TikTok

Von vielen geliebt, von manchen gefürchtet

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© hürlimann
Alleine in Indien und den USA verzeichnet die Videosharing-App TikTok der chinesischen Firma ByteDance seit Anfang 2020 99.8 respektive 45.6 Millionen Downloads. In Indien ist TikTok auf einer Liste chinesischer Apps gelandet, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit angesehen werden und auch US-Aussenminister Mike Pompeo sagte, die Trump-Administration erwäge, einige chinesische Apps zu blockieren. Nun hat auch Amazon seine Mitarbeitenden zum Löschen von TikTok aufgefordert.

Gefürchtet

Im Dezember forderte das US-Verteidigungsministerium ihr Militärpersonal auf, die App  von der Regierung ausgestellten Telefonen zu löschen . Im selben Monat warnte das Demokratische Nationalkomitee Kampagnen, Komitees und Vertragsstaaten vor TikToks "chinesischen Beziehungen und der möglichen Rücksendung von Daten an die chinesische Regierung". Wie die New York Times berichtet, hat jetzt auch Amazon am Freitag seine Mitarbeitenden in einer E-Mail aufgefordert, die TikTok App zu löschen. In einer Erklärung, die fünf Stunden später nachgereicht wurde, sagte Unternehmenssprecherin Kristin Brown: „In Bezug auf TikTok gibt es derzeit keine Änderungen an unseren Richtlinien.“ Die App musste also nicht gelöscht werden. Dennoch zeigt diese Massnahme von Amazon, wie sehr TikTok unter Druck geraten ist. Grund dafür ist zum einen der von fehlender Transparenz gekennzeichnete Umgang mit Daten, wobei das Unbehagen darüber eigentlich alle Social-Media-Netzwerke betreffen sollte.

Geliebt

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TikTok erfreut sich einer explosionsartig wachsenden Beliebtheit, weil es den aus Social Media hervorgegangenen Zeitgeist wie keine andere Applikation adressiert. Insbesondere der Möglichkeit, selber kreativ zu sein, öffnet diese App, die auch als Videostudio in der Hosentasche bezeichnet wird, Menschen Tür und Tor ins Reich der kreativen Selbstinszenierung. Über den Marketingeinsatz von TikTok sagte VW-CMO 
Jochen Sengpiehl kürzlich gegenüber HORIZONT: "Nehmen Sie TikTok, da entsteht gerade ein weltweiter Hub mit tausenden von kreativen Leuten, also eine Art Crowdfunding für Kreation."
Jochen Sengpiehl
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Entsprechend fürchten jetzt viele Benutzer und Influencer, die Community und Business auf TikTok aufgebaut haben, umfassende Verbote. Einige Amazon-Mitarbeiter zeigten sich öffentlich bestürzt darüber, dass sie die App nicht nutzen können.

Läuterung

ByteDance hat eine Reihe von Schritten unternommen, um auf die Bedenken zu reagieren. Das Unternehmen sagte, dass die persönlichen Daten der Benutzer in den USA und nicht in China gespeichert würden. Im Mai beauftragte ByteDance Kevin Mayer, einen ehemaligen Disney-Manager, als Geschäftsführer von TikTok mit Sitz in Los Angeles. Es heisst, dass Manager außerhalb Chinas wichtige Aspekte seines Geschäfts, einschliesslich der Regeln für Daten, entscheidend beeinflussen.

Rückzug

Am vergangenen Montag gab TikTok ausserdem bekannt, dass es sich aus App-Stores in Hongkong zurückziehen werde, wo ein neues nationales Sicherheitsgesetz aus China erlassen wurde. Das Unternehmen sagte, es würde die App für Benutzer dort innerhalb weniger Tage funktionsunfähig machen. Die Furcht vor TikTok grassiert also nicht nur im Lande der grossen GAFAM-Techgiganten, sondern auch in China selbst.
„Erfolg ist so ziemlich das letzte, was einem vergeben wird.“
Truman Capote, US-Drehbuchautor und Schriftsteller
Fakt ist, TikTok erfreut sich weltweit grosser Beliebtheit, auch in der Schweiz. Der Einschätzung von Jochen Sengpiehl folgend, sollten Unternehmen den Einsatz von TikTok auf jeden Fall prüfen. Und wie bei allen neuen Entwicklungen gilt aus Usersicht: First come, first serve!
TikTok in den USA
Die Video-App hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen , insbesondere bei Teenagern und jungen Erwachsenen, die damit kurze Videos erstellen und teilen. Die App hat ihre eigenen Influencer geprägt, und Prominente veröffentlichen auch ihre eigenen Videos darauf. Junge Leute auf TikTok haben kürzlich ihre politische Schlagkraft unter Beweis gestellt, indem sie behaupteten, potenziell Hunderttausende von Tickets für eine der jüngsten Wahlkampfveranstaltungen von Präsident Trump registriert zu haben, ohne aber effektiv erschienen zu sein. Die App wurde nach Angaben des Analyseunternehmens Sensor Tower weltweit rund zwei Milliarden Mal heruntergeladen . Etwa 170 Millionen dieser Downloads stammten von Benutzern in den USA. Es wurde mehr als 610 Millionen Mal in Indien installiert. 


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