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So funktioniert Adblock Advertising bei AdDefend

Dominik Reisig ist CEO von AdDefend
© AdDefend
Dominik Reisig ist CEO von AdDefend
Medien wie Bild und Spiegel Online bitten Nutzer von Adblockern, diesen bei Besuch ihrer Seiten zu deaktivieren - ansonsten bleibt der Zugang zu den Inhalten versperrt. Zu dieser Vorgehensweise gibt es eine Alternative: Adblock Advertising. Dabei handelt es sich um eine technische Lösung, mit der Werbemittel trotz aktiviertem Adblocker angezeigt werden.
Der Bedarf nach Mitteln gegen Adblocker ist unter Publishern und Werbungtreibenden nach wie vor enorm. Eine Untersuchung des BVDW zeigte jüngst, dass auf dem Desktop, der für die Vermarktung nach wie vor sehr wichtig ist, jede vierte Anzeige geblockt wird. Zwar gilt bessere Werbung gemeinhin als sicherstes Mittel gegen Adblocker. Doch Medien und Werbekunden gehen lieber auf Nummer sicher und setzen auf technische Lösungen - wie die von AdDefend.


Das 2015 gegründete Start-up hat eine Technologie entwickelt, die das Blockieren von Werbeplätzen verhindert. AdDefend erklärt das Verfahren folgendermaßen: Vor der Werbemittelauslieferung wird der Browser des Nutzers identifiziert und ein Ad Request so verschlüsselt, dass das Filtersystem einer potenziell aktiven adblockenden Software ihn nicht als Ad Request erkennt. Zudem läuft die Anfrage nicht über den normalen Adserver, sondern wird auf den Adserver von AdDefend umgeleitet. Ein Adblocker kann dadurch nicht erkennen, dass es sich um eine Anzeige handelt. Adblock Plus und Co halten die Werbung stattdessen für einen Inhalt des jeweiligen Publishers - und lassen sie deswegen stehen.
So funktioniert die Lösung von AdDefend
© AdDefend
So funktioniert die Lösung von AdDefend
Auf diese Weise könnten 100 Prozent des geblockten Inventars "zurückgeholt" werden, verspricht AdDefend. Publisher und Vermarkter könnten dadurch ihre Nettoreichweite für ihr Inventar um bis zu 25 Prozent steigern. Zu den Kunden von AdDefend gehören eigenen Angaben zufolge 150 Premium-Publisher, darunter neun Medien aus der Top-20 der Agof. Die Zahl der monatlich ausgelieferten Ad Impressions liege bei 2 Milliarden.

Eines der Unternehmen, die auf die Lösung setzt, ist Computec. Der Betreiber von reichweitenstarken Portalen wie golem.de (Laut IVW rund 11,5 Millionen Visits im Januar 2018) oder gamesworld.de (rund 16 Millionen Visits) adressiert eine sehr techaffine Zielgruppe - dementsprechend liegt die Zahl der Adblocker-Nutzer unter den Computec-Lesern auch über dem Durchschnitt. Allerdings wollte das Unternehmen nicht durch die Einführung einer Paywall oder das Aussperren von Werbeverweigerern reagieren.


Im Endeffekt konnte Computec nach Einführung von AdDefend durch die Adblock-Reichweite das vermarktbare Inventar um 30 Prozent steigern - ohne dass die Performance zu leiden hatte: "Auch Nutzer von Adblockern sind durchaus empfänglich für Werbung. Dies zeigt sich für uns beispielsweise daran, dass die an Adblocker-Nutzer bisher ausgespielten Kampagnen durchweg gute oder sogar bessere Klickraten generiert haben als auf der nicht geblockten Reichweite", sagt Jens-Ole Quiel, Head of Digital Sales von Computec. Bislang kann AdDefend nicht nur die gängigen Adblocker umgehen, sondern auch den privaten Modus des Mozilla-Servers Firefox. Die Werbung, die an die Adblocker-Nutzer ausgespielt wird, orientiere sich an den Empfehlungen der Coalition for Better Ads, sagt CEO Dominik Reisig. Außerdem würde darauf geachtet, nicht zu viel Werbung anzuzeigen um so "Banner-Blindheit" beim User zu vermeiden.

Den Adfilter bei Google Chrome hingegen hat AdDefend nicht im Fokus. Der Grund: Der Firefox-Browser blendet Werbung als Teil der Privatsphäre-Einstellungen aus, etwa indem Werbe-Tracker nicht mehr funktionieren. So wird das Adblocking zum "Kollateralschaden" des Privacy-Modus. "Dieses de-facto-Adblocking kommt für viele Anwender des Privaten Modus überraschend, die primär gesteigerte Sicherheit und mehr Privatsphäre suchen, und ist ein unbeabsichtigter Nebeneffekt, der bislang zu Lasten der Werbebranche ging", so Reisig. Bei Chrome hingegen steht das Ausblenden von Werbung, die nicht den Kriterien der Coalition for better Ads entspricht, im Vordergrund. Mit seiner Methode ist AdDefend zwar ein Adblocker-Schreck, gleichzeitig aber von deren Verbreitung abhängig: Je mehr Adblocker, desto mehr potenzielle Kunden für Reisig und sein Team. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie das Verhältnis zwischen AdDefend und dem weltgrößten Adblocker Adblock Plus und dessen Betreiber Eyeo aussieht.

Reisig betont aber, dass man komplett unabhängig von Eyeo operiere: "AdDefend löst die Problematik, die Adblocker für Publisher und Advertiser generieren, insofern ist unser heutiges Business Modell stark mit dem Vorhandensein der Adblocker verwoben. Wir kooperieren aber in keiner Weise mit Eyeo oder anderen Anbietern von Adblockern."
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