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Nissan-Chef Carlos Ghosn will beim Autonomen Fahren Paroli bieten

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Ogi Redzic, Senior Vice President Connected Mobility and Mobility Services Renault-Nissan, spricht bei der CES-Keynote dank Cortana mit der Studie Nissan IDS
© Jochen Zimmer
Ogi Redzic, Senior Vice President Connected Mobility and Mobility Services Renault-Nissan, spricht bei der CES-Keynote dank Cortana mit der Studie Nissan IDS
BMW, Mercedes, Tesla, Google - das Thema Autonomes Fahren setzt die Auto- und IT-Industrie unter Hochspannung. Doch nicht nur die Premiumhersteller, Internetgiganten und milliardenschwere Start-ups wie Uber mischen in dem Rennen um das fahrerlose Fahren der Zukunft mit. Nissan-CEO Carlos Ghosn ließ bei der CES in Las Vegas keinen Zweifel daran, dass der Volumenhersteller bei der Zukunftstechnologie vorne mitmischen will.

„Ich glaube nicht, dass die Tech-Companies beim Autonomen Fahren den Lunch der Autohersteller essen“, sagt Carlos Ghosn beim Medien-Roundtable in Las Vegas im Anschluss an seine Keynote. Produktion und Service von Fahrzeugen seien hochkomplex und würden mit den neuen Techniken noch komplizierter. Ghosn, der auch CEO des Renault-Nissan-Konzerns und von Mitsubishi ist, fordert deshalb Tech-Konzerne, E-Commerce-Unternehmen, Carsharing-Dienste und Start-ups zur Zusammenarbeit auf.



So kooperiert Renault-Nissan beispielsweise mit Microsoft bei der Entwicklung vernetzter Technologien, unter anderem mit der Integration von Microsofts Sprachsteuerung Cortana in die Fahrzeuge. Mit der NASA hat Nissan die Technologie SAM, Seamless Autonomous Mobility, entwickelt, die im Fahrtbetrieb künstliche Intelligenz mit menschlichem Support kombiniert, um unvorhersehbare Situationen zu meistern.

Ghosn lässt sich auch von dem Vorpreschen von Unternehmen wie Tesla und Uber beim Autonomen Fahren nicht beirren: „Wir müssen konservativ vorgehen, da wir im Gegensatz zu den Newcomern Millionen Fahrzeuge verkaufen.“ Sicherheit habe oberste Priorität und bedeute im Serieneinsatz eine ganz andere Herausforderung als im Testbetrieb. „Besonders die menschliche Neigung, Regeln zu überschreiten, bereitet auf dem Weg zur Serienreife Kopfzerbrechen“, sagt Ghosn.


Nissans Ziel ist es, die Technik nicht nur den Luxus-Modellen vorzubehalten, sondern von Beginn an in der gesamten Fahrzeugpalette zu ermöglichen. Den Weg dahin will die Marke in vier Phasen bewältigen. Schon 2018 soll der Kompakt-SUV Qashqai als erstes Modell in Europa den „ProPilot“ erhalten, ein System, das die selbstständige einspurige Verkehrsführung auf der Autobahn erlaubt. In Japan ist dies schon bei dem Van Serena im Einsatz und wird von 60 Prozent der Käufer bestellt. 2018 soll der ProPilot auch mehrspuriges Fahren mit selbstständigen Überholvorgängen ermöglichen. Für das Jahr 2020 setzt sich Nissan das ziel, zehn Modelle in der Stadt teilautonom fahren lassen zu können.

Bis zur vierten Stufe der fahrerlosen Autos dürften dann laut Ghosn noch einige Jahre vergehen. Bis 2030 rechnet der Manager mit einem Anteil vollautonomer Fahrzeuge von 15 Prozent aller Neuwagen. Die Vorteile der neuen Technik liegen für ihn auf der Hand: „Personen, die an Autos interessiert sind, lieben autonomes Fahren, denn sie können die negativen Begleiterscheinungen des Fahrens wie etwa Staus ausblenden. Da man selbst entscheiden kann, wann man das Steuer in die Hand nimmt, kommt die Fahrfreude zurück.“ joz

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