CES

Die Roboter sind überall

Freitag, 06. Januar 2017
Kaum eine Ausstellungshalle auf der CES, in der es keinen Roboter zu bestaunen gibt. Überall tummeln sich die kleinen Alltagshelfer aus Blech und putzen Fenster, kümmern sich um Kleinkinder oder schenken Kaffee ein. Tim Kolbe, General Manager der Agentur Graft Brandlab, ist vor Ort in Las Vegas und erklärt im zweiten Teil seiner Gastbeitrags-Serie für HORIZONT Online, welche spannenden Geschäftfelder die Roboter-Innovationen eröffnen.

Roboter und ähnliche Technologien begegnen einem nahezu in jeder Messehalle der diesjährigen CES. Sie sollen unseren Alltag bequemer machen, versprechen mehr Sicherheit - vor allem im Bereich Transport - oder ersetzen in einsamen Momenten den nicht vorhandenen Kommunikationspartner zuhause. Im Schnelldurchlauf einige Beispiele, die am meisten inspiriert oder aber auch polarisiert haben - nicht zuletzt aufgrund der häufigen Diskussion um den Wegfall von Arbeitsplätzen:

Tim Kolbe
Tim Kolbe ist General Manager von Graft Brandlab - einer Agentur für Markeninnovation mit starkem Fokus auf räumliche Inszenierungen und Kreation von Markenerlebnissen. Seine Karriere als Marketing-Spezialist begann Kolbe bereits als Student bei Coca-Cola im Jahr 2004, wo er zuletzt das Shopper Marketing Department verantwortete. Seit September 2016 verstärkt Kolbe das Brandlab Team mit seiner Expertise rund um Off- und Online Trade zur konzeptionellen Entwicklung von verkaufsaktivierenden, erlebnisorientierten und vor allem zukunftsweisenden Marken und Store-Konzepten.

Mobility

- Honda hat seinen "Uni-Cub" vorgestellt, ein Roboter-ähnliches Gerät, dass durch eine "balancing Technology" über einfachste Körperbewegung bewegt wird und somit dem Segway mächtig Konkurrenz machen wird. Auf gleicher Technologie fährt bei Honda übrigens das Motorrad eigenständig aus der Garage (siehe Video oben)

- Ein Roboter, der Lager- und Logistikarbeit eigenständig verrichtet. In diesem Bereich stellte der Online-Kartendienst Here neueste Technologien vor.

Roboter von "Here"
© Kolbe
Roboter von "Here"

Smart Home bzw. Personal Assistance

- Ein Roboter, der das Service-Personal im Supermarkt ersetzt und mir Produktauskünfte gibt oder mich direkt zu den Artikeln auf meiner Einkaufsliste führt.

Dieser Roboter soll beim Einkaufen helfen
© Kolbe
Dieser Roboter soll beim Einkaufen helfen

- Die "Bono"- oder "Winbot"-Roboter, die meine Fenster putzen.

Roboter putzen jetzt auch Fenster.
© Kolbe
Roboter putzen jetzt auch Fenster.

- Die Roboter-Installation, die Babies in den Schlaf wiegt - wie der "5e Nanny Bot", der als Nanny mein Kind behütet und umsorgt, um der Mami ihre Freiräume zu geben.

Roboter sind sogar Nanny-Ersatz.
© Kolbe
Roboter sind sogar Nanny-Ersatz.

- Der therapeutische Roboter, der in Krankenhäusern den Patienten durch streichelnde, angenehme oder massierende Bewegungen zur schnelleren Genesung verhelfen soll (siehe Video oben)

- Der Roboter, der im Kaffeegeschäft die Bedienung ersetzen soll – so die mir erläuterte Vision des Herstellers.

Dieser Roboter soll die Bedienung im Kaffeegeschäft ersetzen
© Kolbe
Dieser Roboter soll die Bedienung im Kaffeegeschäft ersetzen

- Für mich als BBQ-Fan die beeindruckendste Robot-Innovation: Der "Grillbot", der meinen Grill reinigt. Genial! (siehe Video oben)



Die meiste Aufmerksamkeit hat bisher Bosch erhalten - das Unternehmen stellte im Rahmen der CES "Kuri" vor. "Kuri" ist ein Roboter, der in den eigenen vier Wänden für die Steuerung des Smart Home sowie für Unterhaltung und Überwachung zuständig ist. Ähnlich wie Apples "Siri", Amazons "Alexa", die im Übrigen bereits mit dem Roboter namens "Lynx" kooperiert (Video), versteht sie Sprache und antwortet auch in Sprachform. Mit "Kuri" werden selbst schon die Kleinsten an die möglichen zukünftigen Alltagsgesellen herangeführt. "Kuri" kann natürlich auch den Kindern die tägliche Gute-Nacht-Geschichte vorlesen und verlässt das Kinderzimmer erst, wenn er erkennt, dass die Kinder nun in der Tiefschlafphase sind. Klar ist, dass dies nicht nur bei Pädagogen mächtig Kritik geben wird.#BN+176808BN+176803#Mein persönliches Highlight am heutigen Tag war "Laundroid"- eine Art versteckter Roboter im Kleiderschrank, der für die Familie die Wäsche zusammenlegt - natürlich getrennt nach Mama, Papa und Kind. Laundroid bewirbt seine Innovation damit, dass jede Person im Leben durchschnittlich 375 Tage damit beschäftigt ist, Wäsche zu falten. Für diese Zeitersparnis werden vor allem kinderreiche Familien bereit sein, Geld zu investieren.
Laundroid ist eine Art versteckter Roboter im Kleiderschrank.
© Kolbe
Laundroid ist eine Art versteckter Roboter im Kleiderschrank.
Viele der vorgestellten Technologien zielen natürlich auf ohnehin Technik-affine Zielgruppen ab. Ich bin der festen Überzeugung, dass Roboter vor allem innerhalb der eigenen vier Wände aber auch in naher Zukunft für eine weitere Zielgruppe relevant werden können - nämlich für die alternde Bevölkerung. Wer kennt es nicht aus dem täglichen Alltag: Am liebsten möchte man den eigenen Eltern permanent eine App oder Ähnliches anbieten, um die altersbedingten Hürden wie etwa das Einkaufen durch die heutige Vielfalt von digitalen Angeboten zu umgehen bzw. zu erleichtern. Diese können Oma und Opa aus Erfahrung jedoch nicht bedienen. Genau hier ergibt sich eine spannende Chance für Roboter mit sprachgesteuerten Kommunikationssystemen, die Omas Befehle und Wünsche ausführen. Gerade in Deutschland mit seiner zunehmend alternden Bevölkerung wird das Zusammenspiel von älteren Menschen und Robotern definitiv ein spannendes Geschäftsfeld - nicht nur für die Lebensmittelindustrie und andere Gebrauchsgüter, sondern vor allem auch für die Geschäftsbereiche Pflege und Gesundheit.

Der auf der CES vorgestellte und mit dem "CES Innovation Award" aufgezeichnete Roboter "Cutii" (eine Roboter Innovation der Firma Yumii) widmet sich noch einer anderen Herausforderung – nämlich die gähnende Langeweile im Alter zu durchbrechen. Yumii betitelt sich als "Home Care Platform", über die ältere Menschen sprachgesteuert auf einen Katalog von Aktivitäten und Services zugreifen können – mit Angeboten von Familie, Freunden und Nachbarschaft, die unterhalten oder aber im Alltag unterstützen sollen.
Über Yumii können ältere Menschen sprachgesteuert auf einen Katalog von Aktivitäten und Services zugreifen
© Kolbe
Über Yumii können ältere Menschen sprachgesteuert auf einen Katalog von Aktivitäten und Services zugreifen
Denn auch wenn Roboter 24/7 zur Verfügung stehen und unseren Alltag erleichtern, so ist der persönliche Kontakt, die körperliche Nähe und die menschliche Empathie einfach nicht ersetzbar.


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