Zero-Waste Konzept

Migros-Tochter Tegut setzt auf unverpackte Lebensmittel

Die Migros-Tochter Tegut ist ihrer Mutter in Sachen Müllvermeidung voraus.
© Tegut
Die Migros-Tochter Tegut ist ihrer Mutter in Sachen Müllvermeidung voraus.
Was Migros in der Schweiz noch nicht so recht gelungen ist, testet Tegut, eine deutsche Tochter der Detailhändlerin nun in einem ersten Markt in Fulda. Ab sofort können Kunden Reis, Cerealien, Hülsenfrüchte, Nusskerne und ähnliches verpackungsfrei einkaufen. Insgesamt 144 Lebensmittel – alle in Bio-Qualität – werden lose angeboten. Davon können die Schweizer, wo Plastikverpackungen im Detailhandel noch gang und gäbe sind, noch träumen, wie eine Studie des Schweizer Konsumentenschutz ergab.

Bei tegut hingegen können Kunden nun ihre eigenen Gefässe mitbringen oder kompostierbare Papiertüten vor Ort nutzen und sich selbst die gewünschten Mengen abfüllen. Fulda ist der erste Markt, in dem die Migros-Tochter ihr „Zero-Waste“-Konzept testet. Vorerst mit zwei „Unverpackt“-Regalreihen, die direkt neben dem – im Gegenzug nicht immer unverpackt ausliegenden - Obst- und Gemüse zu finden. „Wir freuen uns sehr, den vielen Kundenanfragen damit entgegenzukommen und ein so großes Sortiment verpackungsfrei anbieten zu können“, erklärt Daniel Henkel, Bereichsleiter Einkauf Lebensmittel. „Bereits in den ersten Tagen sei man schon auf großes Kundeninteresse gestossen. „Wir werden im Herbst deshalb auch in unserem neuen Markt in Heidelberg die Unverpackt-Regale installieren.“ Mit Lebensmitteln erweitert Tegut sein Sortiment an verpackungsfreien Produkten. Einige Drogerie- und Kosmetikartikel gibt es bereits seit einiger Zeit hüllenlos.



Das Migros-Konzept

Wird die Unternehmensmutter Migros hier nachziehen? Zumindest hat sie große Pläne. Schon 2013 hat die Detailhändlerin eine Strategie für ökologischere Verpackungen erarbeitet. Schrittweise sollen dabei die Verpackungen der Eigenprodukte aus der Migros-Industrie bis 2020 optimiert werden. Getreu dem Motto „Vermeiden – Vermindern – Verwerten“ setzt die Migros auf verschiedene Lösungen, um die Verpackungen ökologischer zu gestalten: Sie setzt - wo möglich - weniger Verpackung ein, nutzt rezyklierte Materialien oder verpackt ihre Ware anders, beispielsweise Papier aus nachhaltigen Quellen oder Beutel anstatt Dose. Zählt man sämtliche Optimierungen zusammen, sollen bis 2020 insgesamt über 6000 Tonnen Verpackungsmaterial umweltfreundlicher gestaltet werden. Außerdem habe man sich zum Ziel gesetzt, den Offenverkauf von Bio-Früchten und -Gemüsen im laufenden Jahr zu verdoppeln. Bereits heute würden zahlreiche Bio-Produkte unverpackt angeboten. Doch deren Schutz und damit die Vermeidung von Food Waste stehen bei der Detailhändlerin nach wie vor im Vordergrund.


Schweizer Detaillisten: Bioprodukte in Plastik

Soweit die Theorie. Und nun die Praxis. In Sachen Verpackung tun sich die Schweizer Detaillisten nämlich allesamt nicht hervor. Selbst Bio-Produkte sind zu mehr als 80 Prozent in Plastik verpackt. Das ergab eine aktuelle Stichprobe der Stiftung Konsumentenschutz. Besser sieht es ausgerechnet bei konventionellen Produkten aus. Die Verbraucherorganisation prüfte in zehn Läden von Migros, Coop, Denner, Aldi und Lidl in Basel und Bern die Verpackungen von Gurken, Tomaten, Karotten, Peperoni und Äpfeln. Insgesamt 54 Prozent der angebotenen Produkte – ob Bio oder konventionell – waren dabei in Plastik eingehüllt. Bei Migros, Lidl und Denner wurden sogar alle erhobenen Bio-Produkte in einer Plastikhülle verkauft. Bei Coop waren dies 78 Prozent und bei Aldi 63 Prozent.

Anders erwies sich das Verhältnis der verpackten und unverpackten Ware bei konventionell angebautem Gemüse und Obst: „Nur“ 44 Prozent der untersuchten Sorten waren in Plastik verpackt. Bei Coop waren es 21 Prozent der konventionellen Gemüse- und Obstsorten, bei Migros 47 Prozent, bei Lidl 50 Prozent, bei Denner 52 Prozent und bei Aldi 60 Prozent.

Für Bio-Konsumenten, welche in der Regel besonderen Wert auf umweltfreundlichen Konsum legen, sei das doppelt ärgerlich“, so der Verband. Der Grund für die etwas absurde Missverhältnis liegt im Schweizer Lebensmittelgesetz. Demnach muss nämlich sämtliche Bio-Ware gekennzeichnet sein und von konventioneller Ware unterschieden werden können. Viele Detailhändler haben sich deshalb entschieden, bei den immer noch weiter verbreiteten konventionellen Produkten auf Plastik zu verzichten und dafür Bio-Produkte einzupacken.

„Trotz Beteuerungen, dass man Alternativen zur Plastikverpackung einführen will, ist noch wenig geschehen. Insbesondere die Discounter scheinen die Plastikverpackung noch kaum in Frage zu stellen“, so das Fazit der Stiftung Konsumentenschutz. Alternativen zu Plastik wie zum Beispiel Netze aus Zellulose oder Kartons aus Graspapier hätten sie nicht gefunden, teilte die Stiftung Konsumentenschutz mit. Auch Mehrwegsäckchen seien nur bei Coop und Migros angeboten worden. Doch auch diese brächten wenig, wenn Gemüse und Obst bereits in Plastik verpackt seien. Die Aussichten auf ein „Zero-Waste-Konzept wie bei der Migros-Tochter Tegut stehen daher eher schlecht.

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