Alexa mit Augen

Was Amazon mit dem "Echo Look" tatsächlich vorhaben könnte

   Artikel anhören
Echo Look
© Amazon
Echo Look
Jetzt soll Amazons Echo-Lautsprecher auch sehen können. Mit "Echo Look" hat der Tech-Riese gestern eine vernetzte Kamera vorgestellt, die künftig mithilfe eingebauter Künstlicher Intelligenz in Modefragen beraten soll. Mit dem Gerät, das auf den ersten Blick wie ein banales Gadget für Fashion-Victims daherkommt, könnte es Amazon jedoch auf sehr intime Informationen abgesehen haben.
Bei "Echo Look" handelt es sich um eine 200 Euro teure Alexa mit Augen. Die virtuelle Sprachassistentin von Amazon soll in erster Linie als Modeberaterin dienen, indem sie auf Zuruf Fotos und Videos aufnimmt und diese mithilfe spezieller Algorithmen bewertet. So urteilt Alexa etwa darüber, welches Outfit am besten mit aktuellen Trends übereinstimmt. Durch Machine-Learning soll sich die Auswahl mit der Zeit immer besser auf den Nutzer anpassen. Die Voraussetzung: Der Nutzer muss  "Echo Look" häufig nutzen, denn je höher die Datenbasis, desto präziser das Ergebnis.
Amazon vermarktet die sehende Alexa zwar offiziell als "Style Assistant". Doch man muss kein Digital-Experte sein, um zu erahnen, dass es das US-Unternehmen wahrscheinlich auf etwas ganz anderes abgesehen haben könnte. Wenn sich der "Echo Look" ähnlich häufig verkaufen sollte wie der ursprüngliche, nichts sehende "Echo"-Lautsprecher, kann Amazon auf eine Bilder- und Videodatenbank zurückgreifen, mit der sich viel mehr anstellen ließe, als nur Mode zu verkaufen.

Die Technologiesoziologin Zeynep Tufekci warnt auf Twitter vor dem neuen Amazon-Gerät: "Machine-Learning-Algorithmen können mit Ganzkörperaufnahmen private Informationen ableiten, die man gar nicht preisgeben wollte." So könne Amazon mit seinem neuen Gadget etwa die sexuelle Orientierung, Charaktereigenschaften und den Gesundheitszustand des Nutzers erfahren.

Und diese Informationen kann der E-Commerce-Riese nutzen, um mehr zu verkaufen. So ist etwa denkbar, dass Alexa einen erkälteten Nutzer erkennt und ihm daraufhin den Kauf eines bestimmten Medikaments vorschlägt. Auch eine schwangere Nutzerin könnte Alexa erkennen und anschließend etwa einen günstigen Wickeltisch oder Kinderwagen präsentieren. Und es geht sogar noch weiter: "Amazons 'Echo Look' könnte eine klinische Depression erkennen noch bevor die eigentlichen Symptome auftauchen", so Tufekci. Die Technologiesoziologin warnt davor, dass zukünftig beispielsweise Arbeitgeber auf diese Daten zurückgreifen könnten, um zu eruieren, ob ein Bewerber in den nächsten Wochen an einer Depression erkranken könnte.

Bislang ist noch unklar, ob Amazon die Daten auch an andere Unternehmen weitergeben will. Eine entsprechende Anfrage des Technik-Blogs "Motherboard" blieb von Amazon unbeantwortet. Fest steht: Die erstellten Bilder und Videos werden auf unbestimmte Zeit in der Amazon-eigenen Cloud gespeichert, genau wie die Audio-Daten des ursprünglichen "Echo"-Lautsprechers. Erst vor wenigen Wochen hatte Amazon diese Audio-Daten zur Lösung eines Mordfalls an US-Ermittler ausgehändigt. ron
stats