Versandhandel-Apotheken

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn setzt Doc Morris unter Druck

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Doc Morris darf nach dem heutigen Kabinettbeschluss Gesetzlich Versicherten in Deutschland keine Boni mehr auf verschreibungspflichtige Medikamente einräumen
© Doc Morris / Screenshot
Doc Morris darf nach dem heutigen Kabinettbeschluss Gesetzlich Versicherten in Deutschland keine Boni mehr auf verschreibungspflichtige Medikamente einräumen
Jens Spahn hat es geschafft. Der deutsche Gesundheitsbundesminister hat seine Apothekenreform durch das Kabinett gebracht. Damit dürfen unter anderem Versandapotheken keine Rabatte mehr auf rezeptpflichtige Medikamente gewähren. Davon betroffen ist Doc Morris, Tochter des Schweizer Arzneimittelversenders Zur Rose-Gruppe
Vermutlich liegen jetzt die Hoffnungen in Heerlen am Stammsitz von Doc Morris und im schweizerischen Frauenfeld am Sitz der Muttergesellschaft Zur Rose Group AG auf den europäischen Gremien und dem Verhandlungsgeschick von Lobbyisten. Denn heute hat in Berlin das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel den Weg frei gemacht für eine Apothekenreform.


Das im Juristendeutsch getaufte Apothekenstärkungsgesetz sieht unter anderem vor, dass gesetzlich Versicherte künftig denselben Preis für verschreibungspflichtige Arzneimittel (Rx-Medikamente) zahlen, unabhängig davon, wo die Patienten das Produkt kaufen. Das bedeutet Versandapotheken wie Doc Morris dürfen den Kunden keine Rabatte mehr einräumen. Trotzdem fällt die Bewertung der Entscheidung zurückhaltend aus, auch weil das Gesetzesvorhaben nun seinen parlamentarischen Gang geht. "Selbstverständlich verfolgen wir die Entwicklungen im gesetzlich angestrebtem Bonus-Verbot für EU-ausländische Apotheken.

Bereits im April hatte die Bundesregierung der Europäischen Kommission schriftlich zugesagt, für ein Gespräch zur Erläuterung des Gesetzentwurfs zur Verfügung zu stehen", heisst es gegenüber HORIZONT SWISS auf Anfrage. Die aktuell kommunizierte Abstimmung des Apothekenstärkungsgesetzes seitens des Gesundheitsministers mit der EU-Kommission begrüße Doch Morris ausdrücklich. Und weiter. "Wir sind der Auffassung, dass es eine Kompromiss-Lösung gibt, die alle Aspekte und Beteiligte berücksichtigt. Wir müssen nun die Gespräche zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission zum deutschen Gesetzesvorhaben, EU-ausländischen Apotheken den Bonus auf verschreibungspflichtige Arzneimittel erneut zu verbieten, abwarten."


Kommt es am Ende zu einem harten Verbot, könnte Doc Morris klagen, das in den vergangenen Jahren viel Geld in den Markenaufbau in Deutschland investiert hatte. Im Herbst 2016 hatte der Europäische Gerichtshof Online-Apotheken aus dem EU-Ausland erlaubt, deutschen Kunden Rabatte einzuräumen. mir
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