"Le Matin"

Tamedia muss seine entlassenen Mitarbeitenden weit höher entschädigen als geplant

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© zvg
In der Westschweiz  hat ein Schiedsgericht über den Sozialplan für die 41 entlassenen Mitarbeitenden von "Le Matin" entschieden: Die meisten Forderungen der "41 du Matin" werden anerkannt und sie erhalten "angemessenere" Entschädigungen! Zudem macht das Gericht gemäss Gewerkschaft Syndicom eine Grundsatzaussage zu Entlassungen.
Die vom Schiedsgericht beschlossenen Entschädigungen liegen im Durchschnitt deutlich über den Zahlungen, die Tamedia vorgeschlagen hatte, teilte Syndicom mit. Damit gebe es dem Zürcher Verlagshaus zu verstehen, dass sein Sozialplan ungenügend und nicht branchenüblich war. Zusammengefasst enthält der Sozialplan folgende Elemente:


Die Entlassenen erhalten eine Entschädigung von 3 bis 12 Monatslöhnen. Insgesamt ist die Bandbreite der Entschädigungen mehr als doppelt so gross wie im Vorschlag von Tamedia.
- Die entlassenen Personen, die eine Beschäftigung verweigerten ("Änderungskündigung"), werden vom Sozialplan erfasst.
- Die gesamten Verfahrenskosten werden Tamedia auferlegt. Mit diesem Entscheid bestätigt das Schiedsgericht, dass die Entlassenen von "Le Matin" zu Recht gekämpft haben.

Die Gewerkschaften und die 41 entlassenen Angestellten von "Le Matin" sind zufrieden mit dem Ergebnis des Schlichtungsverfahrens. "Dieses stellt in der Schweiz einen echten sozialen Fortschritt dar", schreibt Syndiocom. Sie bedauern aber folgende Punkte, die gemäss Syndicom aber "mit den besonderen Umständen des Falles" zusammenhängen:
- Das Schiedsgericht hat im Sozialplan nur dem Dienstalter und nicht dem Alter der Betroffenen Rechnung getragen. Damit werde nicht berücksichtigt, dass es ab einem gewissen Alter besonders schwierig wird, eine neue Stelle zu finden, findet die Gewerkschaft.
- Den entlassenen Mitarbeitenden mit Familie wird zwar ein zusätzlicher Monatslohn gewährt, jedoch nur jenen Angestellten mit Kindern bis 7 Jahre.


Positiv wertet Syndicom im Übrigen, dass das Schiedsgericht mit dem erzielten Sozialplan einen Grundsatz der sozialen Verantwortung konkretisiert, der ü
ber die im Obligationenrecht und im Gesamtarbeitsvertrag vorgesehenen Pflichten hinausgeht. Dieser Grundatz besagt, dass ein Unternehmen zwar ein Recht hat, Leute zu entlassen. Wenn es aber Gewinne erzielt, muss es Verantwortung übernehmen. "Und Tamedia wurde als Unternehmen anerkannt, das über ausreichende Mittel verfügt und genügend hohe Gewinne erzielt, um einen angemessenen Sozialplan anzubieten", schreibt Syndicom.

Von Tamedia liegt bisher keine Stellungnahme vor.
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