Cambridge-Analytica-Chef Nix

"Facebook-Likes spielen in unserem Modell keine Rolle"

Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix in einem Video auf dem Youtube-Kanal des Unternehmens
© Cambridge Analytica
Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix in einem Video auf dem Youtube-Kanal des Unternehmens
Seit einem Artikel im Schweizer "Magazin" diskutiert die Welt über Cambridge Analytica, jene Firma, die mit ihren Targeting-Methoden Donald Trump ins Weiße Haus verholfen haben soll. Nun kommt der Chef der britischen Big-Data-Firma erstmals in einem deutschen Medium zu Wort: Im Interview mit dem "Handelsblatt" erklärt Alexander Nix die Strategie seines Unternehmens - auch für Deutschland.
"Wenn auch in Deutschland Nachfrage nach unserer Technologie besteht, würden wir auch gerne im dortigen Wahlkampf mitarbeiten", sagt Nix im Gespräch mit Alexander Demling und Astrid Dörner. Allerdings weiß Nix, dass hierzulande andere Datenschutz-Regeln gelten als in den USA, wo Cambridge Analytica eigenen Angaben zufolge Profile von mehreren hundert Millionen Einwohner erstellt haben will. "Der gesetzliche Rahmen in Europa ist komplexer. Große Datensätze zu kaufen oder lizenzieren wie in den USA ist hier nicht so einfach möglich. Aber man kann mit Datensätzen arbeiten, die unseren Kunden gehören", so Nix.


Entgegen so mancher Darstellung seien die Facebook-Likes einer Person nicht ausschlaggebend für die Erstellung eines Profils, so Nix. Vielmehr basiert die Methode von Cambidge Analytica auf dem Ocean Test, einer Methode zur Analyse von Persönlichkeiten. Das Ziel: Menschen nach so genannten psychografischen Charakteristiken zu segmentieren - und sie auf diese Weise mit maßgeschneiderten Botschaften zu erreichen.
Facebook hingegen habe man nur genutzt, um Nutzer zum Test einzuladen und Werbung zu schalten: "Facebook gibt uns Zugang zu einem Publikum. Es ist aber falsch berichtet worden, dass wir etwa Facebook-Likes als Datenquelle nutzen. Das spielt in unserem Modell keine Rolle."

Die Autoren des "Magazin"-Artikels, durch den Cambridge Analytica praktisch über Nacht im deutschsprachigen Raum bekannt wurde, sahen sich nach der Veröffentlichung großer Kritik ausgesetzt. So wurde etwa bemängelt, dass die Schwächen des Big-Data-Modells der Firma zu wenig thematisiert worden seien - ebenso wie offensichtliche Fehlschläge.


Die Autoren Hannes Grassegger und Mikael Krogerus haben sich daher vor wenigen Tagen erneut zu Wort gemeldet - und zeigten sich dabei selbstkritisch: "Beim Erzählen dieser Geschichte haben wir uns dann zu sehr in Bann schlagen lassen von den unglaublichen Verwicklungen. Beim Versuch, die technischen Elemente verständlich und spannend zu vermitteln, haben wir teilweise überspitzt formuliert. Wir hätten unsere Recherche-Ergebnisse stärker hinterfragen müssen. Dann wären notwendige Relativierungen im Text verblieben", schreiben die beiden. ire
stats