"Strategie Künstliche Intelligenz"

Was das KI-Bekenntnis der Bundesregierung zu bedeuten hat

Mittwoch, 25. Juli 2018
Das Bundeskabinett hat vor wenigen Tagen eine "Strategie Künstliche Intelligenz für die Bundesregierung" beschlossen. "Wer weiß, wie unausweichlich KI ist, dem kommt das vor wie ein Bekenntnis zum Atmen", kritisiert Diconium-Mitgründer Daniel Rebhorn in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online. Eine Einordnung der Regierungsstrategie.

"Das Bundeskabinett hat heute die Eckpunkte für eine Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung beschlossen. Mit den Eckpunkten will die Bundesregierung die Erforschung, Entwicklung und Anwendung von künstlicher Intelligenz in Deutschland auf ein weltweit führendes Niveau bringen.“ (Quelle: BMAS)

Da ist es also – das Bekenntnis der Bundesregierung zur Künstlichen Intelligenz. Wer weiß, wie unausweichlich KI ist, dem kommt das vor wie ein Bekenntnis zum Atmen. Trotz allem: Die "Strategie Künstliche Intelligenz" ist löblich, eben nur sehr spät. Mühelos hätte sie bereits 2015 parallel zur Schwester-Strategie "Industrie 4.0" initiiert werden können.




"So soll die Forschungslandschaft in Deutschland mit Kompetenzzentren ausgebaut und auch mit Europa vernetzt werden", heißt es symptomatisch in der Ankündigung der Bundesregierung (die Strategie selbst folgt im Dezember). Symptomatisch deshalb, weil offenbar die KI-Forschung im Vordergrund steht. Klar, hier hat die Bundesregierung die Zügel in der Hand. Aber warum will sie Eulen nach Athen tragen? In der Forschung ist KI ja längst angekommen – seit über 30 Jahren. Jetzt müssen wir das Wissen endlich einsetzen! Was nützt die Liebe in Gedanken? Was nützt KI im Forschungslabor?

KI will doch nur spielen

Ein Vorbild: Mal wieder Google, das sein Research Department gerade erst in Google AI umbenannt hat. Das Unternehmen steckt nicht nur ordentlich Geld in die Forschung, es macht auch was draus. Siehe AlphaGo Zero, eine KI, die sich vom Forschungsgegenstand zum besten Schachspieler der Welt entwickelt hat – und dadurch zur noch höheren Intelligenz. Denn mit jedem Spiel, also mit jeder praktischen Anwendung, lernt sie dazu.


Die Bundesregierung ist nicht Google, klar. Aber sie kann und muss die Grundlagen dafür schaffen, dass Unternehmen KI in der Praxis einsetzen und testen können. Gerade, weil die Zeiten so stürmisch sind. Denn die EU setzt KI seit Mai auf Diät. Nichts anderes macht die DSGVO, die Daten zur Geheimsache erklärt und KI damit am langen Arm verhungern lässt.

Daten hinter Gittern

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: "Künstliche Intelligenz hält Einzug in unseren Alltag und wir wollen, dass diese Technik den Menschen hilft." Wollen wir das nicht alle? Aber wenn KI dem Menschen dienen soll, dann müssen wir es ihr auch erlauben. Wenn sie zuverlässiger als jeder Arzt Diagnosen stellt, dann nur deshalb, weil sie Millionen von Daten abgleichen und dadurch die richtigen Schlüsse ziehen kann. Ein Datenknast ist kontraproduktiv.
„Im Tech-Zeitalter stimmt die Weisheit 'Die Letzten werden die Ersten sein' nicht mehr. Denn die Letzten werden die Letzten sein.“
Daniel Rebhorn, Diconium
Indes ziehen Big-Techs wie China an uns vorbei, liberalen Datengesetzen sei Dank. Wohin das führen kann, hat jüngst ein Ex-Google-Mitarbeiter gezeigt. Er hat sein KI-Startup in China gegründet. Warum? Weil er staatlichen Zugang zu über 300 Millionen Patientendaten bekommt, die er für seine Forschung und ganz konkreten Anwendungen nutzen kann. Europa kann sich einen Dornröschenschlaf nicht leisten.

Im Tech-Zeitalter stimmt die Weisheit "Die Letzten werden die Ersten sein" nicht mehr. Denn die Letzten werden die Letzten sein. Ob dieser Gefahr braucht es die Zusammenarbeit aller Instanzen: Wirtschaft, Forschung, Regierung – und zwar nicht nur als Lippenbekenntnis. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat große Ambitionen: "Wir wollen bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz weltspitze sein". Machen Sie was draus!

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