Criteo-Chef Gösswein

"Menschen werden mit Digitalwerbung zugemüllt"

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Digitalwerbung muss besser werden: Alexander Gösswein
© Foto: Criteo
Digitalwerbung muss besser werden: Alexander Gösswein
Criteo-Zentraleuropachef Alexander Gösswein  ist einer der deutschen Internet-Tech-Größen und ein Freund klarer Worte: Ein HORIZONT-Interview über digitale Wettbewerbe und den Zustand der Digital-Werbung. Tenor: Es besteht Handlungsbedarf.

Vor zwei Wochen hat der ADC in Hamburg die kreativsten Werbekampagnen ausgezeichnet, eine Woche später wurden die Criteo Performance Marketing Awards (CPMA) vergeben. Ist der CPMA so etwas wie der digitale Gegenentwurf zum ADC? Nein, uns geht es nicht um den ADC, sondern generell darum, einen Kontrapunkt gegen die zahlreichen Wettbewerbe zu setzen, die digitale Kommunikation hauptsächlich unter Kreativgesichtspunkten bewerten. Der ADC ist nur ein Beispiel von vielen.

Dennoch: Beim ADC drehte es sich thematisch um Disruption und Technologie, Angelegenheiten, mit denen sich sonst eher Unternehmen wie Criteo beschäftigen. Haben Sie schon einen Antrag auf ADC-Mitgliedschaft gestellt? Nein, und das habe ich auch nicht vor. ADC und CPMA kommen aus zwei komplett unterschiedlichen Welten, und ich bin ganz glücklich in meiner Welt.

Die CPMA sind vor drei Jahren mit dem Ziel angetreten, die – Zitat aus einem Kommentar von Ihnen – wirklichen Verhältnisse im Digital-Markt transparent zu machen. Ist Ihnen das gelungen? Wir sind zumindest ein gutes Stück vorangekommen. In der Vergangenheit wurde, wenn es um Digitalwerbung abseits von Google und Facebook ging, fast immer nur über Branding oder, wie schon erwähnt, Kreation gesprochen. Nichts gegen Branding, aber Performance ist umsatzmäßig wie von der Nutzerrelevanz mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger. Der CPMA hat dazu beigetragen, das Bewusstsein für ROI-orientierte Marketingkampagnen zu schärfen.

Kritiker halten Ihnen vor, den Award aus Eigeninteresse etabliert zu haben. Das ist Quatsch. Criteo ist Initiator, Organisator und Namensgeber, mehr aber nicht.

Dann könnten Sie den Unternehmensnamen aus dem Award-Titel nehmen. In der Tat ist unser Ziel, den Wettbewerb noch stärker als unabhängigen Digitalmarketing-Award zu etablieren. Ob das dazu führt, dass Criteo auch im Namen des Wettbewerbs nicht mehr auftaucht, werden wir sehen.

Wodurch zeichnen sich die diesjährigen Preisträger aus? Sie sind erfrischend, innovativ und haben die Jury mit ihren Zielerreichungswerten überzeugt.

Einen prominenten Stellenwert im Wettbewerb hatten Start-ups mit Live-Pitches vor der Jury und beim Publikum am Abend der Preisverleihung. Warum? Digitalwerbung ist ein komplexes Unterfangen, deshalb entstehen permanent neue Unternehmen. Die Start-up-Industrie befeuert die klassischen Anbieter. Das ist gut so. Wir brauchen nicht nur viele neue Unternehmen, sondern vor allen Dingen gute neue Ideen. Diese Innovationen wollen wir unterstützen.

Allen guten Ideen zum Trotz: Digitale Werbung wird scharf kritisiert. Zu Recht? Die Diskussion krankt daran, dass komplett unterschiedliche Dinge in einen Topf geworfen worden. Search funktioniert anders als Display auf Spiegel Online oder Horizont Online, Performance Marketing ist etwas anderes als Content Marketing. Und und und. Wenn man alles in einem Topf verrührt und sagt, Digitalwerbung ist schlecht, ist keinem geholfen. Was man aber unabhängig davon konstatieren muss: Die Menschen werden zurzeit mit Digitalwerbung zugemüllt, egal, ob das Display oder Performance ist. Hier ist die Branche gefordert, nutzerfreundliche Lösungen zu finden.

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Es gibt noch andere, die Grund zum Frust haben: Von jedem Euro, den Unternehmen in Digitalwerbung investieren, kommt nur ein Teil beim Werbeträger an. Ein Großteil landet bei den zahllosen Tech-Dienstleistern. Es ist doch das Schöne an Digitalwerbung, dass man so viel messen und Kommunikationsmaßnahmen in Realtime verbessern kann. TV und Print können das nicht leisten. Das heißt aber auch: Wenn man Werbung personalisierter und genauer machen will, muss man auf Tech-Dienstleister zugreifen.

Werbeträger, aber auch Werbungtreibende wird man dauerhaft mit den Versprechungen der schönen neuen Welt nicht trösten können. Wir sind daran interessiert, dass Publisher ihr Inventar bestmöglich monetarisieren. Unser neues Tool Direct Bidder sorgt dafür, dass Publisher den vollen Wert der Impressions, die Criteo einkauft, erhalten. So sind bis zu 50 Prozent bessere Umsätze für Publisher möglich.

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