New Yorker Notizen, Tag 1

Ich treffe Joko, Babbel, HQ Trivia, Cheddar und einen NBA-Star

Donnerstag, 14. Juni 2018
Es ist ein Experiment: Mehrere Wochen verbringt OMR-Gründer Philipp Westermeyer in New York, um dort Leute zu treffen und Ideen für OMR zu generieren. Regelmäßig veröffentlichen wir zusammen mit OMR.com sein Tagebuch. Lest heute über den spannenden, teilweise absurden ersten Tag, der wohl schwer zu toppen sein wird.

NY Notizen: Tag 1,5

Vor Kurzem habe ich über meinen OMR-Teamkollegen Hauke dessen Kumpel Friedemann kennengelernt. Den Namen Friedemann Karig kannte ich schon aus der Podcast Serie „Alle Wege führen nach Ruhm“ (Paul Ripke und Joko), wo er sicher korrekt als „besonders schöner Mann“ erwähnt wurde. Friedemann hat dann im März bei OMR zwei Tage lang eine große Expo Bühne moderiert und ist auch noch als interessanter Typ (Buchautor, Medienmacher…) aufgefallen.


Ungefähr zeitgleich hat mich Stephan Schäfer (Gruner+Jahr) mit Joko Winterscheidt bekannt gemacht. Gruner hat mit Joko vor Kurzem ein neues Magazin auf den Markt gebracht (JWD), für das Friedemann Karig schreibt. Im Gespräch mit Stephan stellte sich heraus, dass die Kombo Winterscheidt & Karig im Juni ebenfalls in NY zu tun haben würde. Wir haben dann beschlossen, dass wir dort zusammen eine Geschichte machen: 24 Stunden gemeinsam Leute treffen, die Stadt erkunden und anschließend alles aufschreiben – für das JWD-Magazin.

Der Anfang eines legendären Tages in New York: (von links) Friedemann Karig, Joko Winterscheidt und Philipp Westermeyer
Der Anfang eines legendären Tages in New York: (von links) Friedemann Karig, Joko Winterscheidt und Philipp Westermeyer (© OMR)

Kommt HQ Trivia nach Deutschland?

Wen kann man also gut treffen? Klar: Die ganze Geschichte des langen, denkwürdigen Tages, den wir gemeinsam in New York verbracht haben, steht bald in JWD. Trotzdem hier ein kurzer Teaser: Es ging los mit Julie Hanson, der US-Chefin von Babbel (früher Chefin von Business Insider), die einem deutschen Startup dabei hilft, mit Sprachlern-Software Weltmarktführer zu werden. Gesprächsinhalt war u.a.: Für Amerikaner ist Sprachenlernen Luxus und aus Karriere-Gründen eigentlich nicht nötig. Daher muss Babbel das Marketing in den USA ganz anders aufsetzen als in anderen Märkten. Wichtigste Kanäle sind TV und Facebook. Julie glaubt, dass Facebook auf lange Sicht relevant bleibt. Denn selbst junge Leute nutzen die Plattform, um sich in Gruppen oder Veranstaltungen zu organisieren sowie Termine, Geburtstage usw., also schlicht ihr Leben zu administrieren.

Danach trafen wir neue Medien-Erfinder: Als erstes die Macher der Quiz-App HQ Trivia, die das Fernsehen zu verändern versuchen und zwar mit großen Reichweiten bislang (hier unser OMR-Porträt aus dem Januar). Gerade experimentiert HQ mit einem Sport-Quiz-Vertical. Wie wir bei unserem Besuch erfahren haben, startet HQ Trivia demnächst wohl auch in Deutschland, und es wird ein deutsches Team gesucht.

Vom Interview bei der New York Stock Exchange zum Dönerladen

Der nächste Termin war absurder. Joko und ich waren in eine Talkshow von Cheddar (US-Englisch umgangssprachlich für Geld) eingeladen, Cheddar ist ein Wirtschaftsfernsehen für Millenials (hier unser OMR-Porträt aus dem vergangenen September). Die Firma existiert seit zwei Jahren; hinter ihr steht Jon Steinberg, der ehemalige Co-Chef von Buzzfeed. Die Monetarisierung erfolgt über verkauften Content und Werbung. Unser erstes Interview direkt vom Parkett der New York Stock Exchange – ziemlich verrückte Situation. Der Tweet da unten zeigt nur einen Ausschnitt, das gesamte Interview gibt es hier.

Joko Twitter



Der nächste Programmpunkt: Friedemann hatte sich gewünscht, Emre von Kotti Döner kennenzulernen, der aktuell seine Döner-Kette in den USA groß macht. Sehr inspirierend, sehr lecker, wenn auch nicht digital – aber fragt dazu Friedemann. Später am Tag trafen wir Howard von Yext (u.a. um die Lederjacke zu retournieren). Yext ist eine unglaubliche Geschichte und definitiv eine Firma, auf die man achten muss (aktuell ist sie 1,8 Milliarden USD wert). Was das Unternehmen genau macht, hat Howard im März bei OMR erklärt . Schon jetzt ist Yext die zentrale Marketing-Tech-Thematik für Firmen mit stationären Geschäften in jeder Form (von Aldi über Vodafone und Co., bis hin zu Hotels).


Tektonische Verschiebungen in der Medienlandschaft?

Am Tag der Freigabe des AT&T- und Time-Warner-Deals erzählte uns später Philippe von Borries (Gründer vom Frauen-Publishing-Giganten refinery29, siehe auch seinen Auftritt bei OMR 2017 hier), dass er glaubt, dass dieser Deal die Tektonik der gesamten Medienlandschaft verändern wird.

Am Ende dieses Tages, der sich anfühlte wie eine ganze Woche, hat der unfassbare Howard Lerman ein Dinner für uns organisiert. Ich habe selten einen universal-talentierteren Menschen als Howard kennengelernt: Er spricht Englisch, Deutsch und Chinesisch, kann Technologie und Sales, und ist ein unfassbarer Unternehmer, Hustler und Netzwerker. Später hat er noch eine Karaoke-Bar in der Lower East Side abgerissen

Ein Musical-Star neben einem Top-Journalisten und einem Investment-Banker

Das Dinner, das er davor für uns organisiert hatte, hatte es in sich. Es kamen die spannendsten Beobachter der Digital-Szene: Nick Carlson, der Chefredakteur von Business Insider, Jay Yarow von CNBC sowie Jeff, ein MD von Morgan Stanley. Ein Statement, das mir besonders in Erinnerung bleibt: „Früher habe ich bei Facebook geposted, heute poste ich dieselben Sachen eher in Whatsapp-Gruppen.“

Joko Insta



Schräg gegenüber von mir saß der Schauspieler und Broadway-Star Brandon Victor Dixon („Hamilton“, ein Musical über den gleichnamigen US-Gründervater und ein riesiger Erfolg). Unser Gesprächsthema: seine virale politische Botschaft auf der Hamilton-Bühne.

Der Schnäppchenjäger-Millionär als Südkorea-Fan

Und persönliches Highlight für mich (ich habe ja vorgestern hier über meine NBA-Leidenschaft geschrieben): Ich saß neben dem NBA Profi Mason Plumlee (Denver Nuggets), mit dem Howard auch befreundet ist (beide sind Alumni der Elite Uni Duke in North Carolina). Mason macht wie sehr viele NBA-Spieler auch Digital-Investments. Unsere Themen daneben waren NBA General Manager, LeBron James, die Kardashians, Podcasts, die Players Tribune und auch die Fußball-Weltmeisterschaft. „Bei der WM bin ich Südkorea-Fan, da gab es kürzlich das Trikot im Sale“, erzählte mir da ein Profi-Sportler, der zwölf Millionen US-Dollar im Jahr verdient.

Sicher einer der bescheidensten und smartesten NBA-Profis und einer von drei Brüdern in der Liga: Mason Plumlee
Sicher einer der bescheidensten und smartesten NBA-Profis und einer von drei Brüdern in der Liga: Mason Plumlee (© OMR)


Was bleibt hängen? Die amerikanischen Unternehmer und gesamten Begegnungen des Tages sind alle extrem talentiert. Sie haben alle für sich besondere Wege gefunden, Leute zu erreichen und Botschaften zu vermitteln, haben Technologie erzeugt, die vorher nicht da war, und die jetzt millionenfach benutzt wird. Vermutlich wird mir der Tag lange im Kopf bleiben. Aber auch mit dem Gedanken, dass Talente und Ambitionen dieser Art auch in vielen deutschen Unternehmern, Künstlern oder Marketing- & Medienleuten drin stecken. Das weiß ich, denn dank OMR treffe ich ständig welche.

Worüber in Sachen Digitalisierung zu wenig gesprochen wird

Der Unterschied jedoch in einem Wort: Scale. Alles, was in den USA und auf englisch stattfindet, hat sofort zum Start eine massive, internationale Zielmarktgröße eingebaut, die wir in Deutschland nicht in der Form haben. Diese Scale bedeutet dann sofort mehr Umsatz, mehr Reichweite, mehr Funding oder mehr Gehalt – es ist eine Spirale.

Nach diesem Tag glaube ich mehr denn je, dass in der Debatte über Digitalisierung in Deutschland zu wenig über Skalen-Effekte gesprochen wird. Skalen-Effekte sind häufig eines der zentralen Puzzle-Stücke dessen, was wir „Digitalisierung“ nennen, und werden noch zu selten in den Vordergrund gestellt. Was tun? Vielleicht einfach diesen Post als Motivation dafür sehen, noch internationaler zu denken. Fragt ansonsten auch Dominik von Hellofresh, die besagten Babbel-Jungs, oder halt Philippe, Emre und Co.

Die US-Internetszene liebt "Old Europe"

Fun Fact: Viele unserer Begegnungen dieses Tages sind sogar neidisch auf Europa, oder erzählen zumindest aus Höflichkeit, dass sie ihre Urlaube gerne in Europa verbringen („trying to become more european in case the orange fella means more trouble“, „Berlin is even cooler than Brooklyn“ – das nur als ein paar beispielhafte Bruchstücke aus Unterhaltungen, die mir in Erinnerungen geblieben sind).

Am Ende diesen Tages ist hier schon wieder Morgen. Wir wurden noch auf einem Roof Top ausgesperrt, und es hat einfach unfassbar gut angefangen hier. Morgen nur einen richtigen Termin, Gott sei Dank – gute Nacht!

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Online Marketing Rockstars

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