Nerd Alert

In 7 Schritten zum erfolgreichen Podcast

Dienstag, 24. Juli 2018
Podcasts fristen längst kein Schattendasein mehr - fast jeder vierte Bundesbürger hört sie mittlerweile. Die digitalen Audioformate können einen großen Mehrwert für die eigene Unternehmenskommunikation oder Marke liefern. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Podcasts hochwertig produziert und anschließend erfolgreich vermarktet werden. In unserer Gastbeitragsreihe "Nerd Alert" erklären die Podstars-Macher Vincent Kittmann und Constantin Buer, wie man einen erfolgreichen Podcast produziert.

1.

Das Konzept

Der Erfolg eines Podcasts steht und fällt mit dem Konzept. Man sollte sich deshalb genau überlegen, welches Thema man besetzen will und warum: Ist man First Mover oder hat man eine eigene starke Brand, steigen die Chancen auf eine große Zuhörerschaft. Wer eine regelmäßige Frequenz bei der Veröffentlichung der Folgen einhält, wird in der Regel auch mit einer steigenden Abonnentenzahl belohnt. Idealerweise veröffentlicht man jede Woche zum selben Wochentag und zur selben Uhrzeit eine neue Folge.

Hinsichtlich der Podcast-Länge empfehlen wir aufgrund unserer Erfahrung mit Interview-Formaten die Länge eines deutschen Inlandsfluges. Generell ist es aber sehr vom inhaltlichen Konzept abhängig und es gibt sehr gute sehr kurze Podcasts und sehr gute Podcast, die mehrere Stunden dauern. Sofern man ein Interview-Format wählt, sollte man sich außerdem ausreichend Zeit für die Interview-Vorbereitung nehmen.
Nerd Alert
In der Gastbeitragsreihe "Nerd Alert" kommen wöchentlich Branchenexperten zu Wort, die ihr Wissen in Know-how-Beiträgen zu aktuellen Tech- und Digital-Themen weitergeben.




2.

Das Mikrofon

Die Audioqualität ist wahrscheinlich eines der K.O.-Kriterien bei Podcasts. Eine auf Dauer schlechte und unangenehme Audioqualität zwingt die Zuhörer meist zum Vorspulen oder aber gar zum Abbruch des Podcasts. Wer hier ein wirklich gutes Mikrofon mit kristallklarem Sound haben will, greift zum Rode NT1. Aber auch das Rode Podcaster ist ein super Einstieg in die Podcast-Produktion. Das Mikrofon kann direkt per USB an den Laptop angeschlossen werden.
HORIZONT Podcast
Auch HORIZONT ist mit einem eigenen Interview-Podcast zum Thema Marketing, Werbung und Tech am Start. Er ist auf Soundcloud, iTunes, Deezer und Spotify verfügbar.



3.

Die Software

Um das letzte bisschen Qualität aus euren Audiodateien rausholen zu können, braucht man aber nicht nur ein gutes Mikrofon – das ist nur ein Teil der Gleichung – sondern auch eine sehr gute Software. Der Primus ist sicherlich Adobe Audition – intuitiv, schnell und extrem umfangreich. Wenn es etwas einfacher und komplett kostenfrei sein soll, greift man zu Audacity, ebenfalls ein gutes Freeware-Tool für den Schnitt, vor allem für Einsteiger.
Vincent Kittmann und Constantin Buer sind die Macher von Podstars
Vincent Kittmann und Constantin Buer sind die Macher von Podstars (© Podstars)


4.

Hosting

Mindestens so wichtig wie die Audioqualität ist das Hosting des Podcasts. Nur, wenn das erfolgreich gelingt, steigt die Chance, dass der Podcast nach erfolgreicher Registrierung auf den Plattformen (z.B. Apple Podcast oder Spotify) gefunden werden kann. Es gibt mittlerweile eine Reihe guter Hosting-Tools, die auch eine direkte Spotify-Integration ermöglichen. Zu empfehlen sind hier ganz klar Soundcloud, Libsyn und Podigee. Soundcloud bietet einem super umfangreiche Statistiken und hat anders als bei der Konkurrenz immer noch eine hohe Fan- und Userbase. Gerade für den Reichweitenaufbau ist die Wahl deshalb nicht schlecht.

Libsyn ist der amerikanische Platzhirsch, einer der größten Anbieter mit einer Menge Funktionen und ebenfalls sehr guten Statistiken. Podigee ist eine relativ neue Plattform, die speziell auf Podcaster ausgerichtet ist und somit tolle, bisher nicht verbreitete Funktionen bietet, wie zum Beispiel automatisches Encoding via Auphonic, das Setzen von Kapitelmarken und sogar die maschinelle Transkription von Podcasts. Generell sollte man versuchen, seinen Podcast auf so vielen Plattformen wie möglich zu veröffentlichen, um die Zuhörer auch dort zu erreichen, wo ihr Medienkonsum täglich stattfindet. Dafür sind alle drei Tools hervorragend geeignet.

5.

Die Gäste – Persönlich oder via Skype?

Sofern man sich für ein Interviewformat entscheidet, steht irgendwann die Frage im Raum, ob persönlich oder via Skype. Das ist wahrscheinlich eine Glaubensfrage. Aus rein qualitativen Gesichtspunkten ist es allerdings am besten, die Gäste persönlich zu treffen und vor Ort zu interviewen. Die Audio- und Gesprächsqualität ist auf diese Weise einfach mit Abstand am besten. Auch die Qualität der Gesprächsführung ist um Welten besser, wenn man seinem Gegenüber in die Augen gucken kann. Sollte das mal nicht möglich sein, ist Skype eine gängige Lösung, wenn auch nicht die optimale. Tools wie Reaper sind dagegen qualitativ schon deutlich besser, aber leider auch deutlich komplizierter im Setup. Eine super einfache Einsteiger-Lösung wäre hier Zencastr.
„Nirgendwo stört Werbung so wenig wie in Podcasts.“
Vincent Kittmann und Constantin Buer, Podstars

6.

Monetarisierung

Podcasts sind nicht nur sehr informativ und gut für die eigene Marke, sondern können nach erfolgreicher Startphase auch zur Monetarisierung genutzt werden. Insbesondere deshalb, weil Podcasts ein extrem attraktives Werbeumfeld für die Werbungtreibenden bieten: In keiner anderen Werbeform ist die Ansprache direkter und persönlicher. In keiner anderen stört die Werbung so wenig wie bei Podcasts. Dafür muss die Werbung aber unbedingt nativ durch den Host eingesprochen werden, da er eine verhältnismäßig enge Beziehung zu seinen Zuhörern aufbaut.

So kann man für einen Podcast mit einer Reichweite von über 50.000 Zuhörern schon mal schnell 2.000 Euro an Werbeeinnahmen pro Folge pro Block generieren. Für den Fall, dass man mit seinem Podcast ein Nischenpublikum bedient und damit eine vergleichsweise kleinere Reichweite von zum Beispiel 25.000 Zuhörern hat, können Werbeeinblendungen dennoch sehr lukrativ sein. Meist hat man es dort nämlich mit einer zahlungskräftigeren Zielgruppe zu tun, was den Werbepreis pro Block in die Höhe treibt.

7.

Marketing für den Podcast

Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass ein Podcast nicht von alleine gefunden wird, weshalb man sicherstellen muss, dass der Podcast für die eigene Fanbase und andere potentielle Zuhörer gut sichtbar ist. Das Cover sollte bei einer noch nicht so bekannten Brand unbedingt zumindest das Gesicht des Hosts enthalten. Der Titel auf dem Cover ist sowieso Pflicht. Außerdem sollte man darauf achten, dass der Name des Podcasts auch zum Thema und zu möglichen Suchbegriffen in diesem Kontext passt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, über die Podcast-Suche bei zum Beispiel Apple Podcast entdeckt zu werden.

Das ist insofern nicht irrelevant, als dass Podcasts derzeit noch überwiegend über die Podcast-App von Apple gefunden werden. Apple wiederum erstellt eine redaktionell kuratierte Liste. Die Chancen, hier aufgenommen zu werden, hängen deshalb nicht nur von kosmetischen Faktoren wie Cover und Titel, sondern auch vom Suchvolumen ab. Für die Apple Podcast-Charts hingegen sind vor allem neu abgeschlossene Abos innerhalb eines bestimmten Zeitraums wichtig. Ansonsten sollte man den Podcast auf sämtlichen sozialen Netzwerken teilen und in der E-Mail-Signatur verlinken.

Auch zu empfehlen ist es, den Podcast in die eigene Website und per RSS-Feed einzubinden und pro neuer Folge einen kurzen Blogbeitrag zu schreiben. Das erhöht den SEO-Faktor und führt somit meist zu einer besseren Reichweite. Schließlich sind auch Medienpartnerschaften ebenso sehr zu empfehlen wie spannende Gäste, die das Interesse am Podcast erhöhen und idealerweise eine eigene kleine Fanbase mitbringen. Facebook-Ads hingegen sollte man für den Podcast nicht nutzen, weil es für diese Art von Content nicht wirklich funktioniert.

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