Krisenkommunikation

Wie die Videokonferenzsoftware Zoom erfolgreich mit Kritik umgeht

   Artikel anhören
Zooms Kommunikation in der Krise ist beispielhaft für Tech-Konzerne und liefert Anschauungsunterricht für alle Art Firmen.
© Zoom
Zooms Kommunikation in der Krise ist beispielhaft für Tech-Konzerne und liefert Anschauungsunterricht für alle Art Firmen.
Im März beschliesst der Bundesrat den Lockdown: "Bleibt zu Hause". Es schlägt die Stunde von Zoom. Über Nacht erobert die Videokonferenzsoftware schweizweit die Schul- und Home-Office-Stuben. Dabei erweist sich die genial nutzerfreundliche Software als sicherheitstechnisch bedenklich. Zoom CEO Eric S. Yuan gesteht Versäumnisse ein und legt einen ambitionierten 90-Tage-Verbesserungsplan vor. In der Serie "90-Day Security Plan Progress Report" berichtet das Unternehmen beinahe täglich über neue Sicherheitsmassnahmen, die zum Schutze der Nutzerinnen und Nutzer implementiert werden.

ZOOM - Veni, Vidi, Vici

Keine Frage, Zoom wurde überrannt. Keiner konnte den Ansturm kommen sehen. Veni, Vidi, Vici - Zoom kam, sah und siegte. Aber bei Recherchen über Berichte aus den USA, wo Zoom seit längerem begehrt ist, kamen seit längerem bekannte, teils haarsträubende Sicherheitsmängel zum Vorschein. Horizont Swiss hat darüber berichtet. Dem durchschlagenden Erfolg von Zoom konnte all das wenig anhaben. Im Gegenteil: Gemäss einer Umfrage ist Zoom bei den eigenen Mitarbeitenden sehr beliebt. Auch darüber hat Horizont Swiss berichtet. Und der Wert der Zoom-Aktie, die an der Nasdaq gehandelt wird, hat sich zur Freude seiner Aktionäre seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht.

Fehler Eigestehen, entschuldigen, Besserung geloben 

In einem ersten Blogbeitrag zu dieser Zeit im März schreibt Zoom-CEO Eric S. Yuan, dass man sich bewusst sei, dass man die Erwartungen der Gemeinschaft und damit auch die eigenen Erwartungen an die Privatsphäre und Sicherheit nicht erfüllt habe. Rückblickend markiert dieser Post den Start einer beispiellosen Krisenkommunikationsoffensive. Zooms Vorgehen kann durchaus als Lehrstück moderner Krisenkommunikation angesehen werden: Eingestehen, entschuldigen, Besserung geloben und sehr offensiv kommunizieren. Wobei die Kommunikation eifrig aufklärerisch, häufig und direkt vom CEO daherkommen sollte.
Und welche Massnahmen standen gestern Donnerstag auf dem Zoom-Verbesserungsprogramm?

Zoom ist jetzt GCM-verschlüsselt

Eine der wirkungsvollsten Änderungen, die man bisher vorgenommen habe, ist Zoom 5.0, das die AES-256-Bit-GCM-Verschlüsselung unterstützt, einen der sichersten Verschlüsselungsstandards, die heute verwendet würden. Diese Verschlüsselung wurde am 30. Mai systemweit aktiviert und steht nun allen Anwendern - kostenlosen und kostenpflichtigen - zur Verfügung. Auf der Zoom 5.0-Webseite erfahre man mehr über die auf der Zoom-Plattform verfügbaren Sicherheitsverbesserungen zu

End-to-End-Verschlüsselungsdesign

Man setze die Implementierung der End-to-End-Verschlüsselungsdesignphasen fort, schreibt Zoom weiter im Blogbeitrag: "Wir haben unseren Entwurf am Freitag, dem 22. Mai, auf GitHub veröffentlicht und sind dabei, Diskussionen mit Kryptographie-Experten, gemeinnützigen Organisationen, Interessenverbänden, Kunden und anderen zu führen, um weitere Details auszutauschen und Feedback für den endgültigen Entwurf einzuholen." Sobald man dieses Feedback für die Integration in ein endgültiges Design ausgewertet habe, würde man den Einsatz eines End-to-End-Verschlüsselungsangebots für Zoom-Benutzer bekannt geben. Die Ent-to-End-Verschlüsselung, wie sie WhatsApp erfolgreich anwendet, würde zweifellos ein Meilenstein im Streben von Zoom nach Sicherheit bedeuten. Lesen Sie den ganzen Blogbeitrag über aktuelle Sicherheitsfortschritt hier im Zoom Blog


Wie gefährlich ist Zoom?
© Bilder: Zoom Media Kit
Mehr zum Thema
Videokonferenzsoftware

Wie gefährlich ist Zoom?

Diese Geschichte mag vertraut klingen: Ein Technologieunternehmen sonnt sich im Schein des viralen Benutzerwachstums. Die Userschaft in wenigen Wochen verzwanzigfacht. Die Bewertung an der Börse verdoppelt. Mehr noch, es wird zu einem kulturellen Phänomen, das von Nutzern aller Altersgruppen geliebt wird. Die Videokonferenzsoftware Zoom ist in unser Leben geplatzt. Zoom hat gute Seiten aber auch schwierige Seiten.









Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats