RISE Conference

Ein Ausblick mit deutscher Brille auf Asiens wichtigster Tech-Konferenz

Dienstag, 09. Juli 2019
Vom 9. bis zum 11. Juli 2019 treffen sich Jungunternehmer und Konzernlenker aus aller Welt in Hongkong. Dort findet die RISE Conference statt, Asiens größte internationale Start-up- und Tech-Konferenz. Fischer-Appelt-Manager Benjamin Werner ist vor Ort und gibt in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online einen Ausblick auf die Veranstaltung. Er erklärt unter anderem, warum sie auch für deutsche Marketer von Interesse sein könnte.

Das englische Verb "to rise" bedeutet "anwachsen, aufsteigen, sich erheben". Es beschreibt sehr treffend die Entwicklung, die China derzeit im Tech-Bereich vollzieht. Unternehmen wie Huawei, Alibaba oder Tencent scheuen den Vergleich mit Technologie-Konzernen aus den USA und Europa längst nicht mehr. Der Aufstieg an die Weltspitze zeichnet sich klar ab.



Diese Entwicklung wird an der südchinesischen Stadt Shenzhen besonders deutlich: Das einstige Fischerdorf vor den Toren Hongkongs hat sich in vier Jahrzehnten zur Hightech-Metropole gewandelt und den Spitznamen "Silicon Valley der Hardware" verdient. Gemeinsam mit Hongkong bilden die beiden Megastädte ein Zentrum der Innovation und des Erfindergeists. In der Region an der Spitze des Perlflussdeltas leben mehr als 60 Millionen Menschen, die eine neue Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke verknüpft und die Städte zu einem wirtschaftlichen Hotspot mit weltweiter Strahlkraft macht.

Die innovationsgetriebene Atmosphäre zieht besonders junge Unternehmensgründer an, die Start-up-Szene boomt: In Hongkong gibt es bereits weit über 2.200 Start-ups – Tendenz steigend. Laut einer Umfrage des schwedischen Beratungsunternehmens Universum, möchten 60 Prozent der nach 1990 geborenen Universitätsabsolventen in Shenzhen ein eigenes Unternehmen gründen.


Hongkong ist so als Gastgeber für Asiens größte Start-up- und Tech-Konferenz prädestiniert. Zum Kreis der internationalen Speaker gehören etwa Thuan Pham, CTO von Uber, oder Jessica Spence, Chief Commercial Officer von Carlsberg, sowie zahlreiche weitere C-Level-Manager. Marketing spielt auf der RISE Conference eine besonders wichtige Rolle, weil Marketers genau wie auf Konferenzen wie der SXSW auch hier eine der größten Delegationen bilden: So sprechen hier Experten der weltgrößten Adtech-Firmen und Adtech-Start-ups, CMOs, sowie internationale Marken darüber, wie man am Puls einer sich schnell wandelnden Branche bleibt.

Der dänische Brauereikonzern Carlsberg ist fast schon ein Synonym für gute Werbung. Jessica Spence, Chief Commercial Officer bei Carlsberg, wird am Dienstagvormittag einen Einblick geben, was ihre Markenkampagnen so besonders macht. Hungrig, aber keine Lust selbst zu kochen oder rauszugehen? Hier setzt Uber Eats an. Denn warum sollte das Unternehmen, das mit Personenbeförderung bekannt geworden ist, nicht auch Burger und Pizzen transportieren? Nikki Neuburger, Head of Global Marketing bei Uber Eats, erzählt, wie man eine bestehende Marke nutzen und gleichzeitig eine eigenständige Einheit schaffen kann – und das in einem Markt, der schnell gesättigt ist. Wie Musik zu Massen gelangt, wie aus Hörern Abonnenten werden und welche Märkte Spotify noch erschließen will, wird Cecilia Qvist berichten: Als Global Head of Markets bei Spotify überwacht sie die internationale Expansion und Produktlokalisierung des schwedischen Streamingdienstes.

Ein anderes Unterhaltungsmodell verfolgt Twitch, das Live-Streaming-Portal für Videospiele. Kevin Lin hat die Plattform mitbegründet, die mit Entertainment-, Community- und Service-Angeboten zu einer Wohlfühloase für Multiplayer geworden ist. Marketer dürften gespannt zuhören, wenn Lin die vielfältigen Möglichkeiten immersiver Unterhaltung erläutert und aufzeigt, welches Potenzial das Portal speziell für jüngere Zielgruppen bietet.

Ein Blick auf die Speaker und Vortragsthemen der RISE Conference zeigt, dass auch deutsche Speaker eine gewichtige Rolle spielen und vor allem, dass sich die Teilnahme auch für deutsche Marketer lohnt. Etwa wenn Fragen behandelt werden, wie wir künftig Essen bestellen, bargeldlos bezahlen, smart fortbewegen oder unsere Freizeit mittels E-Sports neugestalten. Deutsche Speaker wie Daniel Kirchert sind gern gesehene Gäste auf den Bühnen der RISE. Während der Byton-Chef kurz vor dem Produktionsstart seiner E-Fahrzeuge steht, wird er auf der Konferenz von den Herausforderungen rund um die Implementierung künstlicher Intelligenz berichten. Über die neuesten Spitzentechnologien der Automobilindustrie wie beispielsweise Spracherkennung und Lichtsensoren spricht am Mittwochmittag Stefan Kampmann, Chief Technology Officer des Unternehmens OSRAM, das kurz vor der Übernahme durch Finanzinvestoren steht.

In diesem Jahr begrüßt die Tech-Konferenz unter seinen zahlreichen Partnern auch zwei deutsche Unternehmen. Die Voith Group ist als schwäbisches Familienunternehmen mittlerweile in über 60 Ländern vertreten. Das Maschinenbauunternehmen weist unter anderem ein breites Sortiment an digitalen Lösungen und Systemen für die Papier- sowie Automobilindustrie auf und wird in Hongkong branchenspezifische Lösungen im Rahmen des IoTs präsentieren. Expertenwissen aus der Chemie- und Pharmaindustrie wird es von Merck geben. Der Merck Accelerator mit Standorten in Deutschland und China baut globale Geschäftspartnerschaften mit Start-ups auf.

Die Konferenz ist in diesen Tagen der ideale Ort für all jene, die ihr Wissen nicht nur im Bereich Marketing erweitern, sondern sich auch mit brandaktuellen Tech-Themen auseinandersetzen möchten. Dazu gehören natürlich auch deutsche Unternehmensvertreter, die sich wahrnehmbar in immer größeren Reisegruppen auch zu den weit entfernten Konferenz-Hotspots nach Austin, Toronto, Lissabon, Las Vegas oder eben Hongkong trauen und dort vernetzen. Vertreter von u.a. Audi, Voith, Beiersdorf, Miele und Deutsche Bank treffen sich zum Beispiel am Dienstagabend auf Hongkong Island im “German Apartment“, einer weltweiten Eventreihe, die auf internationalen Marketing- und Tech-Konferenzen eine exklusive und familiäre Netzwerkplattform für Deutsche schaffen soll. Denn immer noch gelten Unternehmen aus den USA, UK, den Niederlanden aber auch z.B. Portugal als überproportional stark vertreten, wenn es um international anerkannte Tech-Event-Formate geht. Trotz starker Mobilitäts- und IoT-Player wie Bosch, Continental Daimler oder Volkswagen.

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