TikTok-Streit

Zwischen Hammer und Amboss

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© TikTok
Trump will TikTok verbieten, China protestiert und TikTok selbst gibt sich in einer Mitteilung geschockt. Folgern lässt sich, TikTok ist relevant, umworben und der Mutterkonzern Bytedance unternimmt alle Anstrengungen, die weltweit enorm beliebte Video-App im Spiel zu halten. Eben hat das Unternehmen den Aufbau eines Datenzentrums in Irland angekündigt und in einer Mitteilung vom Freitag angedeutet, das US-Geschäft an ein amerikanisches Unternehmen verkaufen zu wollen.
Am vergangenen Donnerstag (6.8.) hat Donald Trump wiederholt bekanntgegeben, TikTok zu verbieten, sofern sich bis am 15. September kein Käufer für den amerikanischen Zweig finden liesse. In einer Mitteilung zeigt sich TikTok über die Executive Order des US-Präsidenten schockiert und führt eine Reihe von Argumenten auf, die, wie TikTok meint, gegen ein Verbot sprechen würden:
  • Man habe in der Vergangenheit die Absicht deutlich gemacht, mit den zuständigen Behörden eine Lösung zu erarbeiten, bei der sich die BenutzerInnen, Creators, Partner, Angestellten und die ganze Gesellschaft in den USA wiederfinden können.
  • Der Text der Executive Order mache deutlich, so TikTok, dass man sich in der Bewertung der Tiktok-App auf unbenannte „Berichte" verliesse, ohne Quellen zu nennen. Auch würden Befürchtungen angeführt, dass die App für Fehlinformations-Kampagnen „verwendet werden könnte", ohne diese zu belegen. Schliesslich würden Bedenken bezüglich der Sammlung von Daten geäussert, die man jedoch gemäss einem globalen Standard umsetzen würde, der für mobile Anwendungen auf der ganzen Welt gelte.
  • TikTok beteuert weiter: Man habe immer wieder deutlich gemacht, dass TikTok niemals Nutzer-Daten an die chinesische Regierung weitergegeben habe oder Inhalte auf ihren Wunsch zensieren würde. Im Gegenteil stelle man die Moderationsrichtlinien und den Quellcode des Algorithmus im eigenen Transparency Center zur Verfügung. Das sei ein Mass an Transparenz, zu dem sich bislang keiner unserer Mitbewerber verpflichtet habe. Man habe sogar die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, das US-Geschäft an ein amerikanisches Unternehmen zu verkaufen.
  • Mit dieser Executive Order liefen die Vereinigten Staaten Gefahr, das Vertrauen globaler Unternehmen in ihre Rechtsstaatlichkeit zu untergraben – ein Garant für Investitionen und jahrzehntelanges Wirtschaftswachstum. Das Vorgehen schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall, der freie Meinungsäußerung und offene Märkte auf Dauer beschädigen würde . Man werde alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel nutzen, um sicherzustellen, dass die Rechtsstaatlichkeit weiterhin respektiert und das Unternehmen und deren NutzerInnen fair behandelt würden – wenn nicht von der Regierung selbst, dann von den US-Gerichten.

Sogar die NZZ schreibt, in den Diskussionen rund um Tiktok und das chinesische Pendant Douyin gerate oft in Vergessenheit, dass die beiden Einheiten voneinander getrennt seien und chinesische Nutzerinnen und Nutzer sich nicht auf der App von TikTok anmelden könnten. Man muss hier natürlich in Erinnerung rufen, dass Menschen innerhalb Chinas praktisch auf keine nicht chinesischen Webseites oder Applikation zugreifen können. China ist web- und social-media-mässig abgeriegelt. Die entsprechende Liste gesperrter Dienste auf Wikipedia befindet sich hier. Dabei wäre es ja gerade wünschenswert, die grosse kreative Domyin-Community auch auf TikTok begrüssen zu dürfen. Umso erstaunlicher die Reaktion Pekings und die von Bytedance, Betreiberin von TikTok, denen die Verfügung des US-Präsidenten Donald Trump eigentlich vertraut vorkommen müssten.



TikTok
© Kon Karampelas auf Pixabay
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