PodTalk #8

Tim Ferris und das beendete Spenden-Experiment im Podcast-Business

Mittwoch, 27. November 2019
Einmal im Monat erklären Constantin Buer und Vincent Kittmann von Podstars by OMR die wichtigsten Entwicklungen im Podcast-Business und ordnen sie ein. In dieser Ausgabe geht es um die augenscheinlich beste Werbeform im US-Podcast-Markt, die Audio-Strategie der Audio Alliance und Selbige der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe.

(wer nicht lesen möchte, kann sich den "PodTalk" hier anhören)

"Don’t fix it if it ain’t broken" - Tim Ferris beendet Spenden-Experiment

Zum Start der monatlichen Kolumne gibt es News aus den USA: Podcast-Superstar Tim Ferris beendet einen zugegebenermaßen recht kurzen Test, in dem er seinen Podcast "The Tim Ferris Show" statt über native Werbeeinbindungen mit einer Art Spendenmodell finanzierte. Vorausgegangen war der eigene Wunsch, den Podcast werbefrei anbieten zu können und stattdessen Hörer zur monetären Unterstützung zu bewegen. Trotz einiger edler Spender hat sich der Test für Ferris nicht ausgezahlt. Nach wenigen Wochen stoppte er das Experiment mit dem Ergebnis, wieder auf native Werbung im Podcast umzusteigen.


Angeblich erreichten Ferris tausende Nachrichten, die die Werbewirksamkeit der Host Read Ads belegen würden. Ein werbefinanziertes Modell werde von den Hörern des Podcasts gegenüber anderen Optionen stark bevorzugt. Viele Konsumenten wollten explizit im Podcast neue Produkte und Services entdecken, das spiegele sich in den Kommentaren, die Ferris erhalten hatte, deutlich wider. Außerdem interessant: Bereits vor Beginn des Experiments hatte Ferris eine Umfrage unter seinen Hörern gestartet, in der rund 18.000 Befragte angaben, tendenziell nicht spenden zu wollen, nur vier Prozent würden demnach 10 Dollar im Monat oder mehr spenden.

Die Autoren
Constantin Buer und Vincent Kittmann leiten den Podcast-Vermarkter Podstars by OMR. Vermarktet werden unter anderem der OMR-Podcast, Fußball MML, Fiete Gastro und Hotel Matze. Basketballfans dürfte Kittmann bekannt vorkommen: Er war bis 2016 als Profi-Spieler aktiv.
Für uns ist es auch ein Fingerzeig in Richtung kostenpflichtiger Podcast-Plattformen. Die Hörer in den USA sind augenscheinlich nicht bereit, regelmäßig für bestimmte Formate zu bezahlen. Ähnliches beobachten wir auch hierzulande und lässt uns schlussfolgern, dass sich das werbefinanzierte Modell als das gangbarste herausstellt. Auch in den USA haben sich derartige Plattformen noch nicht durchgesetzt – da wir uns, wie in der letzten Kolumne besprochen, etwa vier bis fünf Jahre hinter dem amerikanischen Podcast-Markt befinden, sollte es den entsprechenden Anbietern zu Denken geben. Uns würden Eure Gedanken dazu interessieren – schreibt uns gern unter info@podstars.de


21 neue Podcast-Formate auf einen Schlag – Audio Alliance zweitverwertet RTL-Gesichter

Die Audio Alliance von Bertelsmann & Co wurde in dieser Kolumne ja bereits das ein oder andere mal diskutiert. Jetzt starten die Kollegen voll durch und gehen bis Ende des Jahres mit insgesamt 21 neuen Produktionen an den Start. RTL-Namen wie Peter Kloeppel, Mario Barth (ja, wirklich!) oder Nina Bott tummeln sich ab jetzt im deutschsprachigen Podcast-Universum. Dabei werden insbesondere die Marken der RTL- und der Gruner & Jahr-Themenwelten mit Audio-Inhalten angereichert.

Ob "GZSZ", "Mario Barth deckt auf!" (ja, wirklich!) oder "ESSEN & TRINKEN" – zu fast jeder Bertelsmann-Brand gibt es jetzt ein passendes Audio-Pendant. Wir sind gespannt, welche Podcasts sich am Ende durchsetzen werden und in dem dynamischen Markt langfristig bestehen können. Die Umsetzungsgeschwindkeit der Audio Alliance ist für Konzernverhältnisse tatsächlich einigermaßen beeindruckend – ob es sich am Ende lohnt, bleibt abzuwarten. Bertelsmann selbst spricht davon, mit der Content-Offensive ihre "Nummer 1-Position bei der Produktion von hochwertigen Podcast-Inhalten in Deutschland weiter ausbauen zu wollen". Podcasts sind ein langfristig zu bespielendes Medium; die Formate müssen sich im Markt erst noch beweisen, häufig kann man erst nach circa einem Jahr einen ersten Strich unter die Erfolgsmessung ziehen.

Pro Sieben Sat 1 will auch mitspielen und startet "For your Ears Only"

Ein ähnliches Zitat wie das der Audio Alliance findet man seit ein paar Tagen ebenso von der TV-Konkurrenz aus dem Süden. Auch hier will man mit dem geplanten Audio-Angebot "For your ears only" (FYEO) "den Audio-Markt in Deutschland übergreifend prägen" und sieht sich gleichzeitig als "lokaler Audio-Champion". Der neue Dienst soll neben Podcasts auch Hörspiele anbieten und grundsätzlich vorerst kostenlos zur Verfügung stehen. Wie bei allen aus dem Boden sprießenden "Netflix für Podcasts"-Plattformen schon fast Usus, soll es dann auch ein kostenpflichtiges Premium-Angebot geben. Auch auf die Gefahr, dass wir uns etwas schwammig wiederholen: Es bleibt spannend, wer sich am Ende am Markt durchsetzt - auf jeden Fall gibt es nach wie vor Bewegung und die großen Player haben bemerkt, dass "Audio on demand" Potential hat. Mehr davon bitte.

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