CES

Sind wir schon bald von digitalen Brillen umgeben?

Samstag, 07. Januar 2017
Keine Frage: Die erweiterte und die virtuelle Realität (Augmented und Virtual Reality) gehören zu den verheißungsvollsten Technologien, vor allem im Marketing. Auf der CES in Las Vegas wimmelt es nur so von Anwendungen für alle möglichen Alltagsbereiche. Tim Kolbe, General Manager der Agentur Graft Brandlab, ist vor Ort in Las Vegas und hat im dritten Teil seiner Gastbeitrags-Serie für HORIZONT Online die interessantesten VR- und AR-Lösungen zusammengefasst.
VR und AR sind in diesem Jahr wieder eines der dominierenden Themen auf der CES in Las Vegas. Während die Augmented Reality eine erweiterte Realität ist, demnach eine reale Umgebung mit virtuellen Objekten ausmacht, geht es bei der Virtual Reality um eine virtuelle Umgebung mit realen Objekten. Bei der Anwendung von AR, bleibt der User also in der realen Welt, die VR hingegen isoliert den User von dieser und lässt ihn in eine rein virtuelle Welt eintauchen.
Tim Kolbe
Tim Kolbe ist General Manager von Graft Brandlab - einer Agentur für Markeninnovation mit starkem Fokus auf räumliche Inszenierungen und Kreation von Markenerlebnissen. Seine Karriere als Marketing-Spezialist begann Kolbe bereits als Student bei Coca-Cola im Jahr 2004, wo er zuletzt das Shopper Marketing Department verantwortete. Seit September 2016 verstärkt Kolbe das Brandlab Team mit seiner Expertise rund um Off- und Online Trade zur konzeptionellen Entwicklung von verkaufsaktivierenden, erlebnisorientierten und vor allem zukunftsweisenden Marken und Store-Konzepten.
Alles klar? Dann starten wir nun in die Highlight-Themen mit einigen innovativen Beispielen. Gleich im Eingangsbereich des CES hat sich Samsung als Big Player im Bereich VR platziert und einen ganzen Freizeitpark an "Gear VR 4D Experiences" aufgebaut. Nicht umsonst wird sich das Unternehmen das Thema Achterbahn und Co. ausgesucht haben, schließlich sind Freizeitparks im VR-Kontext gleich in dreifacher Hinsicht interessant: Man kann ihnen Konkurrenz machen, man kann innerhalb der Parks spannende Innovationen vorstellen (wie z.B. den Alpenexpress Coastiality im Europapark Rust, der ebenfalls in Kooperation mit Samsung entstanden ist) oder aber außerhalb der Parks mit einer VR-Achterbahn-Experience dafür werben, mal wieder in die "echte Welt" der Freizeitparks zu gehen.


Der Onlinekartendienst Here unterstützte seinen diesjährigen Messeauftritt mit einer VR-Präsentation, die Stake- und Shareholder des digitalen Kartenanbieters die Funktionalitäten seiner Open Location Plattform sowie deren neusten und innovativsten Services nahebringt. Graft Brandlab hat die Applikation "HERE Road Signs", "HERE Real Time Traffic", "Parking with HERE" und "HERE Hazard Warnings" über die entworfene App mit dazugehörigen VR-Glasses erleb- und anfassbar gemacht.
HERE unterstützte seinen diesjährigen Messeauftritt mit einer VR Präsentation
© Kolbe
HERE unterstützte seinen diesjährigen Messeauftritt mit einer VR Präsentation
Auch im vergangenen Jahr waren wir für Here im Rahmen der CES aktiv. 2016 wurde für den Kunden ein sogenanntes Augmented-City-Modell entworfen, das auf der Messe für großes Aufsehen sorgte, indem es die Cloud-Technologie des Unternehmens mit seinen Real-Time-Location-Services auf einzigartige Art und Weise inszenierte.

Immer weniger befremdlich wird VR im Gaming-Bereich. Etliche Anbieter zeigen Entwicklungen, mit denen virtuell Völkerball gespielt wird, von zuhause aus die Golf-Performance trainiert werden kann, geboxt, gesnowboarded, über Rennstrecken gebrettert oder geflippert wird.


Was also machen, wenn VR-Brillen auf der CES kaum mehr überraschen? Die japanische Firma Cerevo gibt eine Antwort und stellt seinen VR-Schuh namens Taclim vor. So können Benutzer die virtuelle Welt (z.B. im Gaming-Bereich) also mit den Füssen wahrnehmen. Der Nutzer setzt sich zusätzlich die VR-Brille auf und zieht die Handschuhe (Controller) an - schon kann er realisieren, ob er auf einer Strasse oder Wiese, über Schnee oder Sand läuft.
Sogar Schuhe werden jetzt mit VR ausgestattet
© Kolbe
Sogar Schuhe werden jetzt mit VR ausgestattet
Richtig! Spielerei. Spannend wird es jedoch, wenn dieser Spielerei ein Mehrwert zugeführt wird. Dieser kann zum Beispiel im Fitness-Bereich liegen. Neben dem virtuellen Bergsteigen hat mich vor allem ICAROS inspiriert - wie ein Jumpsuiter oder aber Supermann rase ich durch die virtuelle Luft, was mit jeder Menge körperliche Bewegung verbunden ist. Sollte ICAROS belegen, dass es hierbei auch zum Muskelauf- und Fettabbau kommt, bin ich sicher, dass wir ICAROS schon bald in den ersten Fitnessstudios finden werden.
Mit der Anwendung von Icaros darf man sich wie Superman fühlen.
© Kolbe
Mit der Anwendung von Icaros darf man sich wie Superman fühlen.
Tanvas inspirierte mich mit einem Touchscreen, auf dem ich virtuell unterschiedliche Oberflächen ertasten konnte. Dies könnte den Verkauf für viele Produkte über die E-Shopping-Kanäle weiter befeuern, da es den Konsumenten die Möglichkeit gibt, Materialen "live" zu erfühlen - zum Beispiel im Bereich der Textilindustrie.
Der Tanvas-Touchscreen
© Kolbe
Der Tanvas-Touchscreen
Der Londoner Firma Kino.Mo dürfte spätestens nach ihrem diesjährigen zweiten CES-Messeauftritt der Durchbruch in Sachen Evolution von digitalen Werbemitteln geglückt sein. Schnell drehende Propeller erzeugen virtuelle Hologramme, die für nahezu hundertprozentige Aufmerksamkeit sorgen sollen.
Spannend für die Werbeindustrie: Hologramm-erzeugende Propeller
© Kolbe
Spannend für die Werbeindustrie: Hologramm-erzeugende Propeller
Und was passiert im Bereich der Augmented Reality? Hier sind es vor allem die AR-Glasses, die auf der CES großes Aufsehen erzeugen. Herausstechend waren für mich unter anderem die Messestände von ODG und Altotech. Die Anbieter haben AR-Brillen vorgestellt, die im Grunde genommen alles können, wofür ich sonst mein Tablet oder das Smartphone nutze. Heißt: Mails direkt über die Brille abrufen, den nächsten Online-Einkauf tätigen, TV oder Videos schauen, zocken, Facebook abrufen und so weiter und sofort. Bei dieser Technolgie setzt sich quasi das Bild zwischen meine Augen und die reale Welt, die ich trotzdem wahrnehme.
Mails abrufen über die VR-Brille: Mit der Anwendung von ODG soll das kein Problem sein.
© KOlbe
Mails abrufen über die VR-Brille: Mit der Anwendung von ODG soll das kein Problem sein.
Zusätzlich inspirieren Anbieter wie Solos, die zeigen, wie im Sportbereich AR-Brillen für Mehrwert sorgen, indem sie mir alle Informationen, die mich interessieren vor Augen führt: meine Herzfrequenz, wieviel Kalorien ich verbrauche und alle weiteren Informationen, die mich als Sportler interessieren.
Auch an die Sportler wurde im Bereich VR gedacht.
© Kolbe
Auch an die Sportler wurde im Bereich VR gedacht.
Zugegebener Maßen war ich nach diesem Ausflug in die digitalen Realitäten ganz schön "Gaga" und wusste gar nicht mehr wo ich mich denn jetzt befinde - in der virtuellen, der erweiterten oder der echten Welt - oder irgendwo dazwischen.
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