Anti-Tech-Allianz

Ex-Google- und Facebook-Mitarbeiter warnen vor Social Media und Smartphones

34 Prozent der Millenials besitzen einen Selfie-Stick. Sie sind im Schnitt 30 Prozent narzisstischer als Millennials ohne Selfie-Stick.
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34 Prozent der Millenials besitzen einen Selfie-Stick. Sie sind im Schnitt 30 Prozent narzisstischer als Millennials ohne Selfie-Stick.
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Immer häufiger diskutiert das Silicon Valley über die negativen Auswirkungen des Internets auf vor allem junge Menschen. Apple-Boss Tim Cook hatte im Januar sogar in einem Interview bekundet, seinen Neffen von sozialen Netzwerken fernhalten zu wollen. Nun ist die Bewegung um eine Lobby-Gruppe reicher: Ehemalige Mitarbeiter von Facebook und Google haben sich zu einer Anti-Tech-Allianz zusammengeschlossen.
Die ehemaligen Mitarbeiter der beiden Tech-Giganten wollen das bekämpfen, was sie selbst mit aufgebaut haben: Im kalifornischen Technologie-Mekka hat sich eine Allianz besorgter Tech-Experten gegründet, sie nennt sich "Center for Humane Technology" und warnt vor sozialen Medien und Smartphones. "Wir wissen, was diese Unternehmen messen", sagt Ex-Google-Mitarbeiter und Kopf der neuen Organisation Tristan Harris der "New York Times".


Zusammen mit der Nonprofit-Organisation Common Sense Media wollen die Tech-Skeptiker eine Lobbygruppierung aufbauen, die vor dem Suchtpotenzial von Smartphones warnen will. Zudem ist eine Werbekampagne mit dem Titel "The Truth About Tech" in Planung, die in erster Linie auf 55.000 öffentliche Schulen in den USA abzielt. Sieben Millionen Dollar hat die Organisation für die Kampagne eingesammelt, bekommt aber laut "NYT" zusätzlich freie Werbeblöcke von Medienpartnern wie Comcast and DirecTV.

Die negativen Auswirkungen moderner Technologie haben in den vergangenen Wochen und Monaten eine lebhafte Debatte in den USA angestoßen. Apple-Vorstandschef Tim Cook hatte erst vor wenigen Tagen öffentlich gesagt, er würde seinem Neffen die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook verbieten. "Es sollte Grenzen geben, was die Nutzung neuer Technologien für Jugendliche angeht", sagte Cook damals während einer Veranstaltung am britischen Harlow College in Essex.


Cook rät den Schülern laut dem britischen Guardian zwar, in der Schule möglichst viele Computer- und Programmierkenntnisse zu erwerben. Es sollte aber nicht in jedem Fach Technologie im Mittelpunkt stehen: "Braucht man in einem Literatur-Kurs viel Technologie? Wahrscheinlich nicht!"

Das Thema Smartphone-Sucht war zu Beginn des Jahres wieder in aller Munde, als der Hedgefonds Jana Partners und der Lehrer-Pensionsfonds CalSTRS Apple aufforderten, sich stärker im Bereich Kinder- und Jugendschutz zu engagieren. Der iPhone-Konzern solle Forschungen zur Smartphone-Sucht anstoßen und eine Software entwickeln, mit denen Eltern die Nutzung der Geräte beschränken können.

Apple sah sich Tags drauf zu einem Statement gezwungen und bekräftigte, bereits viel in diesem Bereich getan zu haben. Die Software der Smartphones erlaube es Eltern schon seit 2008, Anwendungen, Filme oder Spiele ihrer Kinder zu kontrollieren, erklärte der US-Konzern. Man nehme den Kinderschutz sehr ernst und mache sich viele Gedanken darüber, welche Auswirkungen die eigenen Produkte auf Nutzer hätten.

In Deutschland bezeichnet sich einer aktuellen Studie der Agentur Quisma zufolge jeder vierte als Smartphone-süchtig. Die große Mehrheit der Deutschen betrachtet das Smartphone aber lediglich als praktischen Alltagshelfer, der auch einmal aus der Hand gelegt werden kann. 72,5 Prozent der Befragten geben an, das Gerät nur für bestimmte Situationen zu nutzen. Für die Untersuchung hatte Quisma gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Research Now 1008 Deutsche im Alter von 14 bis 70 Jahren in einer repräsentativen Stichprobe befragt. ron

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