Nächste Attacke auf Snapchat

Jetzt bekommt auch die Facebook-App eine Story-Funktion

So sehen Stories auf Facebook aus
© Facebook
So sehen Stories auf Facebook aus
Facebook führt seine aggressive Attacke auf Snapchat fort. Nachdem CEO Mark Zuckerberg die von Snapchat erfundene Story-Funktion kopierte und in seine Zukäufe Instagram und Whatsapp sowie in den Messenger packte, ist nun Facebook selbst an der Reihe. Die App bekommt ab heute nicht nur eine Story-Funktion, sondern auch eine kleine Generalüberholung - die sehr an Snapchat erinnert.
Ab heute rollt Facebook weltweit drei zentrale Neuheiten aus. Erstens sollen Nutzer nun mit der neuen Kamera-Funktion Bilder und Videos aufnehmen, die sie anschließend mit Rahmen, Masken oder sogenannten reaktiven Effekten gestalten können. Dabei handelt es sich um virtuelle Elemente im Bild - beispielsweise rieselnder Schnee. Ähnliche Möglichkeiten gibt es bereits bei Snapchat und Instagram. Die Kamera öffnet sich ab sofort mit einem Wisch nach rechts.
Auch auf Facebook können Nutzer ab sofort ihre Bilder und Videos mit Filtern bearbeiten
© Facebook
Auch auf Facebook können Nutzer ab sofort ihre Bilder und Videos mit Filtern bearbeiten
Zweitens führt Facebook in seiner App eine Direct-Funktion ein, die den meisten Instagram-Nutzern bekannt vorkommen dürfte. Damit können Fotos und Videos im direkten Chat mit einzelnen Personen für eine begrenzte Zeit geteilt werden. "In gewisser Weise holen wir damit den ausgelagerten Messenger wieder zurück in die Facebook-App", sagt Produktmanager Sachin Monga. Der Messenger werde aber dennoch weiterhin als eigenständige Anwendung bestehen bleiben.



Die dritte und wahrscheinlich wichtigste Neuheit ist die Story-Funktion. Mit dem neuen Format können Fotos und Videos geteilt werden, die nach 24 Stunden verschwinden - genau wie bei Snapchat, dem Erfinder dieser Funktion mit Verfallsdatum. Die Facbook-Stories tauchen ab sofort am oberen Bildrand im News-Feed auf.

Ob Facebook in den Stories Anzeigen platzieren wird, steht noch in den Sternen. "Es gibt keine Ankündigungen hinsichtlich Monetarisierungs- oder Werbemöglichkeiten in Facebook Stories", heißt es vom sozialen Netzwerk auf Nachfrage. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Facebook das neue Feature relativ bald für Werbungtreibende öffnen wird, genau wie es bei Instagram der Fall war.


Als Snapchat-Kopie will Facebook-Produktmanager Monga das Story-Feature nicht verstanden wissen. "Wir haben festgestellt, dass visuelle Kommunikation bei den Nutzern immer wichtiger wird. Und die Inhalte wollen sie nur für eine begrenzte Zeit teilen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden", sagt Monga, der in den vergangenen sechs Jahren mehrere Initiativen begleitet und unter anderem das Advertiser Growth Team geleitet hat. Dass Facebook die Story-Funktion einführt, ist nicht allzu überraschend. Bereits zu Beginn des Jahres bestätigte eine Sprecherin des sozialen Netzwerkes Medienberichte, nach denen Facebook das Story-Feature unter anderem in Irland testet. Offensichtlich wurde diese Anwendung von den Nutzern wohlwollend angenommen, sodass sich Facebook nun für den weltweiten Launch entschloss.

Die Facebook-App ist nun die vierte und letzte App im Reich von CEO Mark Zuckerberg, die das bei Snapchat so beliebt gewordene Feature adaptiert. Im Herbst bekam der Bilderdienst Instagram eine solche Funktion verpasst, die mittlerweile laut Unternehmensangaben von mehr als 150 Millionen Usern täglich genutzt wird - darunter zahlreiche Marken, die innerhalb von Storys außerdem Anzeigen schalten können.

Dass Instagram mit der Stories-Funktion bei Snapchat abkupferte, daraus macht das Unternehmen keinen Hehl. Gegenüber HORIZONT Online rechtfertigte sich James Quarles, Vice President Business bei Instagram, im Video-Interview (siehe unten): "Stories ist auch nur ein Format, genau wie Hashtags und Newsfeeds." Und das lockt offensichtlich immer mehr Advertiser auf die Plattform: Erst letzte Woche meldete die Facebook-Tochter eine Million Werbekunden. Doppelt so viele wie noch vor einem halben Jahr.
Mit "Status" verpasste Zuckerberg schließlich im Februar auch Whatsapp einen Snapchat-Klon. Die Nutzer haben seitdem die Möglichkeit, sogenannte "Status-Updates" mit Fotos und Videos zu dem, was sie gerade machen, für ihre Kontakte zu veröffentlichen. Die Einträge verschwinden nach 24 Stunden automatisch. Zu guter Letzt rollte das soziale Netzwerk das neue Feature "Day" für den Facebook-Messenger weltweit für Android und iOS aus, bei dem die Inhalte ebenfalls nach 24 Stunden verschwinden.

Für Snapchat, dessen Mutterkonzern Anfang März an die Börse ging und zunächst mit Kurseinbrüchen zu kämpfen hatte, wird die Luft nun immer dünner. Aus den Snap-Börsenpapieren geht hervor, dass die gelbe App mit dem Geist seit dem Launch von Instagram Stories im Herbst 2016 eine deutliche Verlangsamung des Wachstums verzeichnet. Mit der Macht von mehr als weltweit einer Milliarde Whatsapp- und Messenger-Nutzern sowie über 1,8 Milliarden Facebook-Nutzern, könnte Mark Zuckerberg dem vergleichsweise kleinen Konkurrenten Snapchat (ca. 160 Millionen Nutzer) den Wind aus den Segeln nehmen.

Analysten haben dennoch nach wie vor Vertrauen in Snap: Mehrere Bankhaus-Experten haben die Snap-Aktie jüngst positiv bewertetron
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