"Die Idee ist nicht so wichtig"

Wie der Ex-HSV-Profi Marcell Jansen in Start-ups investiert

Marcell Jansen
Foto: Abel Tumik / Shutterstock
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Früher galt sein Interesse nur dem Ball, heute sind es neue Geschäftsmodelle_ Ex-HSV-Profi Marcell Jansen baut und investiert in Start-ups. "Ich wollte auch etwas mit dem Kopf machen", sagte er auf dem Reeperbahnfestival und verriert, was ihm bei jungen Gründern wichtig ist.

Noch vor etwas mehr als einem Jahr hätte man Marcell Jansen nicht unbedingt auf einer Start-up-Veranstaltung vermutet. Den heute 30-Jährige kannten Sportfans eher vom Fußballplatz, als Profi vom Hamburger SV und aus der Nationalmannschaft. Dass Jansen heute trotzdem auf Start-up-Events sitzt, hängt mit einem Interview zusammen. Nachdem er seine Karriere beendete, verkündete er im Juli 2015, er wolle sich nun neuen Projekten widmen, einem Startup zum Beispiel. Mit dieser Aussage löste er bundesweites Interesse aus.


Auf dem Startups@Reeperbahn in Hamburg, das von dem Portal Hamburg Start-ups organisiert wird, erzählte der frühere Fußballer am Mittwoch, wie es zu seinem Start-up-Faible kam. "Ich habe mit 21, 22 Jahren festgestellt, dass Fußball nicht alles für mich ist", sagte er auf der Veranstaltung. "Ich habe mich etwas leer im Kopf gefühlt, ich wollte auch etwas mit dem Kopf machen." Er habe sich gefragt, wie er sich finanzieren würde, wenn er nicht mehr Fußball spielen könnte und habe gewusst, dass eines Tages das "wirkliche Leben" komme. Im Rahmen dessen begann er, sich für neue Geschäftsmodelle zu interessieren.

Seine erste Idee kam dem Profi bei der Europameisterschaft 2008. Statt der langweiligen Trikots mit Sponsor und Deutschlandflagge ließ er von einem Künstler ein eigenes Design entwerfen. Mit Erfolg: Die Lizenz kostete ihn 400 Euro, am Ende verkaufte er das Konzept für 50.000 Euro. "Es war die erste kleine Idee", sagt er schmunzelnd. Doch der Erfolg fixte ihn an.

Inzwischen hat Jansen ein Lifestyle-Sanitätshaus in seiner Heimatstadt Mönchengladbach aufgebaut – nach eigener Aussage macht er damit viel Geld. Das Unternehmen verkauft orthopädische Produkte. Außerdem investiert der Fußballer auch in Startups, etwa in das Unternehmen Gymjunky. Die Plattform vertreibt auf den ersten Blick Sportkleidung, es gehe aber eigentlich um ein ganzes Fitness-Konzept, so Jansen: gesund essen, Sport treiben, auf den Körper achten.

Gymjunky soll nicht die einzige Beteiligung bleiben. Der Ex-Fußballer plant vier weitere Startups rund um Sport, Lifestyle und Technologie, wie er am Mittwoch verriet. Dass er sich vor allem mit Themen beschäftigt, die mit Sport zusammenhängen, begründet Jansen so: "Ich kann keine Dinge verkaufen, die ich nicht selbst nutze."

Ein Start-up, dass Marcell Jansen von einem Investment überzeugen will, sollte vor allem eins mitbringen: ein gutes Team. "Ich finde die Idee nicht so wichtig", sagt der Hamburger. "Es geht darum, wie sehr das Team es wirklich will." Für ihn zählt, dass jedes Mitglied auch Kompetenzen abgeben kann. Die Gründer müssten ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen können, aber auch in der Lage sein, die Dinge auszulagern, die sie nicht so gut können, so Jansen. Grundsätzlich vertraue er auf sein Bauchgefühl.

Der HSV-Profi outet sich auch als Lokalpatriot. Er hoffe, dass die Hamburger Startup-Szene noch deutlich größer werde, sagt Jansen. Dass er sich als Einheimischer fühlt, beweist er schon bei der Begrüßung. Als er die erste Frage gestellt bekommt, sagt er: "Erst einmal: Moin, Moin." Ganz wie ein echter Hamburger.



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