Copenhagen Pride

So hört sich der erste geschlechtslose Sprachassistent an

Siri, Alexa und der Google Assistant
© Alexander Schulte
Siri, Alexa und der Google Assistant
Bisher haben Tech-Unternehmen die Stimmen ihrer Sprachassistenten an den vermeintlichen Bedürfnissen der Hörer ausgerichtet: Männliche Stimmen für autoritäre Rollen, etwa in der Banken- und Versicherungsbranche, weibliche für dienstleistungsorientierte Assistenten wie Siri und Alexa. Die Vice-Agentur Virtue hat nun auf der Digitalkonferenz SXSW den ersten geschlechtslosen Sprachassistenten vorgestellt.
Mit der laut Virtue "ersten genderlosen Stimme der Welt" namens Q wollen die Kreativen die Gender-Voreingenommenheit in der Techbranche beenden und eine stärkere Inklusion in der Sprachtechnologie ermöglichen. Wenn es nach der Vice-Agentur geht, soll die Stimme künftig zum Standard in Bussen, U-Bahnen oder in Games werden.
Entwickelt wurde Q zusammen mit Anna Jørgensen, Linguistin und Forscherin an der Universität Kopenhagen, indem fünf Stimmen aufgenommen wurden, die nicht typisch männlich oder weiblich sind. Mit Hilfe einer speziellen Software verschob man sie in den geschlechtsneutralen Bereich. Anschließend bewerteten europaweit 4600 Teilnehmer die modulierten Stimmen auf einer Skala von 1 (männlich) bis 5 (weiblich). So wurde die Stimme angepasst und erneut getestet, bis sie als geschlechtsneutral empfunden wurde.


Beteiligt an dem Projekt war auch Copenhagen Pridedas größte jährliche Menschenrechtsfestival Dänemarks, das sich auf LGBT-Themen konzentriert und sich für die Bekämpfung einschränkender Stereotypen einsetzt. "Technologie sollte nicht in veralteten, sondern in neuen kulturellen Maßstäben verankert sein", begründet Ryan Sherman, Senior Creative bei Virtue Nordics mit Sitz in Kopenhagen, diese Arbeit.
Apple, Microsoft, Google und Amazon bedienen mit ihren Sprachassistenten Siri, Cortana, dem Google Assistant und Alexa typische Geschlechterrollen und vertrauen auf angenehm klingende Frauenstimmen. Tatsächlich haben die Nutzer bei den meisten Anbietern auch die Möglichkeit, die standardmäßig eingestellten Frauenstimmen in männliche umzustellen. Geschlechtsneutrale Stimmen hingegen haben die großen Tech-Unternehmen noch nicht im Angebot. ron
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