Wegen unfairem Wettbewerb

ZIP.ch beschwert sich bei der Weko gegen Swisscom-Tochter localsearch

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ZIP.ch, Online-Verzeichnis und Digitalagentur für KMU, hat bei der Wettbewerbskommission (Weko) Beschwerde gegen Swisscom und ihre Tochtergesellschaft Swisscom Directories SA/localsearch wegen mehrfachen Verstössen gegen das Kartellgesetz eingereicht.Grund ist das neue Produkt Swiss List.
Seit dem 1. April 2019 schickte localsearch allen selbständig Erwerbenden und Unternehmen, die in ihren Verzeichnissen unter einer oder mehreren Rubriken aufgeführt sind, d.h. mehr als 300.000 Unternehmen, einen Brief mit allen Merkmalen einer einfachen kommerziellen Werbung, der aber ohne ausdrückliche Reaktion des Empfängers innerhalb von 30 Tagen zum automatischen Vertragsabschlusses des neuen Swiss List Starter, und somit zur Erhöhung des bisherigen Betrages von 22.90 Franken für eine Rubrik auf 59.90 Franken pro Jahr führte.


Mit Swiss List Starter zwinge localsearch mehr als 300.000 Unternehmen de facto dazu, allein dafür zu zahlen, dass die Verlinkung der Rubrik im Verzeichnis jetzt automatisch mit der Erstellung eines Profils bei Google My Business und Bing erfolgt, kritisiert nun ZIP.ch, Online-Verzeichnis und Digitalagentur für KMU. Zudem zwinge so localsearch Unternehmen mit einer aktiven Rubrik, die ein wesentliches Element der Publikation im Verzeichnis darstellt und kein besonderes Risiko darstellt, zusätzliche Dienstleistungen (Google- und Bing-Profile) anzunehmen, die ganz unterschiedlicher Natur sind und ihrerseits spezifische Risiken mit sich bringen, einschliesslich der Übernahme ihrer Daten über Google und Bing durch localsearch und der Exposition gegenüber Meinungen und Empfehlungen von Internetnutzern. ZIP.ch hält dies für " Inakzeptable Praktiken zu dreifachen Kosten".

Zudem, so ZIP.ch, werde mit dem Vorgehen von localsearch der gesamte Markt für digitale Online-Marketing-Lösungen auf Kosten von Tausenden anderer Anbieter in der Schweiz blockiert. Die Rubrik sei ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Verzeichnisses. "Wenn ein Benutzer nach einer Dienstleistung sucht, ermöglicht ihm nur eine Suche nach Kategorie den Zugriff auf eine Liste von Fachleuten, die diesen Service oder diese Dienstleistung erbringen können" schreibt ZIP.ch Dies sei beispielsweise bei der Suche nach einem Kinderarzt (Abteilung Pädiatrie) oder einem Rettungsdienst in einer bestimmten Ortschaft der Fall.


ZIP.ch hat sich deshalb bei der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) gegen Swisscom (Suisse) SA und ihre TochterSwisscom Directories SA/localsearch wegen mehrfachen Verstössen gegen das Kartellgesetz (KG) beschwert. Probleme in Sachen fairem Wettbewerb sieht ZIP.ch insofern, als localsearch schon mehr als 300.000 Unternehmen gezwungen habe, einen ersten digitalen Marketingvertrag abzuschliessen, dessen Mindestleistungen den Abschluss künftiger Verträge über ähnliche Dienstleistungen garantieren (die gleichzeitige Verwaltung von Online-Inhalten durch mehrere Dienstleister ist unmöglich) und auch den Abschluss von Verkäufen für ihre anderen digitalen Marketingprodukte erleichtern werden. So habe localsearch durch ihre dominante oder gar
monopolistische Stellung auf dem Verzeichnismarkt ein missbräuchliches und beispielloses Manöver eingeleitet, das darauf abzielt, den gesamten Markt für digitale Marketinglösungen mit dem Produkt Swiss List Starter zum Nachteil Tausender anderer in der Schweiz auf diesem Gebiet tätiger Akteure zu blockieren. ZIP.ch fordert deshalb die Weko auf, die Swiss List Starter-Verträge zu kündigen und die Rubrik als eigenständige Dienstleistung zu erhalten.
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