Adtech-Start-up Welect "Wir wollen, dass Menschen gerne Werbung sehen"

Donnerstag, 08. März 2018
Die Welect-Gründer Olaf Peters-Kim und Philipp Dommers
Die Welect-Gründer Olaf Peters-Kim und Philipp Dommers
© Welect

Musik hören, Serien schauen, Bücher lesen: Der Medienkonsum ist dank zahlreicher neuer Player wie Spotify, Netflix und Co so selbstbestimmt wie nie zuvor. Der Nutzer selbst entscheidet, wann und wie viel er sehen oder hören möchte. Das Adtech-Start-up Welect aus Düsseldorf will dieses Prinzip nun auf die Werbebranche übertragen und Usern im Internet nur noch dann Werbung ausliefern, wenn diese es auch wirklich wollen. Sogar den einzelnen Werbespot sollen sie sich aussuchen. Einige kleinere Publisher haben den Dienst implementiert - jetzt kommt ein großer dazu.

Es klingt fast schon nach Wunschtraum, doch für die Gründer von Welect ist es die Unternehmensvision: "Wir wollen, dass Menschen gerne Werbung sehen", sagen Philipp Dommers und Olaf Peters-Kim. Die beiden ehemaligen Mediacom-Manager sind überzeugt davon, dass diese Vision zumindest im Netz Wirklichkeit werden kann, wenn man den Nutzer mitentscheiden lässt.

Dommers und Peters-Kim haben für diesen Zweck vor zwei Jahren eine Technologie für Publisher entwickelt, die den Nutzer und seine Bedürfnsse in den Mittelpunkt stellt. Publisher, die beispielsweise ihren Content hinter einer Paywall lagern oder User aufgrund eines aktivierten Adblockers aussperren, haben mit Welect die Möglichkeit, ihre redaktionellen Inhalte dennoch genau dieser potenziellen Leserschaft zur Verfügung zu stellen - nämlich im Austausch gegen Werbung.
„Wir wollen, dass Menschen gerne Werbung sehen“
Olaf Peters-Kim, Welect
So wird der User beim Ansteuern einer Welect-Partnerwebseite vor die Wahl gestellt: Abo abschließen, Adblocker deaktivieren oder einen Werbespot schauen. Entscheidet sich der User für Letzteres, darf er sich zudem eine bestimmte Branche - etwa Automotive - aussuchen und nach dem Spot kostenfrei und mit aktiviertem Adblocker den redaktionellen Content konsumieren. "Das gefällt unseren Usern und sorgt für eine überragende Werbewirkung und starke Kampagnen", sagt Peters-Kim.

Er argumentiert wie folgt: Ein User, der gerade einen Autokauf plant, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen Automotive-Spot entscheiden. "So wird eine 100-prozentige View-Through-Rate und Viewability hergestellt." Welect ist sich dabei offenbar ziemlich sicher: Kunden zahlen nur, wenn das jeweilige Video komplett durchgeschaut wurde - das gilt auch für überlange Spots jenseits der 30 Sekunden. Schließt der User den Tab oder die App, erfolgt keine Abrechnung. Bisher wird das Publisher-Angebot von Welect unter anderem bei der Rheinischen Post und über Burda Forward bei Chip Online eingesetzt. Nun hat sich Burda Forward entschieden, die Software auch bei Focus Online einzusetzen. "Wir begrüßen alle Lösungen, die unseren Lesern den Zugang zu unseren Diensten ermöglichen und gleichzeitig unsere redaktionelle Arbeit honorieren", sagt Martin Lütgenau, Geschäftsführer von BurdaForward Advertising, der von "guten Erfahrungen" bei Chip Online spricht. "Zudem passt diese Lösung perfekt zu unserer Goodvertising Strategie, die wir bei Burda Forward Advertising seit einigen Jahren erfolgreich verfolgen und bei der wir konsequent vom Nutzer herdenken."

Zu den ersten Welect-Werbekunden zählen unter anderem Canon, Skoda, Innogy, Vodafone, Sparkasse und E.ON.

Die Technologie von Welect basiert auf einer unabhängigen und selbst entwickelten Plattform, die vergleichsweise einfach in bestehende Anwendungen und Websites integriert werden kann. Große Bekanntheit erlangte das Start-up allerdings nicht mit dem Publisher-Produkt, sondern mit der App Welect Go, mit der ÖPNV-Nutzer Fahrscheine durch den Konsum von Werbung erhalten konnten. WelectGo wurde unter anderem bei der Düsseldorfer Rheinbahn eingesetzt.

Seit 2017 jedoch konzentrieren sich die Düsseldorfer verstärkt auf das Geschäft mit den Publishern. Die suchen nämlich nach wie vor händeringend nach alternativen Erlösquellen, um ihre redaktionellen Inhalte zu finanzieren. Und Marken sind auf der Suche nach Media-Umfeldern, die möglichst sicher sind (Brand Safety) und nicht von Adfraud betroffen sind. Beides übrigens Themen, mit denen Welect punkten möchte: Dadurch, dass der komplette Welect-Prozess auf einem zwischengeschalteten Overlay vonstatten geht, sei ein unsicheres Umfeld und Klickbetrug nahezu ausgeschlossen. ron

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