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Wie ist es um die Zukunft der Mobilität bestellt? Die SXSW gibt Antworten.
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Wie Künstliche Intelligenz die Zukunft der Mobilität ermöglicht

Wie ist es um die Zukunft der Mobilität bestellt? Die SXSW gibt Antworten.
Mobilität ist auf der SXSW in Austin, Texas, nicht nur ein abstraktes Thema, sondern allgegenwärtig. Jan Born, Geschäftsführer von mediaman, hat für HORIZONT Online seine Beobachtungen vor Ort aufgeschrieben und kommt unter anderem zu der Erkenntnis, dass Künstliche Intelligenz längst im automobilen Alltag angekommen ist - auch wenn Nutzer und Fahrer sich dessen nicht unbedingt bewusst sind.
von Jan Born, mediaman Mittwoch, 14. März 2018
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Die Bedeutsamkeit der zukünftigen Mobilität von Menschen, Gütern und Dienstleistungen ist auf der SXSW deutlich spürbar. Gleich in zwei Konferenz-Tracks findet sich das Thema immer wieder: Intelligent Future und Startup & Tech Sectors. In den Sessions wird dabei über autonomes Fahren, Konnektivität, Shared Services und die Elektrifizierung visioniert und diskutiert. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen ebenfalls nutzerzentrierte Kommunikation und Interaktion zwischen Mensch/Maschine und Maschine/Maschine.



Aber wie kann die Evolution der Mobilität voranschreiten? Welche Technologien tragen dazu bei und welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, damit aus Zukunft Realität wird?

SXSW 2018: Die Bilder aus Austin, Texas


Integrierte Sensorik transformiert das Fahrzeug vom reinen Transportmittel zum Datenlieferant und misst kontinuierlich eine Vielzahl von Informationen, die, verarbeitet von Künstlicher Intelligenz, dass Fahrerlebnis nicht nur sicherer, sondern auch komfortabler gestalten können.


Positions- und Geschwindigkeitsbestimmung, Geo-Fencing oder permanente Messung des Reifendrucks waren erst der Anfang von Konnektivitätsdiensten. Durch Künstliche Intelligenz können personalisierte Nutzererlebnisse und Fahrkomfort (z.B. durch Assistenzsysteme) weiter gesteigert und erfüllt werden. KI ist längst im automobilen Alltag angekommen, auch wenn Nutzer und Fahrer sich dessen nicht unbedingt bewusst sind. Künstliche Intelligenz vereint zwei unterschiedliche Technologien: Machine Learning (Algorithmen, die sich anhand großer Datenmengen selbstständig ändern und dazulernen) und Deep Learning (Neuronale Netze, die menschliche Entscheidungen simulieren und interpretieren). Technologien wie diese sind wichtige Grundlagen für autonomes Fahren oder die Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation (V2V). Direkte Befehle über Sprachsteuerung oder selbstlernende Traktionskontrollen sorgen für mehr Komfort und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. "Selbstfahrende Autos bieten ein großes Potenzial für die Menschheit, aber sie müssen in die Schule gehen und lernen – lernen mit den verschiedensten Situationen und Umständen umzugehen um daraus neue Erkenntnisse schaffen zu können", so Wilko Stark, Vice President Daimler & Mercedes-Benz Cars Strategy und Head of CASE. Als eine weitere essentielle Komponente für autonomes Fahren sieht Stark die Bereitstellung von Karten in Echtzeit. Fahrzeuge müssen vorausschauend wissen, welche Verkehrssituationen zu erwarten sind. Es werden Karten in Echtzeit konstruiert, auf die andere Fahrzeuge zugreifen und durch die eigene Verkehrssituation ergänzen. Ein stetiger Prozess, bei dem KI Regelmäßigkeiten erkennt und auch Gefahrenpotentiale identifiziert.

Generell erfordert autonomes Fahren einen Blick über den Tellerrand. Neben den Fahrzeugen müssen Rahmenbedingungen und alle weiteren Verkehrsteilnehmer mit beachtet werden. Sicherheitsaspekte, Komfort, rechtliche und staatliche Regularien – und natürlich Fahrer. Nur so können die Grundlagen der Mobilität in Kombination mit künstlicher Intelligenz geschaffen werden, so Amy Webb, die KI als Basis dafür sieht.

Mobilität ist auf der SXSW nicht nur ein abstraktes Thema, sondern allgegenwärtig. Um in Austin von Session zu Session zu gelangen, läuft man, oder nutzt einen der Sharing-Services – sei es per Auto oder Fahrrad.

Um vorherzusagen, dass die Sharing Economy in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, muss man kein Zukunftsforscher sein. Uber, AirBnB oder WeWork sind nur drei unter vielen Unternehmen, die auf die Prinzipien der "Shared Economy" setzen. Allein in den USA nutzten im letzten Jahr ca. 56 Millionen Menschen Shared Services.

Ein weiteres Beispiel für diese globale Entwicklung bietet Mobike, ein global agierender, "stationsloser" Bike-Sharing-Dienst mit Wurzeln in Peking. Chris Martin, Vice President of Global Expansion, beschreibt in seiner Session “The Secret Sauce in the Sharing Economy” ihre weltweite Expansion innerhalb der letzten drei Jahre. Als wesentliche Erfolgsfaktoren stehen für Mobike:

  • Langlebigkeit der Produkte – Ein Fahrrad, dass statt 2 bis zu 4 Jahre genutzt werden kann, verdoppelt den Ertrag und steigert die Profitabilität exponentiell
  • Produktivität der Fahrräder –  Effizienzsteigerung durch höhere Auslastung
  • Leichter Zugang – Smart Locks (stationslos)
  • Flexibilität und Anpassbarkeit auf nationale Regularien, Infrastrukturen und Kundenverhalten

Die steigende Relevanz der Sharing Economy wird durch die Teilnehmer des Panels SXSW Accelerator: Transport Technologies bestätigt. In diesem Format pitchen junge Startups für Ihre Ideen um Venture-Capital. Darunter befinden sich Teilnehmer wie Goin, die sich der Herausforderung von Barrierefreiheit im Transportmanagement stellen. Ziel ist erleichterte Nutzung und ein besserer Zugang zu Mobilitätsdiensten für Rollstuhlfahrer. Unternehmen wie Uber, Lyft und weitere Fahrdienste sind bereits Partner.

Das Start-up GoKid (@gokid_carpool) hat als Ziel, den sicheren Transport von Schulkindern in Regionen mit keiner bzw. schlechter Schulbusinfrastruktur zu lösen. Ähnlich wie bei Uber oder Lyft wird auf ein Netz von privaten Fahrern vertraut. Das Netzwerk basiert auf Empfehlungen von anderen Eltern und den jeweiligen Schulen. So wird die Vertrauenswürdigkeit der Fahrer gewährleistet.

Sharing Economy ist also nicht nur ein Schlagwort, das mit den Diensten wie Uber erschöpfend bespielt ist. Sie dringt in viele weitere Bereiche vor und bietet insbesondere in weniger dicht besiedelten Gebieten oder für spezielle Transportbedarfe noch ungenutzte Felder. Und junge, geschäftstüchtige Startups sind dabei, sich diese zu erschließen.

„Die Zukunft gehört Conversational Interfaces wie Alexa, Siri, Hey Mercedes und Co.“
Jan Born
Wir erleben innerhalb der Informations-, Interaktions- und Kommunikationstechnologie einen kontinuierlichen Wandel. Mit dem Aufkommen von immer smarterer Technologie und der Marktreife von neuen Produkten, wie zum Beispiel Sprachassistenten, muss in den Köpfen aller Menschen ein Umdenken stattfinden. Der Umgang und die Interaktion mit dieser neuen Kommunikationsform muss sich stetig weiterentwickeln. Die Zukunft gehört Conversational Interfaces wie Alexa, Siri, Hey Mercedes und Co. Der Anfang vom Ende des Smartphones, so Amy Webb – Gründerin des Future Today Institutes, in Ihrem Vortrag „2018 Emerging Tech Trends Report“.  Speziell im Bereich der Mobilität sind Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen und Fahrzeugen an besondere Herausforderung geknüpft. Doch wie kommunizieren wir während der Fahrt mit unserem Auto? Weiß mein Auto mehr als ich über mich selbst?

Laura Granka und Hector Ouilhet von Google stellen in ihrem Talk „A conversational Future: Making technology adapt to us“ den Faktor Mensch in den Vordergrund. Eine erfolgreiche Konversation kann nur dann stattfinden, wenn zusätzliche Meta-Informationen mit einbezogen werden. Hierbei spielen Emotionen, artikuliert durch Tonalität, Mimik und Gestik, aber auch kulturelle Attribute und das Umfeld eine entscheidende Rolle. Sie können durch Technologien wie künstliche Intelligenz interpretiert werden. Ouilhet beschreibt die Beobachtung der menschlichen Bedürfnisse als „ongoing journey", um Menschen enger mit den Technologien der Zukunft zusammenzuschweißen.

Blickt man weiter in die Zukunft, kommt man insbesondere auf der SXSW an fliegenden Autos nicht vorbei - personalisierte Mobilität der dritten Dimension. Aber nennen wir sie nicht fliegende Autos, sondern fliegende Taxis. Eine Hightech-Kreuzung von Quadcopter und konventionellen Hubschraubern.

Glaubt man Derrick Xiong, Cofounder und CMO von EHANG, ist die ursprüngliche Science Fiction von fliegenden Autos bereits in greifbarer Nähe – „Future of autonomous flying car is coming“. Ihr Prototyp „Ehang 184“, ein autonom fliegendes Fahrzeug, das Passagiere im innerstädtischen Verkehr von A nach B bringen soll, befinde sich bereits in einem sehr fortgeschrittenen Reifegrad und durchlaufe die notwendigen Test-Flugphasen. Trotzdem wird es bis zur Marktreife noch etwas dauern. Fehlende Rahmenbedingungen, Regularien und Infrastrukturen bremsen den Fortschritt. Noch entscheidender ist aber das Vertrauen der potentiellen Nutzer in diese neue Art der Fortbewegung. Es fühlt sich ein wenig an, wie die ersten Flugversuche der Wright-Brothers. Zunächst wird es skeptisch beobachtet. Doch die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass Visionen Wirklichkeit werden können.

Neben EHANG, Uber Elevate, Kitty Hawk ist das deutsche Unternehmen Volocopter Innovationstreiber in der dritten Dimension des Personentransportwesens.

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