Veranstalter-Krise

Petition fordert Verzicht auf 1000er-Regel bei Sportveranstaltungen

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Ein Bild aus besseren Tagen: Stade de Suisse, Cupfinal 2018. Am 12.8.2020 beschliesst der Bundesrat, wie es mit der 1000er-Regel für Veranstaltungen weitergehen soll.
© Hürlimann
Ein Bild aus besseren Tagen: Stade de Suisse, Cupfinal 2018. Am 12.8.2020 beschliesst der Bundesrat, wie es mit der 1000er-Regel für Veranstaltungen weitergehen soll.
Ein Komitee namens SaveSwissSport fordert den Bundesrat auf, auf die 1000er-Regel zu verzichten. Dies, nachdem klar ist, dass die Krise die Schweiz noch länger beschäftigen wird und zur neuen Normalität werden könnte. Es sei deshalb an der Zeit, so die Initianten, die bestehenden Massnahmen so anzupassen, dass sie nicht nur kurzfristig effizient, sondern auch langfristig tragbar wären. Das gelte ganz besonders für die sogenannte «1000er Regel», dem Verbot von Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern. Bislang haben rund 12'000 Personen die Petition unterschrieben.
Die Reglung habe die Sportwelt praktisch zum Erliegen gebracht und diese würde sich nun langsam wieder aufrappeln. Als Sportfans man in der kürzlich zu Ende gegangenen Fussballsaison eindrücklich erleben, dass Sport ohne Zuschauer, Sport ohne Seele ist. Es fehlt Begeisterung, Leidenschaft und Freude, sowohl bei den Fans wie auch bei den Spielern – und es fehlen Einnahmen. Einnahmen aus Ticketing, Sponsoring und TV-Rechten, die es zum Überleben braucht, wie die Initianten der Petition schreiben. Einnahmen mit welchen tausende Arbeitsplätze finanziert würden und am Ende auch kollektive Erlebnisse wie Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften oder gar olympischen Spielen ermöglicht würden.

Am 12. August nun wird der Bundesrat darüber entscheiden, ob die 1000er-Regel weiterhin Bestand haben wird. Er wird damit darüber entscheiden, ob die Vereine finanziell überleben können, ob es überhaupt eine nächste Saison geben wird, steht es auf der Webseite weiter. Ein dramatischer Appell. Er würde über das Überleben ganzer Branchen entscheiden. Mit der «1000er Regel» können die Sporteventveranstalter, Profiligen und Clubs aber keinen finanziell nachhaltigen Betrieb gewährleisten. Es sei an der Zeit, diese zu überdenken!

Der Bundesrat könne die 1000er-Regel mit gutem Gewissen aufheben, denn er hat mit seinen allgemeinen Verhaltensgrundsätzen wie das «Einhalten von Hygienestandards», «Maske tragen», «Abstand halten» und «Rückverfolgbarkeit», die Basis für Schutzkonzepte gelegt, die ohne pauschale Obergrenzen funktionieren können. Er vertraut diesen Verhaltensgrundsätzen bereits heute bspw. im öffentlichen Verkehr, in der Gastronomie, bei Demonstrationen oder auch bei seinen eigenen Sitzungen. Die Ligen und Clubs verfügen zudem bereits jetzt über ihre eigenen Schutzkonzepte und haben diese den Behörden zukommen lassen. Mit dieser Petition fordere man den Bundesrat auf, auf die 1000er-Regel zu verzichten und durch seine allgemeine Verhaltensgrundsätze sowie spezifische Schutzkonzepte zu ersetzen. Damit ermögliche er nicht nur einen sicheren Sport sondern auch einen mit sicherer Zukunft.

Überraschende Schützenhilfe von "Mr. Corona"

Im Blick äussert sich der ehemalige Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) Daniel Koch, der inzwischen Eishockey-Klubs wegen Corona-Massnahmen berät, für eine Lockerung der aktuellen 1000-erRegel. In Österreich erlaube man zum Beispiel die Salzburger Festspiele - mit nummerierten Plätzen, damit man wisse, wo die Leute sässen. Im Kern gehe es um die Rückverfolgbarkeit der Infektionskette. Wenn man 10'00 oder 20'000 Personen zusammen habe, würde es positive Fälle darunter haben. Wenn man danach einen dieser Fälle entdecken würde, müsse man wissen, wo die Leute waren und mit wem sie in Kontakt waren, um sie isolieren zu können. Das funktioniere aber nur, wenn die Infektionszahlen tief seien und man die Leute rasch entdecken würde, so Koch weiter im Blick-Interview. Entwarnung gibt Koch aber nicht, denn er sagt auch: "Man kann derzeit gar nicht zu viel in die Bekämpfung investieren. Wenn man an die Schäden denkt, die sonst entstehen."



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