"Black Mirror"-Kampagne

So geschickt spricht Netflix Nutzer von Adblockern an

Die Kampagne lief unter anderem bei "The Next Web"
© twitter.com/Steve_Briles
Die Kampagne lief unter anderem bei "The Next Web"
Beim Marketing für seine Eigenproduktion "Black Mirror" hat Netflix offensichtlich Spaß an technischen Spielereien: Nach dem gut gemachten Canvas-Ad für die Science-Fiction-Serie umgeht der Streaming-Dienst nun mit einer Display-Kampagne sogar Adblocker.
Besucht ein Nutzer mit aktiviertem Adblocker beispielsweise die Tech-Site "The Next Web", so sieht er dort eine Anzeige mit dem Text "Hallo Adblocker-Nutzer. Du kannst die Werbung nicht sehen. Aber die Werbung sieht dich. Was befindet sich auf der anderen Seite deines "Black Mirror?" Wer keinen Adblocker eingeschaltet hat, sieht eine ganz normale Werbung für die Serie. Beide Anzeigen führen den User letztendlich zu Netflix, wo Staffel 3 von "Black Mirror" derzeit exklusiv zu sehen ist.


Die Kampagne ist - genauso wie das interaktive Canvas Ad - perfekt auf "Black Mirror" zugeschnitten. Die Serie spielt mit den Ängsten der Menschen vor neuen Technologien, indem sie etwa - jeweils stark überzeichnet - negative Folgen von exzessivem Social-Media-Konsum oder die Tücken von Virtual Reality darstellt. Die nicht blockierbaren Display-Ads müssen beim Nutzer zunächst natürlich das Gefühl wecken, er sei nur noch ein Spielball der Technik.
Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn Netflix umgeht die Adblocker nicht alleine: Das Unternehmen fragte Publisher in den USA an, ob sie bereit wären, die Kampagne auf ihren Seiten zuzulassen. Aber nur drei - Slate, Mashable und The Next Web - sagten zu, wie Digiday berichtet. Netflix führte die Kampagne gemeinsam mit der Digitalagentur MullenLowe Mediahub durch.

Technisch funktioniert das Ganze so: Die Mehrheit der Nutzer von Adblockern hat die Javascript-Einstellung "window.noBlocker." aktiviert. Wird diese Einstellung bei einem Seitenbesuch vom Publisher erkannt, ändert sich der Hintergrund des Anzeigenplatzes und verwandelt sich in das Netflix-Banner. Laut Rey Caacbay, Partnerships-Manager bei The Next web, geschieht dies in Millisekunden, so dass der User in der Regel nichts von dem Hintergrund-Wechsel mitbekommt. "Wir wollten diese schwer zu erreichende Zielgruppe targeten und ihre Aufmerksamkeit auf kreative Art und Weise wecken", zitiert Digiday Sean Corcoran, Executive Director Digital Media und Innovationen bei MullenLowe Mediahub. "Wir denken, dass es lustig ist, Nutzer von Adblockern direkt anzusprechen. Und ganz im Sinne der Serie wollen wir die Menschen wissen lassen, dass sie nicht davonrennen können."


Davonrennen kann allerdings auch Netflix nicht, und zwar vor den Kosten: The Newxt Web etwa lässt sich die Kampagne auf CPM-Basis bezahlen - und zwar drei- bis viermal höher als eine Standrard-Display-Kampagne. ire
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