Misslungener Aprilscherz

Münchner Start-up zieht den Zorn von Philipp Lahm auf sich

   Artikel anhören
Das Start-up Fitrate bietet ein Abo für verschiedene Sportstudios an
© Screenshot
Das Start-up Fitrate bietet ein Abo für verschiedene Sportstudios an
Ein Aprilscherz des Münchner Start-ups Fitrate hat dem Fußballer Philipp Lahm ordentlich die Laune verdorben. Das junge Unternehmen hatte am Samstag verkündet, dass der Verteidiger vom FC Bayern München als Großinvestor einsteigen wolle und zudem als Testimonial fungieren werde. Doch die ganze Geschichte war erfunden. Medienberichten zufolge will Lahm nun einen Anwalt einschalten.
Die Meldung, dass Lahm in das junge Münchner Unternehmen investieren wolle, verbreitete der Sportinformationsdienst (SID) am Samstag-Mittag, als sich Lahm mit seinen Bayern auf die Bundesliga-Partie gegen den FC Augsburg vorbereitete. Viele Medien, darunter die "Bild"-Zeitung und die "Zeit", übernahmen die Meldung, die auf den ersten Blick nicht wie ein Aprilscherz daherkommt. Denn der Fußballer ist in der Start-up-Szene kein unbeschriebenes Blatt und hat bereits in einige Firmen investiert.



Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnte: Das Unternehmen Fitrate hat die ganze Geschichte erfunden. Sogar ein falsches Zitat legte es dem Kicker in den Mund. Nun droht sogar ein juristisches Nachspiel: Laut "Bild"-Informationen hat der Bayern-Kapitän seinen Anwalt eingeschaltet und prüft eine Klage. "Diese Sache hat nichts mit einem Spaß zu tun. In unseren Augen ein billiger Trick, um mit einem Prominenten zu werben", zitiert das Blatt Lahm-Berater Roman Grill.
Was ist Fitrate?
Fitrate wurde vor etwa anderthalb Jahren von Florian Schärer, Jörg Lehmeier und Vahid Imani in München gegründet. Das Start-up bietet eine Flatrate für verschiedene Sportstudios und -Kurse an, von Aerobic über Yoga-Kurse bis Schwimmen. Im September konnte das Unternehmen Kapital in sechsstelliger Höhe einsammeln.
Fitrate-Gründer und -Geschäftsführer Vahid Imani zeigt sich gegenüber HORIZONT Online auf Nachfrage reumütig: "Wir bedauern die Aktion sehr." Wie Imani berichtet, war eigentlich geplant, die Fake-Meldung über den Neu-Investoren Philipp Lahm "nur" an die etwa 2.000 Abonnenten des Mitglieder-Newsletters zu schicken. Der PR-Verantwortliche von Fitrate, der laut Imani "alle kreativen Freiheiten" genieße, habe dann ohne vorherige Absprache beschlossen, die Meldung auch an den Presse-Verteiler zu senden. Ein Versehen also, für das sich Imani nun persönlich bei Lahm über eine Mitteilung entschuldigt hat.

"Hiermit entschuldigt sich das gesamte Team von FITrate vielmals bei Philipp Lahm und den Medien für diesen übertriebenen Aprilscherz. Fitrate hat nie beabsichtigt einen Schaden herbeizuführen oder Philipp Lahm zu diskreditieren oder zu verärgern", so Imani. "Es tut mir sehr leid, dass wir mit der Meldung eine solche Welle ausgelöst haben. Der 1. April scheint nicht mehr zu sein, was er einmal war. Wir als Sportler stehen aber zu unserem Fehler und werden Philipp Lahm Angebote unterbreiten, wie wir das gerade biegen können wie etwa eine Spende an die Philipp Lahm Stiftung."


Die Aktion von Fitrate zeigt nichtsdestotrotz, dass prominente Geldgeber in der deutschen Start-up-Szene offensichtlich sehr begehrt sind. Erst vor wenigen Wochen gaben in einer Bitkom-Studie 55 Prozent der Start-ups an, sich einen prominenten Geldgeber und die entsprechenden Schlagzeilen für die eigene Idee zu wünschen. Hierzulande investieren neben Philipp Lahm (Fanmiles, Danova) unter anderem Ex-HSV-Profi Marcell Jansen und Joko Winterscheidt (GoButler) in junge Unternehmen. ron
stats