Linkedin

Meldet sich der Recruiter künftig per Sprachnachricht?

Montag, 30. Juli 2018
Die Business-Plattform Linkedin erlaubt ihren Nutzern künftig, Sprachnachrichten an ihre Kontakte zu verschicken - ganz nach dem Vorbild Whatsapp. Wirft man einen Blick auf das Nutzungsverhalten, macht die neue Funktion Sinn. Ob sie in einem professionellen Umfeld wie Linkedin auch tatsächlich genutzt wird, darf allerdings bezweifelt werden.
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Auf der Straße begegnen sie einem mittlerweile fast an jeder Ecke: Smartphone-Nutzer, die ihr Gerät nicht mehr ans Ohr halten, sondern horizontal vor den Mund. Sie sprechen in ihr Mikrophon und nehmen eine Sprachnachricht auf - das geht meist viel schneller als das Tippen auf der Tastatur und man behält gleichzeitig die Augen auf der Straße.

Was bei Whatsapp oder im Facebook-Messenger längst Standard ist, kommt jetzt auch zu Linkedin. Die Verantwortlichen der Microsoft-Tochter haben sich dazu entschlossen, ihrem Nachrichten-Bereich eine solche "Voice-Messaging"-Funktion zu spendieren. Der Xing-Wettbewerber will einer Mitteilung zufolge Schreibfaule damit ermutigen, häufiger mit ihren Linkedin-Kontakten zu kommunizieren. In den USA ist das Feature für iOS und Android ausgerollt und steht "in den nächsten Wochen" weltweit zur Verfügung.



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Aus Nutzerperspektive macht diese Entscheidung absolut Sinn - gerade für ein soziales Netzwerk, zu dem sich Linkedin in den vergangenen Monaten immer stärker gewandelt hat. Für viele User sind Sprachnachrichten nämlich zu einer beliebten Form der Kommunikation geworden - vor allem deshalb, weil Informationen dadurch schnell und bequem weitergegeben werden können. In Deutschland verschickt laut Bitkom bereits jeder zweite Messenger-Nutzer (55 Prozent) Sprachnachrichten. Bei den Jüngeren zwischen 14 und 29 Jahren sind es sogar rund drei Viertel (73 Prozent).


Allerdings darf bezweifelt werden, dass das neue Feature tatsächlich genutzt wird. Zwar wandelt sich Linkedin immer mehr zu einer Art Social Network, doch im Kern geht es nach wie vor um berufliche beziehungsweise professionelle Beziehungen. Nachrichten werden dort insbesondere verschickt, um einen Erstkontakt herzustellen, Geschäfte oder Kopoperationen anzuleiern oder um sich mit Recruitern auszutauschen. Man kommuniziert also mit Menschen, die man in der Regel nicht persönlich kennt. Schwer vorstellbar, dass eine Sprachnachricht in diesem Kontext die nötige Seriosität mit sich bringt. Denn Sprachnachrichten haben einen weitaus persönlicheren und intimeren Charakter als das geschriebene Wort und sind deshalb vor allem in der Kommunikation mit Freunden und Verwandten ein beliebtes Mittel. Der nächste Recruiter wird sich deshalb aller Vorraussicht nach nicht per Sprachmitteilung melden, sondern weiterhin in die Tasten hauen. ron
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