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Wegen des Publicitas-Konkurses 5 Millionen verloren

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Tamedia erwirtschaftete im 1. Halbjahr 2018 einen leicht geringeren Umsatz (-0.1 Prozent). Deutlicher ist der Rückgang auf Stufe EBIT (-44.6%): Der Publicitas-Konkurs kostete Tamedia 5 Millionen Franken, ein höherer Vorsorgeaufwand fast 28 Millionen Franken. Auch das normalisierte Ergebnis nach Steuern liegt mit 45.4 Millionen Franken 16.7 Prozent unter Vorjahr.
Tamedia erreichte im ersten Halbjahr 2018 mit 477.5 Millionen Franken Umsatz praktisch den Vorjahreswert von 477.8 Millionen Franken. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank hingegen deutlich um 32.9 Prozent auf 85.4 Millionen Franken (Vorjahr 127.3 Millionen Franken). Die wesentlichen Treiber dieser Entwicklung sind der stark rückläufige Print-Werbemarkt, die erfolgte Forderungs-Wertberichtigung von 5.0 Millionen Franken infolge des Konkurses des Werbevermittlers Publicitas sowie der buchhalterisch um 27.8 Millionen Franken höhere Vorsorgeaufwand nach IAS 19. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 44.6 Prozent auf 52.7 Millionen Franken (Vorjahr 95.2 Millionen Franken). Das normalisierte Ergebnis nach Steuern liegt mit 45.4 Millionen Franken ebenfalls unter dem Niveau des Vorjahres (54.5 Millionen Franken). Das Eigenkapital reduzierte sich um 1.1 Millionen Franken auf 1'968.5 Millionen Franken. Der Eigenfinanzierungsgrad liegt bei soliden 78.3 Prozent.

15 Millionen weniger Printwerbeumsatz

Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung von Tamedia, kommtentiert das Resultat in einer Mitteilung wie folgt: "Im Vergleich zum Vorjahr nahm unsere Mediengruppe auf dem Print-Werbemarkt gut 15 Millionen Franken weniger ein. Zudem mussten wir aufgrund des Konkurses von Publicitas eine Wertberichtigung hinnehmen. Diese zwei Effekte drücken aufs Ergebnis. Jedoch konnten wir gute Fortschritte in der Entwicklung unseres digitalen News-Angebots und im Bereich Marktplätze und Beteiligungen erzielen. Das lässt mich positiv ins zweite Halbjahr blicken."


Insgesamt trugen die Angebote aus dem Geschäftsfeld Marktplätze und Beteiligungen und die digitalen publizistischen Medien von Tamedia 187.7 Millionen Franken (Vorjahr: 175.6 Millionen Franken) oder 39.3 Prozent zum Gesamtumsatz bei (pro forma). Der Anteil aller digitalen Angebote am EBITDA erreichte 59.9 Millionen Franken (Vorjahr: Millionen Franken) oder 70.1 Prozent, der EBIT-Anteil 43.4 Millionen Franken (Vorjahr: 46.8 Millionen Franken) oder 82.3 Prozent. Die tieferen Beträge im Vergleich zum Vorjahr sind eine Folge der Verteilung des Vorsorgeaufwandes nach IAS 19, der 2017 um 27.8 Millionen Franken tiefer war als in der aktuellen Berichtsperiode.

Neue IFRS Standards

Die erstmalige Anwendung von IFRS 9 "Finanzinstrumente" und IFRS 15 "Erlöse aus Verträgen mit Kunden" führt dazu, dass die Debitorenverluste und die Veränderung des Delkredere (als Wertminderungen von finanziellen Vermögenswerten) neu im übrigen Betriebsaufwand erfasst werden. Das Vorjahr, in welchem diese Wertminderungen noch als Umsatzminderung erfasst wurden, ist entsprechend angepasst worden. Ansonsten sind mit der Einführung der neuen Standards keine weiteren wesentlichen Auswirkungen auf die Offenlegung in der konsolidierten Jahresrechnung zu verzeichnen.

Bezahlmedien: Rückläufiger Print-Werbemarkt und Wertberichtigung

Der Betriebsertrag des Geschäftsfeldes Bezahlmedien, das alle bezahlten Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften und Druckzentren umfasst, sank um 4.3 Prozent auf 285.0 Millionen Franken. Der Rückgang ist mehrheitlich auf rückläufige Print-Werbeerlöse zurückzuführen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) des Geschäftsfeldes Bezahlmedien ging von 37.1 Millionen Franken auf 21.6 Millionen Franken zurück. Dies entspricht einer EBITDA-Marge von 7.6 Prozent (Vorjahr 12.%). Der EBITDA-Rückgang wird durch die erfolgte Wertberichtigung von 3.0 Millionen Franken infolge des Konkurses des Werbevermittlers Publicitas, Schliessungskosten von Le Matin-Print sowie durch die tieferen Ergebnisse der Zeitungsdruckzentren geprägt, die aufgrund der Euroaufwertung mit höheren Kosten in den Bereichen Papier-, Druckplatten- und Farbeinkauf konfrontiert wurden. Das Ergebnis auf Stufe EBIT erreicht 7.4 Millionen Franken (Vorjahr 22.9 Millionen Franken). Die EBIT-Marge liegt bei 2.6 Prozent.

Pendlermedien und Vermarktung: Neo Advertising integriert

Das bisherige Geschäftsfeld "Pendlermedien" wird künftig als "Pendlermedien und Vermarktung" geführt, weil dieses – zusätzlich zum Medienverbund "20 Minuten" sowie zu den Beteiligungen an "L’essentiel", "Heute" und heute.at sowie "Metroxpress" und BT – neu die im Out-of-Home-Bereich tätige Firma Neo Advertising und zukünftig Goldbach umfasst. Im Vorjahresvergleich weist das Segment Pendlermedien und Vermarktung mit 75.8 Millionen Franken einen um 5.5 Prozent höheren Betriebsertrag aus. Der höhere Betriebsertrag ist vor allem auf die Übernahme von Neo Advertising zurückzuführen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank auf 14.7 Millionen Franken (Vorjahr 18.9 Mio. CHF). Die EBITDA-Marge liegt neu bei 19.4 Prozent (Vorjahr 26.%). Grund für den Rückgang sind insbesondere die rückläufigen Print-Werbeerlöse, die nicht ganz durch digitale Werbeformen kompensiert werden konnten sowie ebenfalls einen Wertberichtigungsanteil von 2.0 Millionen Franken wegen dem Publicitas Konkurs. Das Betriebsergebnis (EBIT) sank von 17.5 Millionen Franken auf 12.7 Millionen Franken. Die EBIT-Marge erreicht neu 16.8 Prozent (Vorjahr 24.%).

Das Geschäftsfeld Marktplätze und Beteiligungen, das sämtliche nicht-publizistischen digitalen Angebote umfasst, erreicht einen Betriebsertrag von 124.9 Millionen Franken. Dies entspricht einer Steigerung von 5.7 Prozent im Vorjahresvergleich. Insbesondere die Stellenplattformen der JobCloud AG entwickelten sich gut und bauten erneut ihr Ergebnis deutlich aus. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) des Geschäftsfeldes Marktplätze und Beteiligungen stieg in der Folge auf 53.2 Millionen Franken (Vorjahr 47.6 Millionen Franken) an. Die EBITDA-Marge erreicht neu herausragende 42.6 Prozent (Vorjahr 40.2%). Das Betriebsergebnis (EBIT) verbesserte sich von 31.1 Millionen Franken im Vorjahr auf 36.7 Millionen Franken. Die EBIT-Marge liegt bei 29.4 Prozent (Vorjahr 26.3%).

Goldbach Group – Kraftloserklärungsverfahren eingeleitet, Dekotierung geplant

Tamedia konnte nach dem positiven Entscheid der Schweizer Wettbewerbskommission Weko per 24. August 2018 gut 97 Prozent der kotierten Aktien der Goldbach Group übernehmen. Bezogen auf die im Handelsregister eingetragenen Aktien der Goldbach Group, die für die Kraftloserklärung der verbleibenden Goldbach-Aktien im Sinne von Art. 137 FinfraG relevant sind, sind bereits mehr als 98 Prozent der Aktien im Besitz von Tamedia. Eine entsprechende Klage wurde beim Handelsgericht Zürich eingeleitet. Die verbleibenden Publikumsaktionäre von Goldbach werden eine Barabfindung erhalten. Die Dekotierung der Goldbach Group AG (GBMNE) von der Schweizer Börse ist spätestens per Frühjahr 2019 geplant.

Übernahme der Mehrheit an Zattoo International AG

Tamedia erhöht seine Anteile an Zattoo International AG auf über 50 Prozent und übernimmt damit die Mehrheit. Zattoo ist in der Schweiz klarer Marktführer im Bereich Internet-TV sowie auch in Deutschland die Nummer 1. Neben dem Endkonsumentengeschäft ist Zattoo auch technischer Dienstleister für Anbieter von Kabelfernsehen und IPTV. Durch die strategische Partnerschaft zwischen Tamedia und Goldbach ergeben sich neue Synergie-Möglichkeiten für die Vermarktung von Zattoo in der Schweiz und Deutschland. Die Mehrheitsübernahme von Zattoo durch Tamedia steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die eidgenössische Wettbewerbskommission.


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