere Ladezeiten und dementsprechend einen Rückgang der Adblocker-Raten sowie eine Schwächung der Walled Gardens.“ Denn das Problem der Cookie-Synchronisation kennen Google und Co bislang nicht, weil sie SSP, DSP und Marktplatz innerhalb ihrer jeweiligen Plattform vereinen.
„Langfristig erwarten wir mehr Umsätze für Publisher, DSPs und SSPs, schnellere Ladezeiten sowie eine Schwächung der Walled Gardens“
Stefan Beckmann, SpotX
Digitrust könne hier „eine wirkliche Alternative“ sein, ergänzt Sean Buckley, CRO der RTL-Tochter. Gerade, weil sich der TV-Markt derzeit grundlegend ändert und von dort eine große Menge Geld in den Digitalbereich schwappt, sei es für Publisher von Premium-Inhalten enorm wichtig, rechtzeitig ein eigenes Ökosystem aufzubauen, das sie unabhängig von den Walled Gardens macht. 

Buckleys Aussage verdeutlicht zugleich die Voraussetzung für den Erfolg von Digitrust: Publisher und Vermarkter müssen mitmachen. Sie müssen auf ihren Websites zunächst das zusätzliche Pixel von Digitrust einbauen und damit langfristig alle anderen Adtech-Anbieter ersetzen. Das erfordert Vertrauen, würde gleichzeitig aber auch für eine Vereinfachung der immer komplexer gewordenen Prozesse sorgen. Hier stehe man allerdings noch ganz am Anfang, sagt Beckmann: „Ich wäre froh, wenn wir es schaffen, in diesem Jahr wichtige Publisher ins Boot zu holen.“

Die Video-SSP arbeitet noch in einem anderen Bereich an der Verbesserung des digitalen Ökosystems. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit dem Ad-Verification-Anbieter Meetrics bietet SpotX nun zusätzliche Viewability-Prüfungen und Zielgruppenanalysen an, die die Qualität von Videowerbung steigern und Publishern umfangreiche Einblicke in Kampagnen geben sollen. Erst im Frühjahr hatte Meetrics eine Partnerschaft mit Facebook verkündet, in deren Rahmen das Unternehmen die Sichtbarkeit von Anzeigen misst. kan 

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