South by Southwest

5 ultimative Survival-Tipps für Rookies auf der SXSW

Donnerstag, 07. Februar 2019
In vier Wochen steigt in Austin auf der South by Southwest wieder eine der weltweit größten Tech- und Musikpartys. Die Masse an Panels, Randveranstaltungen und Konzerten ist allerdings so groß, dass man da schon mal den Überblick verlieren kann. André Gebel von der Coma AG in München reist dieses Jahr zum vierten Mal zum Tech-Event und liefert in der Gastbeitragsreihe "Nerd Alert" für HORIZONT Online das ultimative Survival Package für Erstlinge auf der SXSW.

Am 08. März ist es endlich wieder soweit und die South by Southwest, kurz SXSW, öffnet ihre Tore. Marketeer und Techniknerds aus der ganzen Welt steigen in ihre Flieger, verlassen die angestaubten Bürostuben und strömen erwartungshungrig ins Pop-up Mekka der Digitalbranche. Was ein bisschen nach „Burning Man“ klingt, weil auch die illustre Musik- und Filmbranche gleichzeitig konferiert, ist mittlerweile zur vielleicht bedeutendsten Austauschplattform für neue Trends, Strategien und Entwicklungen im digitalen Business geworden.



Beim ersten Besuch ist man völlig überwältigt und weiß gar nicht so recht, wie man sich dem bunten Treiben aus Vorträgen, Partys, Performances und Networking-Veranstaltungen eigentlich nähern soll. Und bevor man sich versieht, ist die Woche auch schon wieder vorbei und außer ein paar Spare Ribs, Warteschlangen und Panel-Talks nicht viel passiert. Folglich braucht es eine akribische Vorbereitung, um aus sechs Tagen Texas die Marketing-Agenda für ein ganzes Jahr zu stricken. Hier kommen meine fünf ultimativen Survival-Tipps für die großartigste Arbeitswoche des Jahres:

1.

Augen auf beim Unterschlupf

Wer glaubt, die Musik spielt im Convention Center, hat nur die Hälfte der Agenda studiert, denn mindestens genauso viele Talks finden in den umliegenden Hotels der Downtown statt. Das heißt: Lange Wege, heiße Sohlen und müde Beine, so dass die abendliche Parade der "Weitschläfer" an die TV-Serie "The Walking Dead" erinnert. Alle Hotels, die nicht im 30-Minuten-Radius der Innenstadt liegen, stehen für kraftschonende "Schläferstündchen" nicht zur Verfügung.


Ergo schleppt man sich nach den Vorträgen direkt auf die zahlreichen Partys und Events. Entsprechend fühlt es sich an, entsprechend sieht man aus, entsprechend erfolgreich läuft das Networking. Von daher sollte man einen zusätzlichen Hunderter investieren (leider pro Tag) und ein halbwegs zentrales Hotel buchen oder mit den Kollegen direkt die ultimative WG-Experience Airbnb angehen. Noch ein gutgemeinter Rat: Gönnt euch die Anreise am Vorabend und holt euch sofort die Convention-Badge. Ihr werdet nicht glauben, was ihr sonst am nächsten Morgen vor der Plastik-Steckerl-Ausgabe vorfindet.

2.

Don´t call a taxi

Ein Mietwagen in den Staaten ist grundsätzlich eine gute Idee. Außer es ist gerade SXSW. Dann ist die Innenstadt gesperrt und die umliegenden Parkhäuser kassieren 30 Dollar. Pro Stunde! Also fahrt mit Bussen, der süßen kleinen CapMetro oder ladet euch die Lyft-App herunter. Der Uber-Klon verfügt über die modernste Flotte an Privatfahrzeugen, die hochmotiviert fußlahme Messebesucher von A nach B befördert. Bargeld, Kreditkarte oder Gedächtnis verloren? Kein Problem, denn bezahlt wird direkt über die App, die auch genau anzeigt, wo sich der Fahrer gerade befindet, wie er heißt, welches Auto er fährt und ob er stets freundlich war. Bester Service ever!

3.

Teilt euch auf

SXSW bedeutet: Über 1.000 Vorträge und Sessions und das meist gleichzeitig an Orten, die teils Kilometer voneinander entfernt liegen. Wie schaffe ich die Schnittstellen und wie kann ich sicher sein, die Highlights zu erwischen? Die Antwort lautet schlicht und einfach: Gar nicht! Man erlebt jedes Jahr faustdicke Überraschungen und Trend-Themen wie Krypto oder Virtual Reality werden in endlosen Panels zu Tode diskutiert, während Nischen-Talks zu wahren Klassikern mutieren. Wer also nicht allein unterwegs ist, der teilt sich auf und meidet gemeinsame Veranstaltungen, denn nichts ist schöner als die allabendliche Frage: Und was hast du dir heute angehört?

Zudem schafft man kaum mehr als 4 Sessions pro Tag, so dass man im Vorfeld eruieren sollte, wo die Top-Speaker unterwegs sind. Und da geht es oft nach Größe. Nach Größe der Location und nach Größe der Warteschlange. Das bedeutet schon mal 60 Minuten vorab einreihen oder am besten schon die langweilige Vorgänger-Session besuchen. Denn wer weilt, der bleibt und hat sogar die Chance beim Speaker-Wechsel weit nach vorn zu kommen. Bestes Vorbereitungs-Tool ist da übrigens die SXSW App, wo alle Vorträge zur Markierung hinterlegt sind. Zudem erfährt man in „realtime“ wie beliebt der anvisierte Vortrag ist, ob eine Wiederholungs-Session ansteht oder ein Start-Auftritt à la Elon Musk für Wirbel sorgen wird.

4.

Be social

Wenn wir schon die "South by App" geladen haben, dann nutzen wir sie doch bitteschön mit all ihren Vorzügen. Neben der Vortragsplanung eignet sich diese perfekt zum Business-Dating. Also anmelden, Foto und Kurz-Vitae hochladen und fleißig schauen, wer denn sonst noch so dabei ist. Vor Ort geht es dann abends gerne ins German Haus, wo jeden Tag nicht nur Vorträge, sondern auch Themenabende und Barbecues stattfinden.

Wem das alles zu familiär ist, der ist vielleicht bereit für wüste Live Musik in den Heavy Metal Bars der 6th Street oder quengelt sich in eine der vielen Pop-up Partys der Sponsoren. Seid schnell, seid pünktlich, denn 1 Stunde später kann die Location bereits wieder umgebaut und zweckentfremdet sein. Austin ist teuer, so dass meist nur Großsponsoren wie Mercedes oder Bud Light mit Dauerpräsenz hier glänzen.

5.

Geht raus und schwänzt die Session

Wenn ihr euch den Tag bis zum Anschlag mit Vorträgen vollpackt, geht die wahre SXSW glatt an euch vorbei. Mindestens so wichtig wie die Inhalte, sind die vielen Live-Acts (Musik, Performance, Promotions) und Happenings in den Straßen von Austin. Besonders auf der rummeligen 6th Street, aber auch im Ausgehviertel der Rainey Street ist bereits am Vorabend die Hölle los. Hier geben Twitter und Pinterest ihre Partys, hier lädt Argentinien auf ein Quilmes und hier fiedelt ein Straßenmusiker im Wolfskostüm sein schräges Wiegenlied.

Was das alles mit Digital und Trends zu tun hat? Findet es heraus oder schließt euch einer deutschen Start-up Delegation zum gemeinsamen Rodeo-Besuch an. Ein letzter Tipp: Seid offen für eure branchenfremden Mitmenschen, womit ich vor allem die Kollegen aus Musik und Film meine, die im Spätherbst eurer SXSW-Experience dazustoßen und für großartige Konzerte und Exklusiv-Screenings Verantwortung tragen. Ihr währt jedenfalls nicht die Ersten, die auf das Platinum Badge (access all areas) oder den ein oder anderen Zusatztag gesetzt haben.

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