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Der Onlinehandel braucht relevante Daten für Innovation im Handel, sagt Joris Hensen von der Deutschen Bank.
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E-Commerce

Technische Innovation im Handel findet sehr wohl statt!

Der Onlinehandel braucht relevante Daten für Innovation im Handel, sagt Joris Hensen von der Deutschen Bank.
Dem Einzelhandel fehlen hierzulande die Innovationen, bemängelte die deutsche Adyen-Geschäftsführerin, Alexa von Bismarck, jüngst in HORIZONT Online. Joris Hensen, Co-Leiter des API-Programms der Deutschen Bank, widerspricht: "Der stationäre Handel bewegt sich. Aber er braucht vor allem bessere Daten und Schnittstellen. Denn On- und Offlinehandel werden zukünftig immer stärker verschmelzen." Was er damit meint, erklärt er in seinem Gastbeitrag. Die ganze Replik im Wortlaut.
von Joris Hensen, Deutsche Bank Dienstag, 18. Juni 2019
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Völlig verkehrt ist es natürlich nicht, wenn Alexa von Bismarck mehr Mut fordert für technische Innovationen. Die Amazons und Alibabas dieser Welt sind nicht Made in Germany, klar. Trotzdem frage ich mich: Ist es wirklich Mut, der uns fehlt? Finden sich innovative Beispiele tatsächlich nur im Ausland?

Innovationen im Handel finden statt

Ihre Kritik an fehlenden Angeboten für Kartenzahlungen in Deutschland ist nicht berechtigt. So wurde beim EHI Kongress im Mai berichtet, dass 2018 zum ersten Mal im stationären Einzelhandel die Umsätze der Kartenzahlungen (48,6 Prozent) die der Bargeldzahlungen (48,3 Prozent) überstiegen hat. Und vor kurzem bei der Jahrestagung der Deutschen Kreditwirtschaft in Berlin wurden insbesondere die Bäckereien als neue Anbieter von Kartenzahlungen hervorgehoben. Es tut sich auf diesem Gebiet also etwas in Deutschland, sowohl auf Kunden- als auch auf Händlerseite: Der Parfüm- und Kosmetikhändler Douglas bietet einen virtuellen Spiegel, der mittels Augmented Reality eine Vorschau unterschiedlicher Make-up-Produkte ermöglicht, ohne dass man diese auftragen muss. Und eine Verfügbarkeitsprüfung und Bereitstellung von Artikeln des Online-Warenkorbs in Filialen finden sich sowohl bei Baumärkten wie auch im Einzelhandel, exemplarisch bei Galeria Kaufhof. Selbst regionale Drogeriemärkte ergänzen den stationären Handel mit einer App um einen digitalen Touchpoint, wie der Hamburger Traditionshändler Budni zeigt. An innovativen Ansätzen mangelt es also aus meiner Sicht nicht.


Vielmehr besteht die eigentliche Herausforderung darin, dass sich die bisherige Grenze zwischen On- und Offlinehandel zunehmend auflöst und dass dies nahtlos und ohne Medienbrüche geschieht.

Das Smartphone wird zum Mittler zwischen den Welten

Die Verbindung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel ist heute schon das Smartphone. So werden die Karten für Bonusprogramme, Gutscheine und Coupons dank Apps wie Stocard oder Yunar im Handy vorgehalten. Die Girocard oder Kreditkarte zum Bezahlen existiert dank Apple Pay & Co. ebenso nur noch digital.

Der Anfang ist gemacht und der Einzelhandel reagiert meiner Überzeugung nach bereits auf dieses veränderte Kundenverhalten. Jedoch noch nicht mit aller Konsequenz. Ähnlich wie die digitalen Platzhirsche wie Amazon, Outfittery oder Zalando arbeitet auch der stationäre Einzelhandel daran, seine Kunden besser zu verstehen und individueller anzusprechen. Eine Schwierigkeit besteht dabei darin, dass die Filialisten eine kleinere Datenbasis haben, um den Kunden wirklich individuelle Angebote machen zu können. Hier gilt es, auf die Datenbasis anderer zuzugreifen und mit dem eigenen Angebot zu verbinden. Für eine schnelle Integration spielen einfache Zugangspunkte für den Datenaustausch eine entscheidende Rolle. Möglich ist dies dank vielfältiger offener digitaler Schnittstellen, sogenannte APIs (Application Programming Interface).

Schnittstellen als Schlüssel zu einem ganzheitlichen Einkaufserlebnis

Banken müssen aufgrund der PSD2-Regulation schon heute definierte Schnittstellen anbieten, um zum Beispiel Umsatzdaten der Girokonten Dritten zur Verfügung zu stellen. Die Deutsche Bank geht mit ihrem API-Programm noch einen Schritt weiter. Wir ermöglichen den Kunden individuell und ausgewählt ihre bei der Bank vorgehaltenen Daten in externen Apps & Services einzusetzen. Über unsere offenen APIs erhalten auf der anderen Seite Händler Zugang zu wertvollen Kundeninformationen. Das können Informationen sein wie Alter, Adresse oder IBAN, aber auch Umsatzdaten von Giro- und Kreditkartenkonten, Sparguthaben oder Aktiendepots. Darüber hinaus bieten wir Services an wie eine einfache Altersverifikation oder ein Identitätscheck. Diese Informationen lassen sich über Schnittstellen digital und in Echtzeit abrufen, wodurch der Gesamtprozess vereinfacht wird.


Wir selbst erleben, wie der Einzelhandel sich intensiv damit beschäftigt, um sein Angebot mit bestehenden Schnittstellen und Daten anzureichern. Von fehlendem Mut oder Innovationskraft ist hier nur wenig zu spüren. Jedoch wird meines Erachtens das Potenzial dieser Datenzugriffe noch zu wenig erkannt.

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