Tamedias Druckzentrum Bern

Nach Totalausfall wurden gestern 10 Zeitungen in Zürich mit vorgezogenem Redaktionsschluss gedruckt

Das Druckzentrum Bern erhält mit Matthias Kobel einen neuen Leiter.
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Das Druckzentrum Bern erhält mit Matthias Kobel einen neuen Leiter.
Tamedia zeigte gestern eine erstaunliche Zurückhaltung in Sachen Kommunikation: Trotz Totalausfall der Druckmaschine im DZB Druckzentrum in Bern und einer "Notfallübung" in Zürich, die zehn Zeitungen redaktionell beeinträchtigte, wurde gestern nichts kommuniziert. Erst die betroffenen Zeitungen selbst meldeten die Probleme heute früh.
"Gestern Mittag um zwölf Uhr hielten die Druckmaschinen des DZB Druckzentrum Berns an – und konnten bis Redaktionsschluss nicht mehr gestartet werden." Mit diesen Worten beginnt Tamedias "Basler Zeitung" (BaZ) heute auf ihrer Front eine kurze Meldung "In eigener Sache" und dem lapidaren Titel "Stillstand".
So vermeldete die BaZ heute den gestrigen Totalausfall in Bern. (Meldung rechts).
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So vermeldete die BaZ heute den gestrigen Totalausfall in Bern. (Meldung rechts).
Gemäss dieser Meldung, gezeichnet von Lukas Lampart, Teamleiter Produktion Basel, mussten die BaZ und neun weitere (ungenannte) Zeitungen wegen dieses Totalausfalls notfallmässig ins Druckzentrum nach Zürich ausgelagert und im Eiltempo gestaffelt gedruckt werden.
Trotz eines um fast 4 Stunden vorgezogenen Redaktionsschlusses reichte es der BaZ noch für diese Info auf der Front.
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Trotz eines um fast 4 Stunden vorgezogenen Redaktionsschlusses reichte es der BaZ noch für diese Info auf der Front.
Das führte bei den zehn Titeln zu vorgezogenen Redaktionsschlüssen: So konnten die BaZ-Journalisten gestern Abend schon um 20 Uhr zum Feierabend-Bier – statt wie normal um 23.45 Uhr. Allerdings fehlen der BaZ heute auch diverse Inhalte: Sportinteressierte vermissen die Resultate der Champions League und des Cupspiels zwischen Luzern und YB, Glücksspieler und andere Zocker müssen heute auf die Lottozahlen und die Daten der Anlagefonds verzichten. Und wahrscheinlich fanden auf der "Letzten Seite" sowie in den News-Spalten nicht immer die aktuellsten Meldungen Einzug (doch das schrieb die BaZ nicht).


Doch welche Zeitungen ausser der BaZ waren vom Totalausfall betroffen? Und wie geht es heute weiter? Und vor allem: Warum kommunizierte Tamedia nicht proaktiver? Auf eine entsprechende Anfrage von HORIZONT Swiss präzisierte die Kommunikationsabteilung von Tamedia heute um 10.30 Uhr, dass die Produktion mehrerer Zeitungen nicht nur ins Druckzentrum in Zürich, sondern auch in jenes von Tamedia in Lausanne verschoben worden seien. Neben der BaZ seien auch die Titel "BZ Berner Zeitung", "Der Bund", "Berner Oberländer", "Thuner Tagblatt", "20 Minuten" Bern und Basel sowie "La Gruyère", "Freiburger Nachrichten" und "La Liberté" tangiert gewesen. Es hätten alle Zeitungen "rechtzeitig gedruckt und ausgeliefert werden" können, hiess es weiter.
In Freiburg scheint man nicht so ganz an eine völlig reibungslose Distribution geglaubt zu haben.
© Screenshot freiburgernachrichten.ch - heute um 11 Uhr.
In Freiburg scheint man nicht so ganz an eine völlig reibungslose Distribution geglaubt zu haben.
"Freiburger Nachrichten": Nur gut 200 Exemplare kamen später an
Auch die "Freiburger Nachrichten" (FN) mussten gestern einen vorgezogenen Redaktionsschluss in Kauf nehmen: Kurz nach 20 Uhr statt wie üblich kurz von 23.30 Uhr. "Man gab sich bei Tamedia alle erdenkliche Mühe, den Schaden in Grenzen zu halten", lobte Gilbert Bühler, FN-Direktor. Es habe denn auch alles geklappt. So habe man beispielswiese auch noch einen Einstecker nachgeliefert und in die Zeitungen einstecken können. Und rund 240 Exemplare, die jeweils für die Frühzustellung adressiert werden müssten, hätten heute per Post ausgelifert werden müssen, und seine deshalb später als üblich angkommen. "Wir hatten aber keine Reklamationen", zeigt sich Bühler zufrieden.

Inhaltlich hatte der vorgezogene Redaktionsschluss auch keine allzu schlimmen Auswirkungen. Einzig die Volleyball-Resultate der Frauenmannschaft "Düdingen Powercats" habe man nicht mehr mitnehmen können, ebenso die Resultate der Champions League. "Aber letztere weiss man eh schon, bevor die Zeitung erscheint", schmunzelte Bühler.


Natürlich habe es wegen der Panne gestern eine grosse Aufregung gegeben, führt der FN-Dirtektor weiter aus. "Es war ein Ereignis, das man sich selbstverständlich nicht alle Tage wünscht. Aber alles wurde sauber gehandelt." knö
Zu den Ursachen liess Tamedia nichts Konkreteres verlauten ("aufgrund technischer Probleme"), auch nicht zur Frage, weshalb nicht früher kommuniziert worden sei. Zum Letzteren erfuhr man nur so viel: "Die Leserinnen und Leser wurden auf der Front der heutigen Printausgaben von der Redaktion entsprechend über die Situation informiert." Immerhin wurde aber mitgteilt, dass die technische Störung im Druckzentrum Bern mittlerweile habe behoben werden können. "Wir gehen davon aus, dass heute Nacht wieder normal produziert werden kann, mit den üblichen Abschlusszeiten." knö


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