Künstliche Intelligenz

Warum wir an Chatbots bald nicht mehr vorbeikommen

Dienstag, 20. September 2016
Chatbots stecken noch in den Kinderschuhen. Noch. Denn die Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Und aus Sicht von Vanessa Bouwman, Managing Director von We Are Social, werden die sprechenden Computerprogramme bald zur Normalität werden. Warum, erläutert sie in ihrem Gastbeitrag für HORIZONT Online. 

Chatbots. Das klingt nicht wirklich sexy, ist aber seit der letzten F8-Developer Conference ein heißes Thema. Facebook hat dort verkündet, dass sie Entwicklern erlauben (ach was, dass sie Entwickler auffordern!), automatisierte Apps für den Messenger zu entwickeln. In einem Jahr werden wir nicht mehr an Bots vorbei kommen. Darum sollten wir uns lieber jetzt schon darauf einstellen, denn Beispiele dafür, dass wir in der Zukunft der künstlichen Intelligenz angekommen sind, gibt es bereits.



Poncho war eine der ersten Apps, die gezeigt hat, wie die neue Send/Receive API beim Messenger funktioniert. Es handelt sich dabei um einen Wetter-Bot, der außerdem dein Freund sein möchte. Man kann Poncho fragen, ob man heute eine Sonnenbrille braucht oder eher einen Regenschirm, wie das Wetter in den nächsten Tagen wird, wann es wieder regnet. Über eine Alert-Funktion kann man sich immer auf dem Laufenden halten lassen. Das Besondere: Die App ist in der Lage, locker und freundlich mit dem User zu sprechen wie mit einem Freund, wobei Poncho am Anfang erst lernen muss, was gesagt werden soll und kann.

Ganz anders sieht es bei Quartz für das iPhone aus. Dieser Bot wurde von (echten) Journalisten geschrieben. Quartz hat verstanden, dass Chatbots eine völlig neue Herausforderung sind. Wenn du eine „chatty“ News-App bauen willst, genügt es nicht, einfach die Stories von der Webseite 1:1 zu kopieren. Wer Quartz für das iPhone nutzt, führt quasi einen permanenten Dialog mit einem sehr schlauen Zeitgenossen. Die App sendet News-Schnipsel, vollgepackt mit GIFs, Emojis – und natürlich seriösen Inhalten. Wer mehr erfahren will, kann einfach danach fragen, oder weitergehen zur nächsten Story. Außerdem lässt sich individuell einstellen, zu welchen Themen man Benachrichtigungen erhalten will.


Und obwohl Bots quasi gerade erst zum Trend geworden sind, gibt es schon einen Verlierer. Ja, wir sprechen über Tay, dieses Desaster von Microsoft. Tay war ein auf Twitter aktiver Chatbot, der gezielt Millenials ansprechen sollte. In seinem Twitter-Profil steht: „The more you talk the smarter Tay gets“ (Je mehr du mit ihr sprichst, umso klüger wird Tay). Das Problem: Die User haben Tay keine smarten Sachen gesagt. Microsoft hatte die Bosheit mancher Menschen unterschätzt. Einige rassistische Tweets später wurde Tay wieder zurück in ihre Box gepackt. Für die Zukunft dient Tay als warnendes Beispiel für die Anfälligkeit von künstlicher Intelligenz. Und das beunruhigendste? Nicht die Roboter sind die Gefahr, sondern wir.

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